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Blockadepolitik

Sie steht in keinem Reisezielkatalog, und spannende Sehenswürdigkeiten sucht man auf der 42 Quadratkilometer winzigen Felseninsel mit ihren rund 6.000 Einwohnern vergebens. Auch das Klima dort ist mit Temperaturen jenseits der 40 Grad übers Jahr so wenig einladend wie die baumlose Landmasse Schatten zu spenden vermag. Und doch ist der Name dieses Eilands derzeit in aller Munde, weil die nur 18 km entfernte Meerenge, die Straße von Hormus, nach eben diesem unwirtlichen Geröllhaufen aus Sedimentgestein benannt ist. Die strategische Bedeutung dieser Schifffahrtsstraße bekommt derzeit die ganze Welt zu spüren, und jeden Tag stellt sich aufs Neue die Frage, ob sie nun offen, gesperrt oder schutzgeldbelastet befahrbar ist.

Währenddessen sitzen die Kapitäne nebst angeheuerten Mannschaften mit ihren vor Anker liegenden Öl- und Containerschiffen im Persischen Golf fest, ständig der Gefahr ausgeliefert, ins Kreuzfeuer der Kontrahenten zu geraten. Genau wie die Zivilbevölkerung in den vom Krieg betroffenen Ländern der Region bangen sie, ob und wie lange die fragile Feuerpause wohl anhält. Die Fronten zwischen dem unberechenbaren Wüterich jenseits des Atlantiks, der im Schulterschluss mit Israel einen
hemmungslosen Angriffskrieg vom Zaun brach, und den fanatischen Provokateuren in Teheran, die fleißig Öl in dieses geopolitische Feuer gießen, sind hoffnungslos verhärtet, die Situation scheint verfahren. Derweil Pakistan versucht, in dem Konflikt zu vermitteln, müssen die vom Öl abhängigen Länder mehr oder weniger hilflos zusehen, wie diese Straßenblockade ihre Wirtschaft in den Keller zieht und die Inflation auf die Spitze treibt. Schon greift wieder die Angst vor einem Zusammenbruch der Lieferketten um sich, wie zuletzt während der Corona-Pandemie.

Und dann die gehypte Aufregung an der Tankstelle – man sehnt sich förmlich nach der Liedzeile „Und kost’ Benzin auch drei Mark zehn, scheißegal, es wird schon geh’n“ des NDW-Hits „Ich will Spaß, ich geb’ Gas“ zurück, die 1982 von der prophetischen Begabung des deutschen Sängers Markus zeugte. Gemessen an heutiger Kaufkraft und Währung sind wir da allerdings eher schon bei vier Mark – oder drüber. Doch anstatt sich einzugestehen, dass es vielleicht sinnvoller wäre, den Turbo eher bei der regenerativ orientierten Energiewende anstatt beim 911er zu zünden, diskutieren Arme und Reiche lieber über Tankrabatt und die Renaissance der Atomkraft in Form von „Small Modular Reactors“ (SMR). Abgesehen von der zweifelhaften Sinnhaftigkeit dieser Idee – dass für die erste Generation der Atomreaktoren noch immer kein Endlager für den radioaktiven Müll in Sicht ist, wird dabei geflissentlich ausgeblendet. So ist das nun mal mit den Blockaden – egal, ob auf der Straße, auf See oder im Gehirn: Sie verwandeln Lust in Frust, zwingen Hast in Rast und verzocken das Geld der Welt … si