Vor drei Jahren herrschte noch Goldgräberstimmung in der Nord- und Ostsee. Damals überboten sich die Mineralölkonzerne gegenseitig mit Milliardensummen, als es darum ging, sich Meeresflächen für Offshore-Windparks zu sichern. Sage und schreibe 12,6 Milliarden war es den Unternehmen wert, die Rechte für Windparks zu ergattern, staatliche Förderung noch ungeklärt: egal.
Egal scheint es BP und Total Energies (die damals den Zuschlag erhielten) nun aber Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR zufolge, die teuer erkauften Pläne auch in die Tat umzusetzen. Bis 2032 sollten die Mega-Windparks regenerativ erzeugten Strom liefern. Was ja ganz gut zu dem selbst gesteckten Ziel der Bundesregierung passt, bis 2030 die Offshore-Kapazität auf 30 Gigawatt zu steigern.
Alaa Alhamwi, Bundestagsabgeordnete bei den Grünen, hat jetzt nach drei Jahren bei den windigen Öligarchen mal nachgefragt und bekam knapp beschieden, das Projekt sei aktuell „in Entwicklung“. Tatsächlich scheint die damalige Aufbruchstimmung verflogen, was in Anbetracht der verdoppelten … ähm, verdreifachten, nein … inzwischen verfünffachten Gewinne bei Rohöl und Sprit nicht wirklich verwundert: Bei BP stieg der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn auf rund 5,7 Milliarden Dollar (Marktbericht der Tagesschau vom 4.8.2026).
Was macht es da noch für einen Sinn, auf hoher See teure Windrädchen und Konverterstationen zu bauen, wenn der Wind of Change nun aus der Straße von Hormuz weht? Da bietet es sich doch eher an, mit der Bundesregierung über eine Rückgabe der Flächen zu verhandeln! Man will ja schließlich noch was auf den Tankrabatt obendrauf. Ob dann aber die 30 Gigawatt binnen drei Jahren noch zu stemmen sind? Eher nicht. Und so geht weiter ungenutzte Zeit ins Land, um sich von den Ölimporten unabhängig zu machen. Energiewende ade, so wird das jedenfalls nix bis 2045 mit der Klimaneutralität.
Immerhin aber wird derzeit noch an dem Windrad-Giganten im brandenburgischen Schipkau festgehalten – zwar verzögert sich auch dort wegen des Windes die Fertigstellung, jedoch ist der 365 Meter hohe Gitterturm (Nabenhöhe: 300 m) nahezu fertiggestellt. Er ist dann nach dem Berliner Fernsehturm (368 m) das zweithöchste Gebäude Deutschlands und nach Schätzung des Bundesverbandes Windenergie das größte Windrad der Welt. Mit einer Nennleistung von 3,8 Megawatt soll die Anlage Strom für bis zu 7.500 Haushalte produzieren. Wenn dann aber Don Chrupalla auf seinem klapprigen Gauland Rosinante höckt und mit seiner treuen Alice anrückt, um den Windmühlen der Schande den Kampf anzusagen, dann brat’ mir einer die Storch. si