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Gebäudebrüter in der Fassadensanierung mitdenken: Artenschutz als förderfähige Umfeldmaßnahme

Energetische Sanierungen bieten nicht nur die Chance, den Energieverbrauch von Gebäuden zu reduzieren und damit das Klima zu schützen. Sie ermöglichen zugleich Lebensräume für gebäudebewohnende Vogel- und Fledermausarten (sogenannten Gebäudebrütern) zu schaffen und zu sichern. Noch wenig bekannt ist, dass der Erhalt und die Neuschaffung von Nistplätzen für Gebäudebrüter im Zuge einer Dach- oder Fassadensanierung als förderfähige Umfeldmaßnahmen über die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) berücksichtigt werden können.

Warum es wichtig ist, Gebäudebrüter bei einer Sanierung zu berücksichtigen

Gebäudebrüter nutzen heute fast ausschließlich Hohlräume, Nischen und Spalte an Gebäuden als Brut- oder Quartierstandort. Ursprünglich besiedelten viele dieser Arten Baumhöhlen und Felsen. Mit der Ausbreitung menschlicher Siedlungen machten sich gebäudebewohnende Arten, wie beispielsweise Mauersegler, Schwalbe, Spatz und Co. diese „Kunstfelsen“ zunutze. Die meisten gebäudebewohnenden Vogel- und Fledermausarten zeichnen sich durch eine stark ausgeprägte Brutplatz- beziehungsweise Quartiertreue aus. Das heißt, sie nutzen über Jahre hinweg dieselben Brut- oder Quartierstandorte zur Jungenaufzucht.

Genau diese Nischen- und Hohlraumstrukturen gehen bei energetischen Sanierungen regelmäßig verloren. So kommt es, dass Gebäudebrüter trotz zunehmender Bebauung paradoxerweise immer seltener geeignete Brut- und Quartierplätze finden und ihre Bestände seit Jahren rückläufig sind. Denn durch Fassaden- und Dachdämmungen in Bestandsbauten werden diese Strukturen oft ersatzlos verschlossen und moderne Neubauten bieten aufgrund der modernen, glatten und klimaschonenden Bauweise kaum noch Potenzial als Lebensraum.

Einfache Lösungen ohne Konflikt mit der Energieeffizienz

Die Fledermaus-Niststeine sind in der Dämmung wärmebrückenfrei integriert.

Sylvia Weber/LBV München

Die Fledermaus-Niststeine sind in der Dämmung wärmebrückenfrei integriert.

Artenschutz und Energieeffizienz lassen sich heute problemlos miteinander verbinden. Bereits in der Planungsphase einer energetischen Sanierung können geeignete Maßnahmen zum Schutz gebäudebewohnender Vogel- und Fledermausarten berücksichtigt werden. Hierzu zählen beispielsweise artspezifische Nist- und Quartiersteine, die wärmebrückenfrei in Wärmedämmverbundsysteme integriert werden können. Der Einbau erfolgt in der Regel mit geringem Mehraufwand und ermöglicht es, wichtige Brut- und Quartiermöglichkeiten dauerhaft zu erhalten oder neu zu schaffen.

Fördermöglichkeit durch die BEG EM

Besonders interessant für die Beratungspraxis ist die Förderfähigkeit solcher Maßnahmen. Im Zuge der Beantragung einer energetischen Sanierung über das Förderprogramm der BEG EM können der Erhalt oder die Neuanlage von Nistplätzen für Gebäudebrüter im Rahmen der Umfeldmaßnahmen bei den förderfähigen Kosten berücksichtigt werden.

Der eigentliche Fördergegenstand bleibt dabei die energetische Sanierung. Die Kosten für Nisthilfen können jedoch als förderfähige Umfeldmaßnahme in die Kostenaufstellung aufgenommen und über den Grundfördersatz von 15 Prozent für Einzelmaßnahmen anteilig mit gefördert werden. Nach der Förderzusage sowie dem Abschluss der Sanierung und der Schaffung von Nistmöglichkeiten sind die angefallenen Kosten durch entsprechende Rechnungen im Verwendungsnachweis nachzuweisen.

Chance für die Energieberatung

Verputzte Fledermaus-Niststeine

Sylvia Weber/LBV München

Verputzte Fledermaus-Niststeine

Energieberatende können eine wichtige Brücke zwischen Klima- und Artenschutz schlagen. Mit dem entsprechenden Wissen lassen sich im Rahmen der Beratung und Beantragung geförderter Dach- und Fassadensanierungen nicht nur energetische Potenziale aufzeigen, sondern auch Möglichkeiten zum Erhalt bestehender und zur Schaffung neuer Brut- und Quartierplätze als förderfähige Maßnahme berücksichtigen.

Das Ergebnis: Energetische Sanierungen steigern nicht nur die Energieeffizienz und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern fördern zugleich die Biodiversität im Siedlungsraum. Gerade in Zeiten zunehmend energieeffizienter und strukturärmerer Gebäude bietet sich hier eine einfache und wirkungsvolle Möglichkeit, die Stadtnatur aktiv zu erhalten und zu fördern.

Vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis: Energetische Sanierungen können weit mehr leisten als Energie einzusparen. Sie bieten die Chance, Klimaschutz und Artenschutz gemeinsam zu denken und unsere Gebäude zu Lebensräumen für Mensch und Natur zu machen. Nachhaltiges Bauen wird damit ganzheitlich verstanden – für das Klima, für die Artenvielfalt und für lebenswerte Städte von morgen.

LBV München

M. Sc. Stefanie Gansbühler leitet beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern, Kreisgruppe München, das Projekt Gebäudebrüterschutz in Oberbayern.
www.botschafter-spatz.de