VDPM
Die Baustoffbranche spürt die Krise deutlich: Bei der Mitgliederversammlung des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) standen schwache Marktzahlen, zu viel Regulierung und ein zähes politisches Tempo im Fokus.
Mehr als 110 Teilnehmer kamen am 23. und 24. April 2026 zur Mitgliederversammlung des VDPM in Berlin zusammen. Vorstandsvorsitzender Christoph Dorn und Hauptgeschäftsführer Lars Jope begrüßten die Gäste. Im Mittelpunkt standen die anhaltende Baukrise, ihre Auswirkungen auf die Baustoffbranche sowie die Forderung nach mehr politischem Handeln und weniger Regulierung.
Zum Auftakt analysierte Prof. Dr. Tobias Just, Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg, das Marktumfeld. Unsicherheit präge die Weltbühne und belaste die Bau- und Immobilienwirtschaft unmittelbar. „Auf sinkende Zinsen zu warten, lohnt sich nicht“, so Just, „das Timing ist zu einem Glücksspiel geworden.“ Eine Rückkehr zu moderatem Wachstum sei möglich, doch fielen Umsetzungen schwer, weil „die Notwendigkeiten von außen vorgegeben werden.“ Die Politik müsse für Planungssicherheit sorgen, viele Prozesse dauerten zu lange. „2026 wird nach heutigem Stand wieder nicht die Wende bringen, unternehmerische und politische Entscheidungen sind zwingend notwendig. Die Baubranche gehört modernisiert – wir müssen digitaler und größer denken“, forderte Just.
Podiumsdiskussion zur Baukrise: Voting per Smartphone
An die Analyse schloss sich eine Podiumsdiskussion an, moderiert von Klaus Stratmann, Chefkorrespondent Klima & Energie beim Handelsblatt. Neben Just und Dorn diskutierten Lutz Brinkmann (MdB, CDU), Mitglied im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen, sowie Esra Limbacher (MdB, SPD), stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Wohnen und Bau. Per Smartphone-Abstimmung bewerteten 58 Prozent der Teilnehmer die Branchensituation als „befriedigend“, 38 Prozent als „schlecht“.
Dorn sprach von „geopolitischen Verwerfungen“, die die Bauwirtschaft massiv beeinflussen. Brinkmann versicherte, die Politik arbeite an den notwendigen Strukturreformen. In den Fraktionen sei man sich einig, dass die Mittel aus dem Sondervermögen tatsächlich für zusätzliche Infrastruktur-Investitionen genutzt werden müssen und nicht zur Haushaltskonsolidierung.
Bauturbo, Gebäudetyp E und EH-55-Förderung im Ranking
Im Ranking der Maßnahmen für den Anschub im Neubau führte der Bauturbo mit 52 Prozent vor dem Gebäudetyp E (25 Prozent) und der EH-55-Förderung (23 Prozent). Dorn betonte die Sinnhaftigkeit aller drei Maßnahmen, gab aber zu bedenken, dass „kurzfristig keine der drei zur Bewältigung der Baukrise ausreicht.“ Brinkmann verwies darauf, dass der Bauturbo nur wirke, wenn Städte und Gemeinden die Möglichkeiten konsequent anwenden. Für Limbacher sind die hohen Zinsen der wichtigste Grund für die Zurückhaltung privater Auftraggeber, für Just die enorm gestiegenen Baukosten: „Wir müssen die Regeln so vereinfachen, dass sich Bauen wieder rechnet!“
Bei den Effekten der energetischen Modernisierung sehen 72 Prozent die Energiebedarfssenkung als relevanteste Größe, 16 Prozent die Kosteneinsparung und 12 Prozent die CO2-Reduktion. Dorn kritisierte, dass in der Politik zu sehr auf das Heizungsthema geschaut werde statt auf die energetische Modernisierung der Gebäudehülle. Hier müsse das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) Akzente setzen. Brinkmann und Limbacher zeigten sich überzeugt, dass das GMG viele dieser Fragen klären werde; die Verhandlungen liefen konstruktiv ab.
Regulierung am Bau: „Gigantische Herausforderung“
Zentrales Thema war schließlich die überdimensionierte Regulierung am Bau. Just sprach von einer „gigantischen Herausforderung" und ergänzte: „Wir haben zu viele Regeln, die nicht immer Sinn ergeben, etwa bei der Nachverdichtung oder der Umgebungsbebauung. Die schönsten Städte, die wir in Deutschland haben, würden heute gar nicht mehr genehmigt!“ Limbacher kritisierte zu viel Dokumentation, Berichterstattungspflicht und Kontrolle und forderte stattdessen mehr Vertrauen des Staates in die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Unternehmen. Brinkmann plädierte dafür, sich auch mal von den anerkannten Regeln der Technik zu lösen und mehr Innovationen zuzulassen.
