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Die Guten ins Töpfchen …

Fachredaktionen werden tagtäglich überschwemmt mit zig lobhudeligen Pressemeldungen zu „innovativsten Produkt-News“ aus jedem nur erdenklichen Bausegment. Was da mitunter an revolutionären Werbetext-Kreationen aus der Mailbox quillt, lehrt einen das High-End-Fürchten. In nahezu jeder Zeile geben pseudotechnische Adjektive kaltblütigen Killer-Phrasen Feuerschutz, wenn zum Beispiel „eco-optimierte und praxisbewährte Lösungen dank maximaler Flexibilität die Zukunft des Bauens nachhaltig verändern“. Und das „par excellence“, versteht sich! Dem geschulten Redakteursauge sei Dank, dass in so einem Fall „der optimierte Workflow nicht leidet“, weil es ihm die Routine erlaubt, „durch intelligente Textbearbeitung eine signifikante Zeit­ersparnis“ zu erzielen.

Doch damit wäre beim Redigieren – um auch in dieser Glosse dem journalistischen Trend hin zum militärischen Fachjargon zu entsprechen – lediglich eine Schlacht, aber noch lange kein Krieg gewonnen. Denn mit dem Aussortieren der Blabla-Blasen lässt sich aus … ähm … Sie wissen schon … dingsda halt … noch kein Gold machen! Im nächsten Schritt geht es darum, unbewiesene oder nicht haltbare Behauptungen aufzuspüren und sie durch ZDF (Zahlen, Daten oder Fakten) zu ersetzen. Dann nämlich sorgt das Produkt nicht nur für eine enorme Zeitersparnis, sondern die Trocknungszeit verkürzt sich von 24 auf zwei Stunden! Weshalb die oben gewonnene, signifikante Zeitersparnis wegen Nachtelefonierens und Internet­recherche ruckzuck wieder flöten geht (zu früh gejubelt, Herr Verleger!).

Womit wir bei dem Mysterium der Produktnamensgebung und der nicht minder obskuren Schreibweise angelangt wären. Was für Drogen nimmt ein Produktmanager und/oder eine Creative Directorin, wenn er oder sie einen Wechselrichter auf den Klarnamen SE7K-RW000BNN4 tauft oder einer Wärmepumpe den sibyllinischen Stempel Altherma 3 H HT ECH2O aufdrückt? Der absolute Trend bei Produktnamen ist indes die sogenannte Binnenmajuskel (CamelCase), die zumeist in einem halt- und willenlosen Groß-/Kleinschreibwirrwarr endet und nur noch in der Kombination mit VERSALIEN und Ziffern gesteigert werden kann: Hier übertrumpft sich die Konkurrenz von BauMit OPEN Top über StoVentec R bis hin zu Remmers iQ-Therm 2.0 gegenseitig. Wobei auch bei diesem Stilgemetzel die Wärmepumpenfraktion locker mithält: aroTHERM plus VWL 75/8.1 A 230 V – alles klar?

Was waren das für Zeiten, als eine Gastherme noch auf Combi-Geyser (Vaillant) hörte, Rollisol (Grünzweig + Hartmann) zwischen den Sparren dämmte und ein bekannter vorsokratischer Philosoph als Namensgeber für Bauplatten missbraucht wurde – im Volksmund (der Optik wegen) bis heute liebevoll Sauerkrautplatte genannt. Damals kamen die Pressemeldungen noch per Post, die Texte aus der Schreibmaschine und kryptische Produktnamen waren nicht Suchtmitteln, sondern miteinander verhakten Typenhebeln geschuldet. si