Concular GmbH, Stuttgart
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) koordiniert das Projekt Gladir, das von Juni 2026 bis Mai 2029 läuft. Im Mittelpunkt stehen die Wiederverwendung (Reuse) und Wiederaufarbeitung (Remanufacturing) von Bestandsgläsern sowie deren hochwertiges Recycling zu neuem Flachglas (Flat-to-Flat-Recycling).
Laut Fraunhofer ISE werden in Deutschland jährlich rund 1,67 Millionen Tonnen Flachglas für Gebäudeanwendungen produziert. Die Herstellung einer Tonne Glas verursacht demnach etwa 500 Kilogramm CO₂. Aus Modernisierung und Rückbau fallen pro Jahr rund 350.000 Tonnen Post-Consumer-Flachglas an. Dieses wird bislang vorwiegend zu Behälterglas, Glastextilien oder Schüttgut für den Straßenbau verarbeitet oder entsorgt.
16.700 Tonnen Reuse-Glas angestrebt
Glas aus dem Gebäudebestand soll künftig datenbasiert, effizient und in größerem Umfang im Kreislauf geführt werden. „Digitale Methoden sind der Schlüssel, um Zustand und Potenziale von Bestandsglas deutlich besser zu bewerten und fundierte Entscheidungen für die Wiederverwendung oder das Recycling von hochwertigen Scherben zu treffen“, erklärt Frank Ensslen, Projektleiter am Fraunhofer ISE.
Nach einer Anlaufphase soll ein auf jährlich 16.700 Tonnen geschätztes Marktpotenzial für Reuse- und Remanufacturing-Glas erschlossen werden. Das entspricht 1 Prozent der Flachglas-Jahresproduktion. Zusätzlich sollen jährlich etwa 45.000 Tonnen Scherben gewonnen werden, die wieder in die Floatglas-Schmelze gelangen können. Damit würde die Flat-to-Flat-Recyclingquote von Bestandsgläsern um 80 Prozent steigen.
Zirkuläre Fassaden, KI-Defekterkennung und mobile Zerlegeanlage
Im Projekt entstehen zirkuläre Fenster- und Fassadensysteme nach dem Prinzip „Design for Disassembly“. Hinzu kommen Lösungen, mit denen sich Materialeigenschaften digital erfassen und Defekte gebrauchter Gläser KI-basiert erkennen lassen. Eine mobile Anlage, die Isoliergläser direkt auf der Baustelle zerlegt, soll die Abläufe für Remanufacturing und Flat-to-Flat-Recycling effizienter machen.
Aus der Forschung: Das Fraunhofer ISE bringt vor allem Kompetenzen zu Glas als konstruktivem Werkstoff, zu physik-informierten KI-Modellen, zur Ökobilanzierung und zum Datenmanagement ein. Geplant ist ein eigenes Datenverwaltungssystem mit standardisierten Datenformaten und Schnittstellen. Es soll Glasscheiben rückverfolgbar machen und sich in Planungs- und Verarbeitungsprozesse einbinden lassen. Außerdem sind Konzepte für die Zwischenlagerung wiederverwendbarer Gläser und für digitale Vermarktungsplätze vorgesehen.
Projektpartner und Förderung
Am Projekt beteiligt sind außerdem die Hegla-Hanic GmbH, die Hegla GmbH & Co. KG, die Priedemann Fassadenberatung GmbH, die Contura Ingenieure GmbH und die Concular GmbH. Assoziierter Partner ist die Viprotron GmbH. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) fördert Gladir im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms.
Quelle: ar / Fraunhofer ISE