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Deutschland erlaubt ab 1. Juni 2026 Energy Sharing. Betreiber erhalten eine neue Vermarktungsoption. Ein AEE-Papier zeigt Ansätze in den Ländern.
Für Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen mit Einspeisevergütung oder Marktprämie kommt damit eine alternative Vermarktungsoption für Ökostrom hinzu. Auch Nachbarn und das nähere Umfeld können den Strom beziehen. Das AEE-Hintergrundpapier „Energy Sharing und gemeinschaftliche Energieversorgung in den Bundesländern“ erklärt die Funktionsweise und beschreibt Anknüpfungspunkte in den Ländern.
Strom in der Nachbarschaft teilen
Solarstrom vom Dach kann in der Regel nicht komplett direkt im Haushalt verbraucht werden. Deshalb liegt es nahe, den Strom mit der Nachbarschaft zu teilen. Das Energy-Sharing-Modell hat der Bundestag im November 2025 verabschiedet. Im Juni 2026 tritt es in Kraft. Es erlaubt, selbst erzeugten Strom durch das öffentliche Netz zu Stromabnehmern in der näheren Umgebung zu leiten und zu verkaufen.
Damit können auch Haushalte ohne eigene Erneuerbare-Energien-Anlage an der Energiewende teilnehmen. Zugleich können sie ihre Stromkosten senken. Für Betreiber eröffnet das Modell eine zusätzliche Erlösoption für Strom, der nicht direkt im eigenen Haushalt verbraucht wird.
Smart Meter für Messung und Abrechnung
AEE-Geschäftsführer Dr. Robert Brandt: „Die Vorteile von Energy Sharing liegen auf der Hand: Haushalte ohne eigene PV-Anlage können Strom beim Nachbarn günstiger beziehen. Der produzierte PV-Strom wird auch eher direkt vor Ort verbraucht, insbesondere, wenn Preisvorteile Anreize für eine zeitliche Verlagerung des Verbrauchs schaffen. Die gemeinsame Erzeugung und Nutzung von lokal erzeugtem Ökostrom stärkt die Energiewende als gemeinschaftliches Projekt“
Damit Stromerzeugung und -verbrauch korrekt gemessen und abgerechnet werden können, müssen die Beteiligten mit Smart Meter ausgestattet werden. Deutschlandweit haben erst 5,5 Prozent aller Haushalte einen intelligenten Stromzähler. Unter den zehn größten Netzbetreibern ist die Stromnetz Berlin mit 53 Prozent Abdeckung am weitesten. Es gibt auch Netzbetreiber, in deren Netzgebiet der Smart-Meter-Rollout bereits komplett abgeschlossen ist. Den Anfang machten die Stadtwerke in Lübz in Mecklenburg-Vorpommern Ende 2024.
Dachanlagen prägen die Lage
Energy Sharing betrifft vor allem die klassischen Photovoltaik-Dachanlagen. 4,5 Millionen Anlagen sind auf Gebäuden installiert. Am meisten finden sich in Bayern. Dort sind 1.128.318 Anlagen installiert. In Nordrhein-Westfalen sind es 808.923. In Baden-Württemberg kommen 763.989 hinzu.
In den Stadtstaaten sind mehr als 90 Prozent der PV-Anlagen „bauliche Anlagen“. Unter den Flächenländern führen Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen die Spitze an. Die meisten Bundesländer haben zudem eine Solarpflicht für Neubauten und bei Dachsanierungen eingeführt. Teilweise gilt sie auch beim Bau neuer öffentlicher Parkplätze.
Damit sich PV-Anlagen wirtschaftlich lohnen, braucht es für den nicht selbstverbrauchten Strom Erlösquellen. Energy Sharing eröffnet hier neue Möglichkeiten. Das gilt vor allem für Anlagen auf Gebäuden, bei denen nicht der gesamte Solarstrom direkt im eigenen Haushalt verbraucht wird.
Pilotprojekte im Hintergrundpapier:
In mehreren Pilotprojekten in verschiedenen Bundesländern wird oder wurde Energy Sharing bereits getestet. Eine Auswahl dieser Projekte steht im neuen Hintergrundpapier.
Quelle: AEE / fl