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Blauer Kompass zeichnet sechs Projekte aus

OMEGA / Adobe Stock

Seit zehn Jahren verleihen das Bundesumweltministerium (BMUKN) und das Umweltbundesamt (UBA) den Bundespreis „Blauer Kompass“ für Projekte zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Zum zehnjährigen Jubiläum verzeichnete der Wettbewerb mit 488 Bewerbungen einen Teilnahmerekord. Die Preisverleihung am 17. September 2026 im BMUKN bildete den Höhepunkt.

Preis macht Klimaanpassung sichtbar

BMUKN und UBA wollen mit dem Preis gute Beispiele sichtbarer machen, damit sich andere Akteure daran orientieren können. 25 Projekte traten nach der Nominierung in fünf Kategorien im Online-Voting und in der Jurysitzung an. Fünf Preisträger wählte eine Jury, den Community-Preis bestimmte die Öffentlichkeit. Die Gewinnerprojekte erhielten jeweils 25.000 Euro. Den Wettbewerb organisierte Co2online und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) bewertete die Bewerbungen. 2026 konnten sich Schulen erstmals in einer eigenen Kategorie bewerben. Das IÖW bewertete die Projekte nach sechs Kriterien guter Praxis des UBA: Wirksamkeit, Robustheit, Nachhaltigkeit, finanzielle Tragbarkeit, Flexibilität und positive Nebeneffekte.

Projekte schützen vor Starkregen, Hitze und Dürre

In der Kategorie Kommunen gewann der Landkreis Fulda in Hessen. Er entwickelte und führte ein Frühalarmsystem ein, das im gesamten Kreis vor Starkregen warnt. Mehr als 180 mit dem Internet verbundene Sensoren an Gewässern, Kanälen und öffentlichen Gebäuden erfassen Pegelstände und Niederschlagsmengen in Echtzeit. Künstliche Intelligenz wertet die Daten aus und gleicht sie mit Radardaten des Deutschen Wetterdienstes ab. Alle 23 Städte und Gemeinden sind angeschlossen. Bürgerinnen und Bürger erhalten Warnungen per App, SMS oder Telefonanruf mit Vorwarnzeiten von bis zu 60 Minuten. Bei einem Starkregenereignis im Mai 2024 konnten die örtlichen Feuerwehren ihre Einsätze frühzeitig koordinieren. Hier geht es zum Video.

In der Kategorie private und kommunale Unternehmen setzte sich der Landwirtschaftsbetrieb Stefan Bernickel aus Gramzow in Brandenburg durch. Der Familienbetrieb stellte vollständig auf ein regeneratives Bewirtschaftungssystem um, verzichtet auf Pflug und Grubber, nutzt das Strip-Till-Verfahren und eine Fruchtfolge mit Kichererbsen und Körnermais. Diese Maßnahmen befähigen den Boden, Wasser zu speichern, anstatt es abfließen zu lassen. Die Regenwurm-Population stieg von ein bis zwei auf 10 bis 20 Würmer pro Spatenaushub. Das Land Brandenburg erkannte den Betrieb im Sommer 2026 als Konsultationsbetrieb für bodenschonende Bodenbearbeitung an. Mehr Infos zum Schwamm-Acker finden Sie hier.

Bei den Forschungs- und Bildungseinrichtungen gewann die Katholische Stiftungshochschule für angewandte Wissenschaften München. Gemeinsam mit den Dualen Hochschulen Baden-Württemberg in Stuttgart und Heidenheim entwickelte und etablierte sie ein Hochschulmodul für Hebammen. Es bereitet auf gesundheitliche Folgen des Klimawandels vor und behandelt etwa hitzegerechte Alltagsgestaltung in der Schwangerschaft oder Risiken für Neugeborene bei Extremwetterlagen. Außerdem erschien das Lehrbuch „Klimasensible Hebammenpraxis“. Das Modul soll mittelfristig in alle hebammenwissenschaftlichen Bachelorstudiengänge in Deutschland integriert werden. Weiteres zur Hebammenarbeit hier.

Die Preisträger*innen des Wettbewerbs „Blauer Kompass“ bei der Preisverleihung am 17. September 2026.

Sarah Kienapfel

Die Preisträger*innen des Wettbewerbs „Blauer Kompass“ bei der Preisverleihung am 17. September 2026.

In der Kategorie Verbände, Vereine und Stiftungen gewann der Förderverein NaturGut Ophoven e.V. in Leverkusen. Die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 zerstörte weite Teile des Umweltbildungszentrums NaturGut Ophoven und des Kinder- und Jugendmuseums EnergieStadt. Seit August 2025 betreibt der Verein auf dem Gelände einer ehemaligen Bananenreiferei die Mitmach-Ausstellung „Die MutReiferei“. In acht Schiffscontainern auf rund 120 Quadratmetern trainieren Kinder und Jugendliche Mut mit den Zugängen „KopfMut“, „OhrMut“, „HerzMut“ und „HandMut“. Bis März 2026 besuchten 5.080 Personen die Ausstellung, darunter 3.569 Kinder. Das Konzept wurde veröffentlicht. Hier mehr erfahren.

Schulen bauen Lernorte und gewinnen Zusatzpreis

In der Kategorie Schulen gewann die Sankt Mauritius-Sekundarschule in Halle (Saale). Auf dem Schulgelände entstand ein 22 Quadratmeter großes Gewächshaus mit integrierter Aquaponik-Anlage. In dem geschlossenen System unterstützen sich Fischzucht und Pflanzenanbau gegenseitig. Wasserkreislauf, Regenwassernutzung und Solarenergie machen die Anlage ressourcenschonend, weitgehend energieautark und unabhängig von synthetischen Düngern und Pestiziden. Das Projekt ermöglicht eine ganzjährige, witterungsunabhängige Lebensmittelproduktion und bleibt gegenüber Dürren oder Starkregen widerstandsfähig. Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 10 hoben die Baugrube aus, errichteten die Schalung und gossen das Betonfundament. Mehr zum Campus Cultiva gibt es hier.

Den Community-Preis gewann die Olof-Palme-Gesamtschule (OPG) in Hiddenhausen in Nordrhein-Westfalen. Mit einem selbst organisierten Sponsorenlauf sammelte die Schule rund 33.000 Euro und legte eine Streuobstwiese sowie einen Klimawald mit über 5.000 Bäumen und Sträuchern am Rand des Schweichelner Waldes an. Die Flächen halten bei Starkregen Wasser am Hang zurück und sollen das angrenzende Wohngebiet besser vor Überflutung schützen. Mit 4.729 von 24.795 gültigen Stimmen setzte sich die OPG im Online-Voting durch. Ein Preis mit Nachwirkung: Eine Partnerschule in Schweden hat bereits Interesse bekundet, das Modell zu übernehmen. Hier geht‘s zum Community Preis Video. Quelle: ar / Institut für ökologische Wirtschaftsforschung / Co2online