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Olympisches Ringen

Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind die olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo längst Schnee von gestern. Der Medaillenspiegel ist bereits erblindet, die Blessuren aus den Stürzen sind verheilt, die Helden vergessen und die 14 Flieger, mit denen der US-Vice JD Vance, seine Delegation aus Mitarbeitern und Sicherheitsbeamten nebst gepanzerten Autos angereist ist, parken längst wieder im Hangar oder werden für die „Artemis 2“-Mission aufgerüstet, damit er die Nasa-
Astronauten auf dem Mond begrüßen und der Umbenennung des Erdtrumpbanten beiwohnen kann.

Was bleibt, wie bei jedem Fünf-Ringe-Event, sind Abfälle und eigens für die Spiele gebaute oder aufgeblasene Sportstätten. Offensichtlich pulverisierte sich schon lange vor der pompösen Eröffnungsfeier das selbst auferlegte Motto „Nachhaltigkeit Now26“ wie trockener Neuschnee. Die Fondazione Milano Cortina 2026 wollte ökologische und soziale Nachhaltigkeit in eine gemeinsame, erlebbare Erfahrung verwandeln. Erklärtes Ziel war es, bestehende Ressourcen und Wettkampfstätten zu nutzen.

Tatsächlich haben die Italiener kein nigelnagelneues olympisches Dorf aus dem Boden gestampft, sondern die Athleten in vorhandenen Hotels vor Ort und mobilen Wohnheimen auf Rädern beherbergt. Dass – wohlgemerkt, entgegen des ausdrücklichen Wunsches des Olympischen Komitees – für 118 Millionen Euro eine neue Bobbahn in die Berglandschaft gefräst wurde und nun ungenutzt vor sich hinbröckelt, ist italienische Tradition. War bei den Winterspielen 2006 in Turin nicht anders. Meloni wollte nun mal eine neue Murmelbahn.

Eine ganz andere Errungenschaft olympischer Spiele ist die Entdeckung von Disziplinen, die niemand kennt oder von denen niemand glaubt, dass sie jemals olympisch waren. Kurioses gab es da so einiges: Tauziehen (1900 –1920, die Teams bestanden vornehmlich aus Polizisten), ­Pelota (funktioniert ähnlich wie ein Squash-Doppel), Motorbootrennen (nur einmal 1908 in London), Hindernisschwimmen (hat aber niemanden interessiert) oder Standhochsprung (muss lustig ausgesehen haben).

Eine Sportart, die bei den jetzigen Winterspielen wieder mehr in den Fokus rückte, ist Curling. Lange bei Olympia als Demonstrationswettbewerb ohne Medaillenvergabe weit unter Wert verkauft, zählt die Disziplin seit den Winterspielen in Nagano (1998) für Männer und Frauen offiziell zum Programm.

Damit angefangen haben die Schotten im 16. Jahrhundert, als sie handtellergroße Steine über zugefrorene Seen schlittern ließen (woher auch der Name stammt: „to curr“, was sich mit „schnurren“ oder „gurren“ übersetzen lässt und das Geräusch der Steine beschreibt). Über Auswanderer kam das Spiel nach Kanada und mit den Touristen zurück nach Europa in die Schweiz. Auch die Deutschen entdecken gerade dessen Faszination – feilen aber immer noch an der ersten Medaille. si