Verbandsarbeit: Sieben neue Mitglieder und stärkere Vernetzung
Der zweite Tag widmete sich Verbandsthemen. Der VDPM konnte seit vergangenem Jahr sieben neue Mitgliedsunternehmen begrüßen. Hauptgeschäftsführer Jope gab einen Überblick über die Aktivitäten der Geschäftsstelle, unter anderem zu GMG, BauPVO, europäischer Gesetzgebung sowie Kartellrecht, Datenschutz, IT- und Cybersicherheit. „Wir intensivieren die Vernetzung mit Verbänden und Institutionen hier in Berlin“, erklärte Jope.
Die Vorstandsmitglieder Matthias Brox und Christian Poprawa berichteten über die technischen Verbandsthemen aus Arbeitskreisen und Projektgruppen. Dazu zählten die Kommunikationsoffensive „Energiesparfarbe“ sowie die erstmals gemeinsam mit drei Handwerksverbänden im Herbst 2025 in Kassel veranstalteten Branchentage. Laufende Projekte betreffen die Schwerentflammbarkeit von Polyurethan-Dämmstoff in WDVS, die Verdübelung von WDVS-Deckenuntersichten sowie die Fassadenbegrünung, zu der demnächst ein Merkblatt erscheint. Der WDVS-Planungsatlas wurde um Details zum Holzbau und zu Holzfaserdämmstoffen ergänzt. Neu verfügbar ist ein Tool zur Vorbemessung von Windlasten an Gebäudefassaden.
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Marktstatistik WDVS und Trockenmörtel: Keine Entwarnung
Parallel legte der VDPM gemeinsam mit der B+L Marktdaten GmbH die Jahresstatistik 2025 sowie einen Ausblick auf das erste Quartal 2026 vor. Der WDVS-Absatz sank 2025 um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: -8,2 Prozent). Über die Quartale schwächte sich der Negativtrend ab: von -13,9 Prozent (Q1) über -7,9 Prozent (Q2) und -4,7 Prozent (Q3) auf -2,7 Prozent (Q4). Zwischen 2022 (35,9 Mio. m²) und 2025 (25,9 Mio. m²) hat der Markt rund 10 Mio. m² verloren. Wesentlicher Treiber war laut B+L der schwache Neubau infolge steigender Zinsen und hoher Baukosten. Auch aus der Renovierung kamen keine positiven Impulse.
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Der Trockenmörtel-Markt schrumpfte 2025 auf 5,8 Mio. t – ein Minus von 7,0 Prozent gegenüber 2024 (6,2 Mio. t). Schwächstes Quartal war ebenfalls Q1 (-12,3 Prozent), danach reduzierte sich das Minus über -7,8 Prozent (Q2) und -4,6 Prozent (Q3) auf -2,9 Prozent in Q4.
Die WDVS-Marktdaten für das erste Quartal 2026 versprechen keine Entwarnung: Mit 4,6 Mio. m² war es das schwächste erste Quartal seit 2020, das Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum lag bei 5,1 Prozent. B+L korrigierte die Jahresprognose von +2,5 auf +1,6 Prozent (26,4 Mio. m²). Als Gründe nennen die Wissenschaftler:
- die zahlreichen witterungsbedingten Ausfalltage für den Fassadenbau im Januar und Februar
- die nur langsam wachsende Baukonjunktur
- die Unsicherheit, ob und wann die Bauwirtschaft von Investitionen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität profitieren kann
- den Iran-Krieg mit all seinen Folgeerscheinungen, vor allem bei Material- und Energiepreisen
Der Trockenmörtel-Markt ging im ersten Quartal 2026 auf 1,2 Mio. t zurück (-1,7 Prozent). Für das Gesamtjahr prognostiziert B+L ein Plus von 2,0 Prozent auf 5,9 Mio. t – ursprünglich waren +3,6 Prozent erwartet worden.
Die nächste VDPM-Mitgliederversammlung findet am 29. und 30. April 2027 in Berlin statt. Dann feiert der Verband sein zehnjähriges Bestehen.
Quelle: VDPM/oja