Dämmung reduziert Wärmeverluste über Dach, Fassade und Keller und senkt damit den Energiebedarf von Gebäuden erheblich. Im Zusammenspiel mit der Heiztechnik sei sie ein zentraler Baustein für die Wärmewende, sagt Florian Maiwald vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) im Podcast-Gespräch. Ein zentrales Hemmnis für eine stärkere Umsetzung von Dämmmaßnahmen sieht er in politischen Unsicherheiten und widersprüchlichen Signalen. Die energetischen Anforderungen an Bestandsgebäude, insbesondere die U-Werte für Sanierungen, stammen noch aus dem Jahr 2009 und wurden seither nicht verschärft. Das könne bei Eigentümerinnen und Eigentümern den Eindruck erwecken, dass weitere Verbesserungen nicht notwendig oder nicht gewollt seien. Gleichzeitig gebe es starke Stimmen aus der Wohnungswirtschaft, die Dämmung als zu teuer kritisieren, was die öffentliche Debatte zusätzlich präge.
Maiwald geht ausführlich auf typische Vorbehalte gegen Dämmung ein. Häufig werde diese pauschal als zu teuer wahrgenommen, weil sie mit einer umfassenden Komplettsanierung gleichgesetzt werde. Tatsächlich sei auch eine schrittweise Verbesserung sinnvoll. Wirtschaftlich sei es wichtig, zwischen Gesamtkosten einer Sanierung und energiebedingten Mehrkosten zu unterscheiden: Zusätzliche Zentimeter Dämmung verursachen oft nur geringe Mehrkosten, da Gerüst, Planung und Anfahrt ohnehin anfallen.
BEG ist ein wichtiges Instrument für die Sanierung
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) beurteilt Maiwald grundsätzlich positiv. „Das ist ein sehr wichtiges Instrument für die Sanierung“, so der Experte. Er sieht aber auch Verbesserungsbedarf. Insbesondere plädiert er dafür, die Grundförderung für Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle stärker an die Förderung für Heiztechnik anzugleichen. Positiv hebt er Boni für besonders ineffiziente Gebäude (Worst Performing Buildings) sowie den iSFP-Bonus hervor, der Sanierungen entlang eines individuellen Sanierungsfahrplans unterstützt.
Nanna Kristin & Jan Felix Evers
Auch die ökologische Bewertung von Dämmstoffen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg sieht Maiwald als wichtiges Thema. Neben synthetischen Dämmstoffen wie EPS oder XPS stehen zahlreiche Alternativen aus Mineralwolle oder nachwachsenden Rohstoffen zur Verfügung, die in den meisten Anwendungsbereichen eingesetzt werden können. Lediglich bei speziellen Anforderungen - etwa hoher Druckfestigkeit im Erdreich - sind synthetische Materialien oft noch unverzichtbar.
Grundsätzlich macht diese Podcast-Folge deutlich: Dämmung bleibt trotz aller Debatten ein unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Gebäudesanierung. Und neben der Energieeffizienz gibt es noch weitere Gründe in entsprechende Maßnahmen zu investieren, wie Maiwald abschließend feststellt. Gedämmte Gebäude kühlen bei Strom- oder Heizungsausfällen deutlich langsamer aus, schützen die Bausubstanz und erhöhen die Sicherheit und den Komfort der Bewohner.
Den Podcast finden Sie auf folgenden Plattformen: