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Genossenschaft baut drei vollelektrische Mehrfamilienhäuser

Schwarzenberg eG / Anja Tittel 2026

Im Erzgebirge geht die Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG neue Wege beim Bauen, Heizen und Vermieten: Trotz des hohen Leerstands in Schwarzberg baut sie drei Mehrfamilienhäuser mit hohe Energieautarkie. Dies hat zahlreiche Vorteile für Mieter, Vermieter und Klima. Der Schlüssel: Ein vollelektrisches solares Energiekonzept, das auf Photovoltaik an Dächern und Fassaden sowie auf Batteriespeichern und hocheffizienten Infrarotheizungen basiert.

Konzept deckt rund 60 Prozent des Energiebedarfs

Das Energiekonzept und die Solararchitektur plante Timo Leukefeld aus Freiberg mit dem Autarkie-Team. Es sind die ersten Mehrfamilienhäuser im Erzgebirge, deren Energiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung und Haushaltsstrom zu rund 60 Prozent mit selbst erzeugtem Solarstrom gedeckt wird. Alle Häuser erfüllen den Standard KfW Effizienzhaus 55. Auf und an jedem Gebäude sind Photovoltaikmodule mit 77,8 kWp Gesamtleistung vorgesehen, davon 65,2 kWp auf dem Dach und 12,6 kWp an der Fassade. Ein Batteriespeicher mit 56 kWh Speicherkapazität ergänzt das System. Geplant sind überwiegend 3- und 4-Raum-Wohnungen mit 85 bis 104 Quadratmetern Wohnfläche sowie je eine Maisonettewohnung mit 74 Quadratmetern.

Pauschalmiete bündelt Wohn- und Energiekosten

Die Genossenschaft setzt für den neuen Wohnraum auf eine Pauschalmiete für zunächst fünf Jahre. Sie umfasst alle Wohn- und Nebenkosten. Dies schützt die Mieterinnen und Mieter vor explodierenden und unkalkulierbaren monatlichen Ausgaben. Ermöglicht wird die Pauschalmiete durch den hohen Solarertrag.

Leukefeld und sein Autarkie-Team kalkulieren die Gesamtenergiekosten für Heizung, Warmwasser, Haushalts- und Allgemeinstrom mit circa 95 Cent je vermietbarem Quadratmeter und Monat. Leukefeld erklärt: „Bei ähnlichen Neubauwohnungen, die nicht hochgradig energieautark sind, belaufen sich diese Kosten auf 2,50 bis 4,00 Euro je Quadratmeter und Monat“. Dieser Betrag beinhaltet die Heizkostenabrechnungskosten und Zählergrundgebühr für Stromzähler, die bei einer Pauschalmiete entfallen.

Genossenschaft beschreibt neue Anforderungen

Das Ursprungsunternehmen wurde 1954 gegründet. Enrico Schaarschmidt, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, berichtet: „In Hochzeiten hatten wir fast 2.600 Wohnungen, heute sind es rund 1.800“. Den Leerstand senkte das Wohnungsunternehmen von 27 Prozent im Jahr 2001 durch Rückbau auf circa 12 bis 14 Prozent. Schaarschmidt beschreibt die Rahmenbedingungen so: „Wir haben komplett andere Herausforderungen als in Großstädten, wo Wohnungsknappheit herrscht. Aber wir haben alle die gleichen neuen Verpflichtungen, zum Beispiel, den Kriterien der Energiewende Rechnung zu tragen.“ Für ein Plattenbaugebiet ließ die Kommune mit großen Wohnungsanbietern und vielen Ingenieurbüros ein energetisches Quartierskonzept skizzieren. „Unter dem Strich kamen utopische Investitionen und nahezu unmögliche technische Umsetzungen heraus“, erzählt Schaarschmidt.

Enttechnisierung ersetzt wasserführende Systeme

Die Genossenschaft setzt für die Raumheizung auf elektrische Infrarotheizungen statt auf eine wasserführende Heizung. Vorgesehen ist ein Infrarotheizgerät pro Zimmer. Die Geräte werden an den Decken montiert und an Stromleitungen angeschlossen. Rohre für die Wärmeverteilung entfallen. Das Trinkwasser wird dezentral mit Autarkie-Boilern erwärmt. Jeder Boiler hat zwei Heizstäbe, von denen einer für die Nutzung von Solarstrom reserviert ist. Die dezentrale Trinkwassererwärmung lässt die jährliche Legionellenprüfung entfallen. „Da der Energiebedarf für die Raumheizung in gut gedämmten neuen Gebäuden deutlich geringer ist als in älteren Gebäuden, steckt in der Warmwasserbereitung heute ein größeres Potenzial für die Einsparung“, erklärt Leukefeld. „Dieser Energiebedarf ist jetzt anteilig höher, deshalb können mit smarter Technik in diesem Bereich nun mehr Geld und Energie eingespart werden.“

Genossenschaft stellt das Konzept vor

Am Mittwoch, den 30. September 2026, findet vormittags zunächst die Grundsteinlegung mit geladenen Gästen statt. Von 13 bis 16 Uhr lädt die Genossenschaft interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einer öffentlichen Auftaktveranstaltung in den Genossenschaftstreff Am Fichtbusch 61 in Schwarzenberg ein. Danach soll es alle paar Wochen eine Informationsveranstaltung geben. Der Vorstand erklärt: „Das Konzept ist ungewohnt und für viele Neuland. Wahrscheinlich werden auch einige skeptisch sein. Deshalb wollen wir das Bau- und Energiekonzept und die neue Pauschalmiete mit Energieflatrate vorstellen“. Quelle: ar / Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG

Auf einen Blick

Projekt: Neubau von drei hochgradig energieautarken Wohngebäuden

Bauherr: Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG

Planung: Architekturstudio Klaus Hennecke, Dipl.-Ing. Klaus Hennecke

Projektsteuerung: Jürgen Kannemann

Planung Energiekonzept: Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld

Gebäudestandard: KfW Effizienzhaus 55

Eckdaten für ein Mehrfamilienhaus: 7 Wohnungen mit 85 bis 104 m² Wohnfläche

Gesamtenergiekosten für Heizung, Warmwasser, Haushalts- und sonstigen Strom: ca. 0,95 € pro m² vermietbare Wohnfläche im Monat

Wohnfläche: 608 m²

Energiebezugsfläche (Gebäudenutzfläche AN): 915 m²

Spezifischer Heizstrombedarf: 20 kWh/(m²*a)

Gesamtstrombedarf: 57.625 kWh/a

Haushaltsstrombedarf: ca. 2.000 bis 2.500 kWh/(WE*a)

Photovoltaik: 77,8 kWp Gesamtleistung (65,2 kWp auf Dach, 12,6 kWp auf Fassade)

Batteriespeicher: 56 kWh Speicherkapazität

Warmwarmwasserbereitung: Autarkie-Boiler

Infrarotheizungen: ein Infrarotheizgerät pro Zimmer Quelle: Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg eG