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Bürohaus in München-Gräfelfing bietet ganzjährigen Komfort ohne Heiz- und Klimatechnik

Das fünfgeschossige Bürohaus des Fahrzeugservices Heinrich Nabholz in München-Gräfelfing besitzt rund 2.800 Quadratmetern Nutzfläche, zwei Tiefgaragen und eine Dachterrasse. Statt konventioneller Heiztechnik nutzen die Büroräume ausschließlich natürliche Wärmequellen wie Körperwärme, Beleuchtung und Computer. Deren Abwärme wird in der massiven, 65 Zentimeter starken Ziegelhülle und den 24 Zentimeter dicken Stahlbetondecken gespeichert und zeitverzögert wieder abgegeben. Das gewährleistet ein ganzjährig stabiles Raumklima zwischen 22 und 26 Grad Celsius. Doch woher kommt die Idee zur intelligenten Innenraumkonzeption?

Konzept erklärt anhand des Referenzobjekts Bürohaus 2226

Die Architekten orientierten sich am Konzept des Bürohaus 2226 in Lustenau, das als Referenz für behagliches Raumklima ohne technische Klimatisierung gilt. Durch optimierte Außenwände, speicherfähige Decken und ein intelligentes Lüftungskonzept wird ein stabiles Raumklima geschaffen. Diese Bauweise greift eine uralte Idee auf: Schon antike Baumeister regulierten Temperaturen mit massiven, speicherfähigen Wänden - ganz ohne moderne Technik. „Neben den hohen Anschaffungs- und Installationskosten hat auch der Wegfall der erheblichen Wartungskosten von Heiz- und Klimatechnik zu dieser Entscheidung beigetragen“, erläutert Architekt Bernd-Simon Schwarz vom Schwarz Architekturbüro Altdorf. Die Planung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Peter Widerin, einem der Entwickler des 2226-Konzepts.

Das Gebäude umfasst fünf oberirdische Geschosse mit rund 2.800 Quadratmetern Nutzfläche. Ein zurückgesetztes viertes Stockwerk bietet eine Dachterrasse. Der zentral angeordnete Erschließungskern mit Treppenhaus, Aufzug und Sanitäranlagen verbindet die beiden Gebäudeflügel. Zwei Tiefgaragen mit 68 Pkw-Stellplätzen ergänzen die neun flexibel nutzbaren Büroeinheiten.

Natürliche Lüftung und flexible Raumaufteilung im Inneren

Das Lüftungskonzept setzt auf motorisierte Fensterklappen und Überströmelemente aus Holz, die auch bei geschlossenen Büroräumen eine effektive Querlüftung ermöglichen. „Rund 70 Prozent der Fläche wird künftig an Fremdnutzer vermietet. Daher wollten wir nicht nur Großraumbüros umsetzen, sondern auch abgeschlossene Büroeinheiten ermöglichen“, sagt Schwarz. Die flexible Raumstruktur erhöht den Komfort und verbessert die Akustik, sodass sowohl Großraum- als auch Einzelbüros realisiert werden können.

Gebäude besitzt monolithisches Ziegelmauerwerk mit optimierter Wandstärke

Die Außenwände bestehen aus einer 30 Zentimeter starken Außenschale, einer 30 Zentimeter tragenden Innenschale, einer 1,5 Zentimeter Mörtelfuge sowie 3,5 Zentimeter Kalkzement- und Kalkputz. Die Gesamtwandstärke beträgt dadurch 65 Zentimeter. Im Vergleich zum Vorbild in Lustenau, das eine Wandstärke von 81,8 Zentimetern aufweist, konnte die Dicke durch das gewählte Ziegelsystem von Leipfinger-Bader deutlich reduziert werden.

Das monolithische System erreicht einen U-Wert von 0,143 Watt pro Quadratmeter und Kelvin. Die Ziegel bieten eine Druckfestigkeit von fünf Meganewton pro Quadratmeter (Festigkeitsklasse 12) und lassen sich wirtschaftlich verarbeiten. Die Rohbauausführung erfolgte nach DIN EN 1996 mit deckelndem Dünnbettmörtel.

Energieeffizienz entsteht durch Wärmebrückenfreiheit

Das Gebäude erfüllt den Effizienzhausstandard 55 für Nichtwohngebäude. Simulationen belegen, dass die Temperaturen im Gebäude ganzjährig zwischen 22 und 26 Grad Celsius liegen. Der errechnete Jahresheizwärmebedarf beträgt 46,8 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Um Wärmeverluste zu vermeiden, wurden alle Anschlussbereiche wärmebrückenoptimiert, insbesondere an Fensteröffnungen, Mauerwerk und Dachhaut. Für den sommerlichen Wärmeschutz ist ein außenliegender Sonnenschutz aus Raffstores vorgesehen, der nach Berechnungen jedoch nicht zwingend erforderlich wäre. Das Bürohaus ist zudem mit einer 60-Kilowatt-Photovoltaikanlage, 16 E-Ladestationen und einem wartungsarmen Betriebskonzept ausgestattet.

Ausblick: Bürohaus gilt als Vorbild für energieeffiziente Bürogebäude

Das Bürohaus in München-Gräfelfing zeigt, wie nachhaltiges und wirtschaftliches Bauen mit monolithischem Mauerwerk und ohne aufwendige Gebäudetechnik möglich ist. Das Gebäude ist energieeffizient, verursacht geringe Betriebskosten, sorgt für ein klimafreundliches Arbeitsumfeld und kann zukünftigen Projekten als Impuls für klimafreundliches Bauen dienen. Quelle: ar / Leipfinger-Bader

Bautafel zum Bürogebäude

• Bauherr: Heinrich Nabholz KG, Gräfelfing

• Planung: Schwarz Architekturbüro, Architekt M.A. (TUM) Bernd-Simon Schwarz, Altdorf bei Nürnberg

• Generalunternehmer und Verarbeiter Rohbau: C+P Schlüsselfertiges Bauen GmbH & Co. KG, Angelburg

• Grundstücksfläche: 1.500 m²

• Nutzfläche: ca. 2.800 m²

• Errechneter Jahresheizwärmebedarf: 46,8 kWh/m²a

• Monolithische Außenwand: Außenschale 30 cm "WS08 Coriso"-Ziegel, Innenschale 30 cm "WS10 Coriso"-Ziegel

• Ziegelhersteller: Leipfinger-Bader GmbH, Vatersdorf

• Bauzeit: Januar 2020 bis Oktober 2021