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German Reichweitenangst

„Ach geh’ dich wech mit Elektroauto“, untertiteln die beiden Autoren Wolfgang Paul und Stefan Schwunk ihr unterhaltsames Buch „German Reichweitenangst“, in dem sie das Thema Elektromobilität in seiner kontrovers diskutierten Gesamtheit nicht belehrend von oben herab, sondern mit humorvoller Leichtigkeit angehen. Es ist ja auch wirklich eine Krux mit dieser leidenschaftlich geführten Debatte zwischen Diesel-Dieter und Elektro-Eike: Statistisch gesehen ist jeder Europäer im Besitz von 18 Elektromotoren, verbaut in Thermomix, Föhn, Bohrmaschine, Rasenmäher und in was weiß ich nicht noch allem. Aber beim heilix Blechle in der Garage artet es sogleich in einen Kulturkampf aus, wenn es um die Frage geht, ob das an der Zapfsäule hängende Vehikel auf vier Rädern nun elektrifiziert werden soll oder nicht.

Dabei fällt auf, dass beim bipolaren Schlagabtausch der „Für-und-Wider-Argumente“ vorwiegend die Benzinerfraktion der E-Mobilität die Praxistauglichkeit abspricht, obgleich all jene, die bereits seit Langem oder erst seit Kurzem lieber laden statt zu tanken (oder stromern statt zu stinken), ihrer Entscheidung zum Antriebswechsel nur Vorteile abgewinnen können. Während die eine Seite nicht müde wird, die viel zu hohen Kosten für ein E-Auto ins Feld zu führen und – vor allem gestandene Männer – ihre Angst offenbaren, ­mangels Reichweite im ladesäulenabsenten Nirwana zu stranden, genießt die Stromerfraktion das Freikaufen vom Preisdiktat der Mineralölkonzerne und zieht grinsend dem Diesel-Dieter an der Ampel davon.

Kein Elektromobilist bestreitet, dass eine E-Autofahrt aufgrund der Ladestopps tendenziell länger dauert, gibt indes korrekterweise dabei zu bedenken, dass beim Laden auf dem Supermarktparkplatz während des Einkaufs bitte auch eine Zeitgutschrift gegenüber der Fahrt zur Tanke zu verbuchen sei. Und natürlich sind all jene Auserwählten im Vorteil, die nicht zur Miete wohnen, sondern über ein Eigenheim mit Solarpanels und Wallbox verfügen.

Aber das Tarif-Chaos! Die unzähligen Anbieter! Nicht zu vergessen der verlustig gehende Fahrspaß, dieses autoerotische Vorspiel beim Durchdrücken des Gaspedals, wenn die Kraft des Achtzylinders gänsehautlüstern aus dem Auspuff röhrt! Das dabei erzeugte CO₂ – ebenso geschenkt wie die Atemnot des Hintermanns, wenn sich im Tunnel der Verkehr staut.

Ob das Aus vom „Verbrenner-Aus“ eine so durchdachte Idee war wie das Fixieren auf ein Datum, ab dem nur noch neue Elektroautos bestellbar sind, sei dahingestellt. Das immer dichter werdende Ladenetz und die aktuellen Spritpreise erübrigen eine solche Debatte – die E-Mobilität kommt so sicher, wie einst das Auto die Pferdekutsche abgelöst hat. Und was die Reichweitenangst angeht: Gerechnet auf den Euro pro Kilometer kommt ein Stromer deutlich weiter als ein Diesel. si