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Die letzte Messe ist noch nicht gelesen

Hurra – die Trendwende beim Wohnungsbau ist geschafft! Zum ersten Mal seit 2021 ist die Zahl der Baugenehmigungen im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Für insgesamt 238.500 Wohnungen haben sie die Baubehörden in Deutschland erteilt – 10,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Überproportional stieg diese Zahl mit 17,2 Prozent bei den Einfamilienhäusern (44.500 Wohnungen). Frau Hubertz ist schon ganz aus dem Häuschen ob so vieler neuer Häuser – kaum installiert, hat der sogenannte Bauturbo auch schon gezündet! Doch die Branchenverbände teilen Verenas Euphorie nicht so ganz: Genehmigt heißt noch lange nicht gebaut, mahnen sowohl der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie als auch der Immobilienverband Deutschland.

Schon einmal hat sich die Bau- und Immobilienbranche an Genehmigungszahlen besoffen, bis auch der letzte Unternehmer und Handwerker gemerkt haben: Mit Schub­laden­genehmigungen lassen sich weder Baustellen einrichten noch Rechnungen schreiben.

Wie viele ­Yachten und Ferraris von den Investoren und Maklern storniert wurden, weiß man auch nicht so genau. Der sogenannte Bauüberhang, also die Zahl genehmigter, aber (noch) nicht gebauter Wohnungen, schmolz zwar zuletzt wegen der anhaltenden Minusrekorde bei den Genehmigungszahlen zum Jahresende 2024 auf rund 760.000 Wohnungen ab, jedoch hat sich die anfängliche Katerstimmung wegen ausbleibender Aufträge beim Neubau in blanke Existenzangst gewandelt.

Wenn man nun weiß, dass von der Genehmigung bis zur Fertigstellung einer Wohnung im Schnitt 26 Monate vergehen (also mehr als zwei Jahre!), sollte man sich mit dem Entkorken der Schampusflasche lieber noch etwas gedulden, sonst überholt womöglich der nächste Kater den jetzt noch nicht ver­dauten.

Was heißt das? Weiter warten auf Godot, schon mal den Bagger vorfahren oder Verbänden und der Politik gehörig Druck machen, dass endlich Tempo in die Begleitmaßnahmen zum Bauturbo kommt? Will heißen: Klarheit beim Gebäudemodernisierungsgesetz und Verlässlichkeit bei der Förderarchitektur. Solange niemand weiß, was sich beim Gebäudeenergiegesetz alles ändert, wo es mit der Energiewende hingeht und was mit der Bank an Krediten auszuhandeln ist, bleiben Baugenehmigungen nicht mehr als das, was sie sind: eine ernst gemeinte Absichtserklärung.

Bis auf Weiteres jedenfalls steigt beim Wohnungsmarkt vor allem in den Städten und Metropolen der Druck im Kessel. Insofern ist das vom Prinzip Hoffnung getragene Jubeln unserer Bauministerin deutlich verfrüht und in seiner Deutung mehr Farce als Forza – nicht nur der Neubau, auch die Sanierungsquote hockt nach wie vor im Keller. Und noch immer stehen sich die Mieter auf der Straße bei Wohnungsbesichtigungen die Füße platt. Die letzte Messe ist hier noch lange nicht gelesen.

In diesem GEB steht ab Seite 42 beschrieben, wie sich 26 Monate Neubauzeit auf 22 Tage Sanierungssprint eindampfen lassen. Das ist, was gestandene Energieberater unter Tempo verstehen – wenn sie nicht, wie jüngst geschehen, vom Bafa unerwartet ausgebremst werden, weil bei der Erstellung des technischen Projektnachweises (TPN) neue Bilanzierungsfragen zu beantworten sind. Hierzu sei Ihnen ein achtsamer Blick auf Seite acht ans Herz gelegt, wo es beim Topaktuell-Thema genau darum geht. Last but not least schmökern Sie bitte auch lustvoll durch den Schwerpunkt – es lohnt sich für jedwedes Energieberatergeschlecht, das bei Fenster & Fassade den Durchblick behalten will.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Claudia Siegele