Woher kommt der Solarboom an den Balkonen? Mehrere Anbieter berichten gegenüber dem Onlineportal Finanztip von rund 50 Prozent mehr Anfragen nach Solaranlagen in den vergangenen Wochen. Hintergrund dieses Anstiegs ist unter anderem das angekündigte Ende der Einspeisevergütung für neue Anlagen ab 2027. Immer mehr Verbraucher interessieren sich für die eigene Stromproduktion und suchen nach Möglichkeiten, ihren Stromverbrauch durch Photovoltaik zu senken.
„Viele Verbraucher wollen zumindest einen Teil ihres Stroms selbst erzeugen“, sagt Benjamin Weigl, Finanztip-Experte für Energie. „Balkonkraftwerke sind der günstige Einstieg in den Solarstrom und besonders für Miet- und Eigentumswohnungen empfehlenswert. Eine große Photovoltaikanlage bleibt die Lösung für alle, die eine sonnige Dachfläche haben und sich mit möglichst viel eigenem Strom selbst versorgen möchten.“
Balkonkraftwerke: Günstiger Einstieg bei schneller Amortisation
Balkonkraftwerke, auch Steckersolargeräte genannt, ermöglichen einen unkomplizierten Einstieg in die Eigenstromproduktion. Die Geräte kosten meist nur wenige hundert Euro und lassen sich ohne aufwendige Installation am Balkon oder auf der Terrasse montieren. Für einen Beispielhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden kann ein kleines Balkonkraftwerk mit zwei Solarmodulen etwa 15 Prozent des Strombedarfs abdecken. Größere Anlagen mit vier Modulen erreichen einen Autarkiegrad von rund 20 Prozent.
„Durch die vergleichsweise niedrigen Anschaffungskosten amortisieren sich solche Anlagen schnell“, erklärt Weigl. Ein kleines Balkonkraftwerk für etwa 400 Euro rentiert sich laut Finanztip-Berechnung nach knapp drei Jahren, eine größere Anlage für rund 700 Euro nach etwa dreieinhalb Jahren. Auch rechtlich ist der Betrieb inzwischen vereinfacht: Mieter haben grundsätzlich einen Anspruch darauf, ein Balkonkraftwerk zu betreiben.
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Große Photovoltaikanlagen: Höhere Autarkie bei längerer Amortisationszeit
Klassische Photovoltaikanlagen mit Batteriespeicher bieten eine deutlich höhere Unabhängigkeit vom Strommarkt. Für den gleichen Beispielhaushalt kann eine Anlage mit 18 Solarmodulen und einem Fünf-Kilowattstunden-Batteriespeicher rund 72 Prozent des jährlichen Strombedarfs selbst decken. Die Investitionskosten liegen mit aktuell etwa 14.000 Euro jedoch deutlich höher. Die Amortisation erfolgt nach rund 15 Jahren.
Über einen Zeitraum von 20 Jahren ergibt sich ein Überschuss von über 5.400 Euro, unter anderem durch Einnahmen aus der Einspeisevergütung. „Wer viel Strom verbraucht oder künftig mehr Strom benötigt – etwa durch ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe – für den lohnt sich eine PV-Anlage deutlich schneller“, erklärt Weigl.
Das sind die rechtlichen Rahmenbedingungen
Die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen könnte sich ab 2027 verschlechtern, da nach aktuellen Plänen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie die Einspeisevergütung für neue Anlagen abgeschafft werden soll. Wer den Bau einer Solaranlage plant, sollte diesen Schritt daher möglichst noch 2026 umsetzen, rät Finanztip.
Solaranlagen bleiben attraktiv, dennoch besteht Handlungsbedarf
Angesichts der drohenden Abschaffung der Einspeisevergütung und der gestiegenen Nachfrage empfiehlt sich 2026 als günstiger Zeitpunkt für die Anschaffung einer Solaranlage. Während Balkonkraftwerke einen schnellen und günstigen Einstieg bieten, ermöglichen größere Photovoltaikanlagen mit Speicher eine deutlich höhere Unabhängigkeit vom Strommarkt. Hier finden Sie den Finanztip Ratgeber zu Photovoltaik und zum Balkonkraftwerk sowie den Unabhängigkeitsrechner Solar. Quelle: Finanztip / ar