Kann man einen Keller drucken? Ja das geht mit 3D-Druckbeton aus dem Fahrmischer, einem mobilen Energiespeicher und einer multifunktionalen Bauwerksabdichtung. Fünf Unternehmen haben sich für das Pilotprojekt zusammengeschlossen, um den ersten mobil gedruckten Keller zu realisieren. Rupp Gebäudedruck fungierte als ausführendes Bauunternehmen, Heidelberg Materials stellte den 3D-Druckbeton sowie Remmers die Bauwerksabdichtung bereit. Die mobile Energieversorgung übernahm Liebherr, Inotec kümmerte sich um die Maschinentechnik sowie Misch- und Pumptechnik und Instatiq lieferte den mobilen 3D-Betondrucker.
Im Mittelpunkt des Projektes steht der mobile Großraum-Roboter Instatiq P1 („Progress One“). Mit einer Reichweite von bis zu 26 Metern und einer Druckgeschwindigkeit von bis zu zehn Zentimetern pro Sekunde verarbeitet das System digitale Entwurfsdaten unmittelbar vor Ort. Die tragenden Betonwände entstehen schichtweise ohne Schalung und mit millimetergenauer Präzision.
Instatiq- Geschäftsführer Markus Frasch, betont: „Mit dem ersten mobil 3D-gedruckten Keller zeigen wir, dass 3D-Betondruck nun auch für komplexere und hoch beanspruchte Strukturen bereit ist.“
Flexible Abdichtung und speziell entwickelter Druckbeton ermöglichen den 3D-Druck
Aleksej Keksel
Der spezielle 3D-Beton, der optimal auf die Anforderungen des mobilen 3D-Drucks abgestimmt ist, stammt von Heidelberg Materials. Der Transportbeton zeichnet sich durch hohe Pumpfähigkeit, Formstabilität und schnelle Festigkeitsentwicklung aus. Heidelberg Materials nutzte für die Herstellung moderne Anlagentechnik aus dem neuen Werk in Weißenhorn und sammelte im Rahmen des Projekts wichtige Erkenntnisse für künftige Anwendungen des mobilen 3D-Betondrucks.
Die Abdichtung des Kellers erfolgte durch Remmers mit der zweikomponentigen, multifunktionalen Bauwerksabdichtung MB 2K. Die Abdichtung passt sich an die Geometrie der gedruckten Betonoberflächen an und erfüllt Anforderungen an Dichtheit und ist langlebig. Die Applikation wurde mittels Spritzverfahren und der Förderpumpe InoBeam M8 von Inotec durchgeführt.
Energieversorgung und Materialeffizienz gestalten das Projekt nachhaltig
Ein weiteres technisches Highlight des Projekts ist der mobile Energiespeicher von Liebherr. Dieser versorgt den 3D-Drucker bedarfsgerecht mit Energie und reduziert CO₂-Emissionen sowie Lärmbelastung deutlich im Vergleich zu konventionellen Dieselaggregaten. Die komplett elektrifizierte Anlagentechnik und der gezielte Materialeinsatz tragen zur Nachhaltigkeit des Bauprozesses bei: Der Materialverbrauch wird auf das tatsächlich Erforderliche reduziert und der CO₂-Ausstoß gegenüber herkömmlichem Mauerwerk deutlich gesenkt.
So klappt es in der Praxis
Die Ausführung des Kellerbaus übernahm Rupp Gebäudedruck. Der Instatiq P1 war innerhalb von nur 60 Minuten einsatzbereit und druckte die Kellerwände vollautomatisch nach digitalem Modell. Die Realisierung des Bauwerks erfolgte innerhalb weniger Tage.
Aleksej Keksel
Michael Oßwald, Geschäftsführer von Rupp Gebäudedruck, erläutert: „Der Keller ist das Fundament jedes Bauwerks – und jetzt auch das Fundament einer neuen Bau-Ära. Das Projekt in Weißenhorn zeigt, wie digitale Prozesse und mobile Robotik den Rohbau transformieren – mit höchster Präzision, weniger Material und klar getakteten Abläufen.“
Das bedeutet der 3D-Keller für die Zukunft des Bauwesens
Mit dem weltweit ersten mobil 3D-gedruckten Keller setzt das Partnernetzwerk einen neuen Standard im Hoch- und Rohbau. Die Kombination aus digital gesteuertem Betonbau, mobiler Robotik und nachhaltiger Baustellenversorgung zeigt das Potenzial komplexer 3D-Bauwerke direkt vor Ort. Das Projekt liefert Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des mobilen 3D-Betondrucks und eröffnet neue Möglichkeiten für die effiziente und ressourcenschonende Bauweise der Zukunft. ar Quelle: Rupp
Objektsteckbrief: Alle Daten auf einen Blick
Projekt: Keller-Geschoss (Mehrfamilienhaus) in 3D-Betondruck, Weißenhorn
Bauherr: Michael Rupp Immobilien GmbH & Co. KG, Weißenhorn
Bauunternehmen: Rupp Gebäudedruck GmbH, Weißenhorn
3D-Drucker: Instatiq P1, Instatiq GmbH, Stuttgart
Beton: 3D-Druckbeton C25/30, Heidelberg Materials Donau-Iller GmbH & Co.KG, Werk Weißenhorn
Abdichtung: Zweikomponentige, multifunktionale Bauwerksabdichtung MB 2K, Remmers Gruppe SE, Löningen
Energieversorgung: Batterie-basierter Energiespeicher LPO 100, Liebherr
Fertigstellung: 2026