„All die von uns bereits ausgezeichneten Baustellenprojekte belegen, dass ein systematischer Umgang mit ganzheitlichen Nachhaltigkeitsthemen bei der Planung und Organisation von Baustellen möglich ist und vor allem zu positiven Effekten führt“, erklärt Johannes Kreißig, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Nun hat die DGNB die neue Version ihres Zertifizierungssystems für nachhaltige Baustellen vorgestellt. Sie bietet Bauunternehmern, Planern und Auftraggebern praxisnahe Instrumente zur Umsetzung und Dokumentation nachhaltiger Bauprozesse.
Grundlage für die Überarbeitung waren Praxiserfahrungen aus mehr als 250 Projekten sowie Rückmeldungen aus einer dreimonatigen Kommentierungsphase. Ziel ist es, Nachhaltigkeitspotenziale im Baustellenprozess von Hoch- und Tiefbauprojekten besser auszuschöpfen und die Qualitätssicherung zu stärken. Der aktualisierte Kriterienkatalog beachtet regulatorische Anforderungen wie die EU-Taxonomie. Diese wurden umfassend in das System integriert, um dessen Zukunftsfähigkeit zu sichern und Synergien zu schaffen.
Bewertungskriterien sichern qualitative Bauausführung
Das Grundgerüst der Zertifizierung bleibt bestehen. Fünf Hauptkriterien bestimmen die Bewertung: Baustellenorganisation, Ressourcenschutz, Gesundheit und Soziales, Kommunikation sowie die Qualität der Bauausführung. Im Spezialtiefbau entfällt das Kriterium Kommunikation. Im Unterschied zu anderen DGNB-Zertifizierungen erfolgt keine Abstufung nach Platin, Gold oder Silber.
DGNB
Ein DGNB-Zertifikat für nachhaltige Baustellen erhalten Projekte, die mindestens 65 Prozent der Anforderungen erfüllen. Rund die Hälfte davon sind Mindestanforderungen, insbesondere im Bereich Baustellenorganisation, die bei jedem Projekt verpflichtend umzusetzen sind. Um den erforderlichen Gesamterfüllungsgrad zu erreichen, müssen zusätzlich individuell weitere Maßnahmen aus den übrigen vier Kriterien umgesetzt werden.
Das umfasst die Basiszertifizierung
Das Zertifizierungssystem ist sowohl für Einzelbaustellen als auch für die unternehmensweite Anwendung skalierbar. Bauunternehmen können das System nutzen, um Prozesse über verschiedene Baustellen hinweg zu standardisieren. Dafür wird ein Basiszertifikat mit Pflichtenheft erstellt, wodurch Einzelzertifizierungen weniger aufwendig und kostengünstiger werden.
Bauherren profitieren ebenfalls: Das System dient als Leitfaden und Maßnahmenplan zur reibungslosen Umsetzung und Qualitätssicherung des Bauprozesses. Die Zertifizierung macht das Engagement für Nachhaltigkeit auf der Baustelle transparent und lässt sich in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit einsetzen. Öffentliche Auftraggeber können die Kriterien zudem für die Formulierung von Ausschreibungstexten nutzen.
DGNB
Schulungsangebot qualifiziert DGNB-Koordinatoren
Mit der Einführung der Marktversion des Systems wird künftig eine qualifizierte Person für die Zertifizierung benötigt: der DGNB-Koordinator Baustelle. Er begleitet Projekte ähnlich wie DGNB-Auditoren bei Gebäude- oder Quartierszertifizierungen. Die modular aufgebaute Fortbildung umfasst ein zweitägiges digitales Expertenwissen zu nachhaltigen Baustellen sowie ein On-Demand-Zertifizierungswissen über die Lernplattform der DGNB-Akademie. Nach erfolgreichem Abschluss besteht die Möglichkeit, einen Lizenzvertrag zu unterzeichnen und den Titel „DGNB Koordinator Baustelle“ zu führen. Zur dauerhaften Aufrechterhaltung des Titels ist eine jährliche Weiterbildung erforderlich.
Das Schulungsangebot richtet sich an Bauleitende, Sicherheits- und Gesundheitskoordinatoren, Bauingenieure im Hoch- und Tiefbau sowie in der Verkehrsinfrastruktur, Umweltingenieure, Stadt- und Regionalplaner, Architekten und Nachhaltigkeitsmanager.
Am 13. April 2026 bietet die DGNB ab 10 Uhr eine kostenfreie digitale Infoveranstaltung an. Interessierte können sich über die DGNB-Website anmelden. Alle Details zum überarbeiteten Zertifizierungssystem und der neuen Fortbildung stehen unter www.dgnb.de/baustelle sowie www.dgnb.de/akademie/dgnb-koordinator-baustelle bereit. Quelle: DGNB / ar