Springe zum Hauptinhalt Springe zum Hauptmenü Springe zur SiteSearch

Kommunales Energiemanage­ment geht in Alzey in den Dauer­betrieb

Von links: Klimaschutzmanager Marcel Klotz und Energiemanager Michael Börner freuen sich über die Erfolge mit dem kommunalen Energiemanagement.

Stadtverwaltung Alzey

Von links: Klimaschutzmanager Marcel Klotz und Energiemanager Michael Börner freuen sich über die Erfolge mit dem kommunalen Energiemanagement.

Mit dem Abschluss der 2-jährigen Auf­bau­phase geht das kom­mu­nale Ener­gie­manage­ment der Stadt Alzey in den dauer­haf­ten Regel­be­trieb über.

Seit der Einführung des systematischen Energiemanagements im September 2023 hat die Stadt Alzey die Grundlagen geschaffen, um die Energieverbräuche städtischer Liegenschaften transparent zu erfassen, gezielt auszuwerten und dauerhaft zu senken. Eine erste Bilanz zeigt: Durch technische Optimierungen, den Ausbau der Photovoltaik und die schrittweise Digitalisierung der Gebäudetechnik hat die Stadt bereits deutliche Fortschritte erzielt.

Heizungsoptimierung senkt Gasverbrauch um ein Drittel

Besonders im Wärmebereich machen sich die Maßnahmen bemerkbar. Noch bevor die digitale Messtechnik flächendeckend zur Verfügung stand, optimierte die Stadtverwaltung die Heizungsanlagen ihrer Gebäude – unter anderem durch die Anpassung von Heizkurven und die Absenkung von Vorlauftemperaturen. Das Ergebnis: Der Gasverbrauch der kommunalen Liegenschaften sank je nach Gebäude um rund ein Drittel, ohne den Komfort für die Nutzer:innen einzuschränken.

„Mit dem kommunalen Energiemanagement investieren wir nicht nur in den Klimaschutz, sondern auch in die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unserer Stadt", betont Bürgermeister Steffen Jung. „Jede Kilowattstunde, die wir nicht verbrauchen, entlastet langfristig den städtischen Haushalt und reduziert gleichzeitig den CO2-Ausstoß. Die nun abgeschlossene Aufbauphase zeigt, dass sich konsequentes Energiemanagement auszahlt. Jetzt gilt es, diesen Weg dauerhaft fortzusetzen."

Ausbau von Photovoltaik reduziert CO2-Ausstoß spürbar

Auch beim Strom setzt die Stadt konsequent auf erneuerbare Energien. Auf den Dächern städtischer Gebäude wurden Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 436 kWp (Kilowattpeak) installiert. Mit einer jährlichen Stromproduktion von rund 400.000 kWh (Kilowattstunden) decken sie über ein Drittel des kommunalen Strombedarfs von insgesamt rund 923.000 kWh.

Herzstück dieser Strategie ist das gemeinsam mit der EWR AG entwickelte Strombilanzkreismodell. Überschüssig erzeugter Solarstrom fließt nicht ungenutzt ins öffentliche Netz, sondern wird bilanziell dort eingesetzt, wo er innerhalb des kommunalen Gebäudebestands gerade benötigt wird. So nutzt die Stadt den selbst erzeugten Strom effizient. Allein dieses Modell spart jährlich bis zu 80 t CO2 ein – und sorgt durch den höheren Eigenverbrauch sowie vermiedene Netzentgelte auch für spürbare finanzielle Entlastungen im städtischen Haushalt. Gefördert wurden die Photovoltaikanlagen unter anderem durch das rheinland-pfälzische Landesprogramm KIPKI.

Transparenz als Grundlage für weitere Einsparungen

„Unsere wichtigste Aufgabe in den vergangenen zwei Jahren war es, Transparenz über die Energieverbräuche unserer Gebäude zu schaffen und vorhandene Einsparpotenziale konsequent zu nutzen“, erklärt Energiemanager Michael Börner. „Heute verfügen wir über die Grundlage, Verbräuche systematisch auszuwerten und unsere Gebäude Schritt für Schritt intelligenter zu steuern."

