Nicht nur die Deutsche Bahn, auch die amerikanische Justiz hat so ihre Probleme mit dem Thema ICE. Während hierzulande das Akronym für den Kampf mit Verspätungen, nicht funktionierenden Klimaanlagen und geschlossenen Bordrestaurants steht, verbreitet es in den USA vor allem unter den Immigranten Angst und Schrecken, nachdem ein ICE-Agent der gleichnamigen Einwanderungsbehörde eine unbewaffnete Frau auf offener Straße erschossen hat.
Man kann auch sagen: Mitten im Klimawandel friert sich in der Welt eine politische ICE-Zeit fest, die mehr als nur eine Gänsehaut hervorbringt. Vor dem Hintergrund der schwelenden und offenen Konflikte rund um den Erdball mutet allerdings der deutsche Frust über unpünktliche und ausgefallene Personenzüge geradezu niedlich und weltfremd an. Man muss es so sagen: Wenn wir sonst keine Probleme hätten, ließe es sich mit der Verspätungsstatistik der DB wunderbar leben – stünde dagegen das Ende des nun vier Jahre (!) andauernden Ukraine-Krieges, wer wollte sich da noch über Züge in umgekehrter Reihenfolge beschweren?
Doch leider wird eher umgekehrt ein Schuh daraus, denn kaum ist irgendwo ein Schwelbrand am Ersticken, explodieren an ganz anderen Stellen gleich zwei weitere Zeitbomben – zuletzt im destabilisierten Iran und an einem Ort, wo die Eisbären zuhause sind, nämlich in Grönland. Wie lange es wohl dauert, bis Donald Trump und seine Entourage beschließen, den „Nanoq“, wie die Inuit ihn nennen, per Dekret in ICE-Bär umzutaufen, nachdem sie sich die größte Insel der Welt unter den Nagel gerissen haben? Und ob Grönland dann vielleicht bald Gröfazland heißt?
Durch ihre Weigerung, den menschengemachten Klimawandel anzuerkennen und in der Konsequenz aus allen Abkommen auszusteigen, hat die US-Regierung alles dafür getan, dass der 3.000 Meter dicke Eisschild alsbald dahinschmilzt, um ohne Eispickel die darunter verborgenen seltenen Erden ausbeuten zu können und an den Schifffahrtsrouten zu verdienen, die nicht mehr zufrieren. Dass in der Folge auch die Schollen unter den Tatzen der Eisbären immer kleiner werden und sie am Ende jämmerlich ersaufen – geschenkt.
Ob die ICE-Heiligen in Washington und Mar-a-Lago schon registriert haben, dass die schmelzenden Polkappen den Meeresspiegel weltweit bis zum Jahr 2100 um einen Meter ansteigen lassen? Diejenigen, die heute alles dafür tun, dass dieses Desaster eher früher als später eintritt, werden die Folgen ihres egoistischen Handelns nicht mehr erleben. Ihre Kindeskinder dafür umso mehr – und sie bezahlen müssen.
Wie deren Generation wohl einmal auf die 2020er Jahre zurückblickt, in denen noch so viel abzuwenden gewesen wäre, wenn die ICE-Zeit nicht aus purer Gier und Egomanie den Klimawandel aus den Augen verloren hätte? si