Bundesverband GebäudeGrün e.V.
Beim Weltkongress Gebäudegrün forderten Experten und Politik schnellere Maßnahmen, um Städte klimaresilient zu gestalten. Dach- und Fassadenflächen bieten enormes Potenzial, das dringend genutzt werden muss.
Begrünte Städte müssen eine Selbstverständlichkeit werden. Diese Forderung zog sich wie ein roter Faden durch den Weltkongress Gebäudegrün, der vom 09. bis 11.06.2026 in Berlin stattfand. Die über 700 Teilnehmenden aus 32 Ländern waren sich einig: Pflanzen auf Dächern, an Fassaden und in Innenräumen zählen zu den effektivsten Klimaanpassungsmaßnahmen und müssen noch viel stärker in den Fokus von Planung, Kommunen und Politik rücken. Der Bundesverband Gebäudegrün e. V. (BuGG) setzte mit seiner internationalen Veranstaltung dafür ein starkes Zeichen.
BuGG-Präsident Dr. Gunter Mann und Paulo Palha, Präsident des Europäischen Fachverbands Bauwerksbegrünung (EFB), riefen zu Beginn des Kongresses zum intensiven Austausch auf. Mann betonte: „Der Weltkongress bietet eine wichtige Plattform zur Kommunikation über wissenschaftliche und technische Lösungen zur Klimaanpassung unserer Städte.“ Palha: „Für die Zukunft werden Austausch und intensive Zusammenarbeit entscheidend sein, um die Städte schnellstmöglich widerstandsfähiger zu machen.“
Thomas Banzhaf, Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL), sieht die Lösung in der Gebäudebegrünung: „Fassaden aus Stein und Glas sowie die endlosen Dachflächen sind kostbar und sollten als neue grüne Landschaften gedacht werden. Das Potenzial dieser Flächen ist gewaltig.“ Die Politik sieht er besonders in der Pflicht – als Weichensteller. Der BGL-Präsident appelliert: „Unser Land braucht viel mehr Tempo bei der Begrünung der Städte!“
Berliner Umweltsenat: Gebäudegrün ist eine Notwendigkeit
Ute Bonde, Berliner Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt und Schirmherrin des Kongresses, sprach sich eindeutig für die Bauwerksbegrünung aus: „Gebäudebegrünung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit!“ Dass sich so viele Fachleute, Wissenschaftler, Planer und Umweltinteressierte in Berlin treffen, sei ein starkes Signal für die Welt, so Bonde. Überall wachse der Druck auf die ohnehin knappen Flächen. Ungenutzte Dach- und Fassadenflächen seien eine wichtige Alternative mit vielfältigen Vorteilen. Gebäudegrün sei ein Multitalent für die klimaangepasste Stadt. Durch den Weltkongress entstünden neue Impulse, um in den Städten voranzukommen. „Ausruhen ist keine Option für uns! Wir brauchen noch mehr Mut und dürfen uns keinen Stillstand erlauben“, bekräftigte Ute Bonde.
Auch die Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn, deren Bundesumweltministerium ebenfalls die Schirmherrschaft des Kongresses übernahm, sieht die große Bedeutung der Begrünung von Dächern, Fassaden und Innenräumen: „Gebäudegrün ist beliebt und längst kein Nischenthema mehr. Es gehört zur modernen Daseinsvorsorge. Der BuGG leistet seit Jahren entscheidende Pionierarbeit.“ Die Städte stünden unter Druck und gerade der Gebäudebestand biete großes Potenzial für die Begrünung. Aber der klimaresiliente Umbau unserer Städte sei eine Herkulesaufgabe. „Als Ministerium unterstützen wir unsere Kommunen dabei.“ Hagedorn hob zudem die Fachausstellung hervor, die begleitend zum Vortragsprogramm stattfand: „Ich bin von der Fachausstellung beeindruckt. Die Innovationskraft des deutschen Mittelstandes zeigt sich dort.“
Gemeinschaftlich denken und handeln
53 Unternehmen, Verbände und Organisationen gaben in der Fachausstellung einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Produkt- und Systemlösungen sowie Dienstleistungen der Branche. Ergänzend dazu gab es eine Posterausstellung mit 63 Beiträgen aus 7 Ländern. Beide waren beliebte Treffpunkte des Austauschs, des Wiedersehens und Kennenlernens.
Dass die Branche umtriebig ist, zeigte sich in den zahlreichen Vorträgen. 90 Referierende aus 24 Ländern gaben einen umfassenden Einblick in Forschung und praktische Umsetzung. Keynote-Speaker setzten prägende Impulse. Unter anderem zeigte der französische Botaniker Dr. Patrick Blanc auf, wie wichtig die richtige Pflanzenauswahl bei der Begrünung von Bauwerken ist. Auf seinen vielen Reisen lässt er sich inspirieren: „Seit 50 Jahren bereise ich die Welt und schaue dort nach Pflanzen. Ich orientiere mich immer an der Natur“, so Blanc. Begrünungen können komplexe Gebilde werden. Wichtig sei das Zusammenspiel von Pflanze und Ort. In der Anwendung müsse die Natur im künstlichen Raum nachgeahmt und für künstliche Wasserspeicher gesorgt werden.
Prof. Werner Sobek appellierte in seinem Impulsvortrag „Dein Tun berührt mein Sein“ an die Verantwortung, die jeder für sein eigenes Handeln trägt. Gemeinschaftliches Denken und Handeln könne viel bewirken. Der international bekannte Architekt fordert mehr Antizipation von Zukunft. „Die Beschäftigung mit Zukunftsfragen weltweit, ist das Wichtigste für die Architektur. Wir brauchen mehr Bäume und eine Begrünung von Gebäuden ist unglaublich wichtig. Wir müssen so viel begrünen, wie wir können!" Für eine klimaangepasste Transformation der Städte seien zudem präzise Information und Wissenstransfer die Grundlagen. Sobek rät: „Wir sollten die Denkweisen der anderen kennenlernen und mehr miteinander sprechen.“
Exklusive Einblicke in die vielfältige Begrünung in Berlin
Am dritten Tag des Weltkongresses fanden Exkursionen mit fachkundiger Begleitung zu besonderen Begrünungsobjekten in Berlin statt. Neben dem Wissenstransfer und dem Aufzeigen von Best-Practice-Beispielen stand die Vernetzung zwischen den Teilnehmenden aus Planung, Politik, Städten, Siedlungswasserwirtschaft, Industrie, Immobilienbranche und Verbänden im Vordergrund. Die rund 260 Teilnehmenden der vier Exkursionen zeigten sich beeindruckt von der Fülle und Vielfalt der Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünungen in Berlin. Darunter waren auch Projekte, die nicht frei zugänglich sind. Diese exklusiven Einblicke einschließlich einer Führung durch die Projektverantwortlichen zeichneten den Kongress aus.
„Der Weltkongress Gebäudegrün hat uns alle noch einmal wachgerüttelt. Er hat gezeigt, wie wichtig das Grün an und in Gebäuden ist und was alles möglich ist“, resümierte BuGG-Präsident Dr. Gunter Mann. Nun gelte es, weiter an einem Strang zu ziehen und das Thema Gebäudegrün noch viel stärker in die Tat umzusetzen. „Der Kongress hat dem Ganzen einen ordentlichen Schub verliehen. Diesen müssen wir nun nutzen!“ ■
Quelle: BuGG / ml