Das kommunale Energiemanagement ist ein zentraler Baustein der Alzeyer Klimaschutzstrategie. Die Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts, die der Stadtrat im Februar 2023 beschlossen hat, verfolgt das Ziel, zwischen 2035 und 2040 die Klimaneutralität zu erreichen. Während Klimaschutzmanager Marcel Klotz die strategische Ausrichtung für das gesamte Stadtgebiet verantwortet, setzt Energiemanager Michael Börner die technischen Maßnahmen in den kommunalen Liegenschaften um.

Begleitet wird die Stadt dabei von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz (EKA.rlp). Gemeinsam qualifizierten beide Partner Mitarbeitende und führten Gebäudebegehungen durch. „Kommunen sind zentrale Akteure auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die Stadt Alzey zeigt eindrucksvoll, wie sich Klimaschutz, wirtschaftliches Handeln und moderne Gebäudesteuerung sinnvoll miteinander verbinden lassen", sagt Alexander Kuhn von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz.

Digitalisierung der Gebäudesteuerung schreitet voran

Nach dem erfolgreichen Aufbau des selbst entwickelten Energiemonitorings beginnt nun die nächste Etappe: Inzwischen erfasst das System rund 100 Gas-, Wasser- und Stromzähler in 25 kommunalen Gebäuden nahezu in Echtzeit – ohne Austausch der vorhandenen Zähler. Zusätzlich sind in ausgewählten Gebäuden Temperatursensoren installiert. Darüber hinaus hat die Stadt die intelligente Gebäudesteuerung gezielt vorangetrieben. In der Albert-Schweitzer-Schule, in zwei Kindertagesstätten und in der Obdachlosenunterkunft sorgen automatisierte Raumregelungen – abhängig von Nutzungszeiten, Ferien, Schulpausen und geöffneten Fenstern – für ein angenehmes Raumklima und einen bedarfsgerechten Heizbetrieb. Ergänzend nutzt die Stadt überschüssige Energie einer Photovoltaikanlage zur Warmwasserbereitung. So lassen sich auffällige Verbräuche und technische Störungen innerhalb weniger Minuten erkennen und beheben. Ziel ist es, Energieverbrauch, Kosten und CO2-Emissionen nachhaltig zu senken.

Flankiert werden diese Maßnahmen durch die im Sommer 2025 fertiggestellte kommunale Wärmeplanung. Sie bildet den strategischen Rahmen für den schrittweisen Umstieg auf eine klimafreundliche Wärmeversorgung im gesamten Stadtgebiet. Damit wird deutlich: Das kommunale Energiemanagement ist kein zeitlich befristetes Projekt, sondern eine dauerhafte Aufgabe zur nachhaltigen Senkung von Betriebskosten.

Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz unterstützt als Dienstleisterin Kommunen und ihre Bürger:innen in Rheinland-Pfalz bei der Umsetzung von Aktivitäten zur Energiewende und zum Klimaschutz. Sie wurde 2012 als Einrichtung des Landes gegründet und informiert unabhängig sowie produkt- und anbieterneutral.

Förderung als Schlüssel für den Erfolg

„Die dreijährige Förderung durch den Bund hat der Stadt Alzey den Einstieg in ein professionelles Energiemanagement deutlich erleichtert und überhaupt erst in dieser Form stemmbar gemacht. Gerade beim Aufbau neuer Strukturen und der Entwicklung langfristiger Maßnahmen ist eine solche Anschubfinanzierung von großer Bedeutung. Wir konnten dadurch in den vergangenen drei Jahren wichtige Grundlagen schaffen, die uns nun dabei helfen, dauerhaft Energie einzusparen, Kosten zu reduzieren und unsere kommunalen Gebäude und Anlagen effizienter zu bewirtschaften. Für diese Unterstützung des Bundes sind wir sehr dankbar“, betont Bürgermeister Steffen Jung die Bedeutung der Fördermittel des Bundes.

Über die Nationale Klimaschutzinitiative initiiert und fördert die Bundesregierung seit 2008 zahlreiche Projekte, die zur Senkung der Treibhausgasemissionen beitragen. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucher:innen ebenso wie Unternehmen, Kommunen und Bildungseinrichtungen. ■
EKA.rlp / ml