Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt ins Lenkrad gebissen und an der Ampel ungeduldig „Grüüüner wird’s nicht, du Penner!“ in den Orkus Ihres Fahrzeuginnenraums gebrüllt? Oder sind Ihrem Vordermann bei 150 Sachen auf der Autobahn derart bedrohlich nah auf die Pelle gerückt, dass Sie an dessen Kennzeichen ablesen konnten, dass der TÜV seines Schrotthaufens überfällig ist? Nein? Sie doch nicht!? Wie, Sie sind unschuldiger Radfahrer, der noch nie genervt die Vorfahrt erzwungen hat oder rechts an der Autoschlange vorbei und dann bei Rot über die Kreuzung gestochen ist? Echt jetzt?
Glaubt Ihnen doch keiner. Selbst wer die sieben Regeln der Gelassenheit blind beherrscht und mit Stress meditativ umzugehen weiß, muss sich doch bei den Ergebnissen der Langzeitstudie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ertappt fühlen, der sich mit der Unfallforschung auseinandersetzt und seit 2010 regelmäßig eine Onlinebefragung zum Straßenverkehrs-Knigge durchführt.
Demnach haben sich nahezu alle 23 ermittelten Werte für aggressives Verhalten seit der letzten Studie 2023 noch mal weiter verschlechtert. Immer mehr Autofahrer räumen Fehlverhalten ein – so stieg die Zahl der Drängler von 36 auf 47 % in diesem Jahr an. Auch das Bedürfnis, nach dem Überholen so knapp vor dem Verlierer wieder einzuscheren, dass dieser auf die Bremse treten muss, gab ein Drittel der Befragten zu.
Noch nie nebenbei rasch einen erhobenen Daumen ins Smartphone getippt oder sich dazu hinreißen lassen, bemi Fahgren eni kryptisxhs Sätzxhwn tu schribben? Jeder von uns verspürt Zeitdruck auf der Straße und ist entsprechend schnell genervt, wenn man am Vorankommen gehindert wird. Die Einnahmen aus den Radarfallen zeigen: Die Teutonen rasen wie die Bekloppten. Umso erstaunlicher, dass sich in der Befragung rund 60 % für ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen aussprechen – immerhin 53 % befürworten 80 auf Landstraßen, 43 %t sind für mehr 30er-Zonen in Innenstädten. Man staune: 74 % wären für eine Null-Promille-Grenze zu haben. Passt irgendwie nicht zum eigenen Verhalten oder wir Deutsche brauchen VORSCHRIFTEN, um zur Vernunft zu kommen. Irgendwie Panne, oder?
Apropos: Haben Sie gewusst, dass das Werkzeug auf dem Verkehrszeichen 359 („Pannenhilfe“) einen Franzosen darstellt? Sozusagen das Pendant zum Engländer, die beide fachlich korrekt eigentlich Rollgabel- oder Verstellschlüssel heißen müssten? Einziger Unterschied: Das Schraubgewinde für die stufenlos verstellbaren Metallbacken sitzt beim Engländer neben dem Griff, beim Franzosen nimmt man die Mutter durch Drehen des Griffs selbst in die Zange. Für Automobilisten und Radfahrer gleichermaßen ein wichtiges Hinweisschild und Werkzeug … si