Gute Nachrichten verkündete der Kognitionspsychologe Christian Stöcker im November vergangenen Jahres auf dem Herbstforum Altbau, zum Stand der Energiewende, weltweit und in Deutschland. Global würden die Erneuerbaren exponentiell wachsen, bei uns zu Hause nicht so rasant, aber es ginge voran. Doch diese Revolution werde hierzulande nicht wahrgenommen und das habe mit Desinformation durch die Fossil-Lobby zu tun.
Für die guten Nachrichten aus Deutschland bezog sich Stöcker unter anderem auf die KfW, die jährlich ihren Energiewendebarometer herausgibt. 5.000 Privataushalte hat sie für die 2025er-Ausgabe befragt. Und die Ergebnisse sind wirklich alles andere als deprimierend. 83 Prozent der Haushalte halten die Energiewende für wichtig oder sehr wichtig. Außerdem sind sie insgesamt offener gegenüber zwei der wichtigsten energetischen Modernisierungsmaßnahmen, dem Einbau einer Wärmepumpe und der Wärmedämmung.
Nun kommt aber der Wermutstropfen: „Eine auffällig niedrige Zustimmung zeigen Haushalte, die einen sehr hohen Kostendruck bei der Wärmeversorgung empfinden. Hier ist auch die eigene Handlungsbereitschaft am niedrigsten.“
Trotz der grundsätzlichen Zustimmung zur Energiewende finden also viele energetische Modernisierungen nicht statt, weil sie für die Betroffenen eine immer noch zu große Belastung darstellen. Das hat, so der Thinktank Agora Energiewende, mit einer verfehlten und ungerechten Förderpolitik zu tun. In seiner Studie „Soziale Wärmewende“, die wir in diesem Heft ab Seite 40 vorstellen, macht er Vorschläge, wie man die Mittel denen zukommen lassen kann, die sie wirklich benötigen. Laut den Autor:innen sind es bisher fast ausschließlich Wohlhabende, die Komplettsanierungen mit einer umfassenden Wärmedämmung durchführen.
Zu wenig und zu langsam, um 2045 bei einem klimaneutralen Gebäudebestand anzukommen – Wärmedämmung, Schwerpunktthema dieser Ausgabe, ist hier unverzichtbar. Burkhard Schulze Darup, Architekt und Wissenschaftler, hat von der planerischen Seite Ideen, wie man dabei vorankommen kann, die er in unserem Digitalen Fachforum Gebäudehülle erläuterte. Im Bericht zum Fachforum im vorherigen Heft haben wir seinen Ansatz verkürzt dargestellt.
Für Schulze Darup gilt nach wie vor „Efficiency first“, ein Grundsatz, den inzwischen viele in Zweifel ziehen (mit wenig überzeugenden Argumenten). Doch es sei, so der Architekt, im Endeffekt die Dämmung auf Effizienzhaus-55-Niveau oder besser, die das Gebäude nachhaltig mache, mit niedriger Heizlast in der kalten Jahreszeit und niedriger Kühllast im Sommer. Nachhaltig und klimaresilient. Und auch notfallresilient, etwa wenn über mehrere Tage die Heizung ausfällt. Darauf hat Florian Maiwald vom Ifeu im jüngsten GEB-Podcast hingewiesen.
Die Desinformationsstrategie, Christian Stöckers Forschungsgegenstand, zielt nicht nur auf Windkraft, Solarenergie und Wärmepumpen. Ihr fällt auch zur Wärmedämmung viel Unsinn ein. Zum Beispiel, dass ein Gebäude „atmen“ können muss. Äußern Hausbesitzende im Beratungsgespräch solche Ansichten, ist kommunikatives Geschick gefragt, wie der Beitrag unserer Autorin Eva Kafke ab Seite 34 zeigt. Nicht belehren – und gerade wenn es emotional wird, immer im Hinterkopf behalten, dass es für die Ratsuchenden um viel Geld geht und dass sie vor komplexen Entscheidungen stehen.
Viel Freude beim Lesen dieses Artikels – und natürlich auch aller anderen – wünscht Ihnen
Alexander Borchert, GEB-Redakteur