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Ein verpöntes Wort

Darf man noch „Nachhaltigkeit“ sagen? Neben Energie- und Gebäudethemen beschäftige ich mich unter anderem auch mit Produktionstechnologien. Und im Gespräch mit einem Experten für nachhaltige Fertigungskonzepte trat genau diese Frage auf. Nachdem der Begriff in öffentlichen Debatten jahrelang in jedem zweiten Satz genannt wurde und auch oft als Marketing-Buzzword herhalten musste, ist er jetzt fast verpönt.

Dies geht einher mit dem von einigen gewünschten Rollback zu Vor-Energiewende-Zeiten. Ökologie ist out. Es zählt nur, was ökonomisch relevant ist. Und alles, was nachhaltig ist, schadet per se der Wirtschaft – lautet der aktuelle Zeitgeist. Und der weht nicht nur durch die Fabrikhallen, sondern durch alle Branchen.

Nachhaltige Projekte müssen sich verstärkt der Frage stellen, was sie denn auch wirtschaftlich bringen. Auch bei entsprechenden Bauprojekten wird diskutiert, zu welchen Mehrkosten der Fokus auf Nachhaltigkeit führt. Dabei fällt auf, dass dabei häufig eher auf kurze Sicht gefahren wird. Man sieht nur die eventuell höheren Anfangsinvestitionen, aber nicht, welchen Mehrwert der nachhaltige Ansatz langfristig bringt – sei es bei den Betriebskosten und oder der Risikobewertung bezüglich des Klimawandels. Das Gleiche gilt für die Verwendung von kreislauffähigen Materialien, die zwar zunächst teurer sind, aber auf lange Sicht bei künftigen Sanierungsprojekten Kosten für die Entsorgung sparen. Wenn man wirtschaftliche Vorteile sehen möchte, findet man auch welche.

Das gilt auch für erneuerbare Energien. Sie sind nicht nur gut für den Klimaschutz und somit im besten Sinne nachhaltig. Die Erneuerbaren sind ein großer Wirtschaftsfaktor, der viele Arbeitsplätze schafft. Und dass fossile Energien eine Kostenfalle sind, sollte jedem spätestens seit Trumps planlosem Angriff auf den Iran aufgefallen sein. Interessant, dass dies eine Bundesministerin, die für die deutsche Wirtschaft zuständig ist, bisher noch nicht gemerkt hat. Dieselbe Ministerin sieht anscheinend auch nicht, dass China neben dem Markt für Solarmodule als nächstes das Wärmepumpengeschäft an sich reißen möchte. Es gäbe also eigentlich genügend ökonomische Gründe, die Energiewende weiter voranzutreiben und auf Nachhaltigkeit zu setzen.

Und nur mal so nebenbei: Wer Kinder hat, weiß, dass einen nichts so umtreiben kann wie die Sorge um die lieben Kleinen. Und dass man gerne etwas mehr Geld ausgibt, um sie in ihrer Entwicklung zu fördern. Ist es da nicht der größtmögliche Gewinn, wenn unsere Kinder durch Nachhaltigkeit unter lebenswerten Bedingungen aufwachsen und alt werden können? Ich weiß, das klingt pathetisch. Aber etwas Pathos schadet nicht – auch, wenn der Begriff vielleicht genauso verpönt ist wie das Wort „Nachhaltigkeit“.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

GEB-Redakteur Markus Strehlitz