Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 05-2018

Konkrete Zahlen gefragt

Zu ernüchternden Ergebnissen kommt ein Gutachten über Einsparungen durch den Kesseltausch, das im GEB-Newsletter vom 29. März vorgestellt wurde (  www.bit.ly/geb1445  ): Der Austausch eines Konstanttemperaturkessels gegen ein Brennwertgerät ergebe rechnerisch nur rund 10 bis 15 % Energieeinsparung. Schätzungen zufolge werden jedoch in etwa vier von fünf Fällen Niedertemperaturkessel ersetzt. Dieser Löwenanteil der Anlagen kommt den Berechnungen zufolge gerade mal auf ein Einsparpotenzial von 5 bis 10 %.

Mit einem hydraulischen Abgleich, effizienten Pumpen und regelungstechnischen Maßnahmen können laut der Studie 12 % eingespart werden, wobei Autor Klaus Lambrecht ausdrücklich darauf hinweist, dass der Kesseltausch keine Voraussetzung für diese Maßnahmen an der Peripherie ist.

Die Widerrede ließ nicht lange auf sich warten (  www.bit.ly/geb1446  ). Das Institut für Wärme und Oeltechnik e. V. (IWO) antwortete, es komme in seinen Berechnungen auf Einsparungen von 23 %, die beim Austausch des alten Konstanttemperaturkessels durch ein Brennwertgerät erzielt werden können. Mit weiteren geringinvestiven Maßnahmen seien Einsparungen von insgesamt 30 % machbar. Auch gegenüber einem Niedertemperaturkessel seien die Einsparpotenziale durch eine neue Brennwertheizung „beachtlich“. Zudem gehe die Trennung zwischen reinem Kesseltausch und zusätzlichen Maßnahmen vollkommen an der Praxis vorbei, denn der Kesselaustausch sei fast immer der Auslöser für die Anpassungsmaßnahmen.

Letzteres zeigt, dass in Sachen Heizungs-Optimierung noch viel zu tun ist. Auch Anlagen mit Brennwerttechnik oder erneuerbaren Energien erreichen längst nicht immer den kleinstmöglichen Verbrauch. Beispiele dafür finden Sie in dieser Ausgabe auf den Seiten 28 und 41. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen, um Optimierungsmöglichkeiten zu erkennen und zu nutzen – auch in Gebäuden, in denen noch kein Kesseltausch geplant ist.

Darüber, dass veraltete Wärmeerzeuger möglichst bald ersetzt werden sollten, dürften sich die meisten einig sein. Während aber die einen eine Förderung für Öl- und Gas-Brennwertkessel weiterhin für wichtig halten, passt für andere die Förderung fossil betriebener Heizungen nicht zum Klimaschutz.

Dieser Fall zeigt, dass das Thema viel Raum für Debatten und Auseinandersetzungen lässt, die der Sanierungsquote und damit dem Klimaschutz eher schaden als nützen. Ein wichtiger Grund: Die Datenbasis ist an vielen Stellen zu dünn. Es stellt sich z. B. die Frage, wie viele Konstant- oder Niedertemperaturkessel bzw. Brennwertkessel demnächst durch neue Wärmeerzeuger ersetzt werden sollen, wie hoch das Energie- und CO2-Einsparpotenzial der einzelnen Technologien ist und inwieweit dieses Potenzial im Betrieb tatsächlich ausgeschöpft wird. Damit die Förderung möglichst viel für Klima und Umwelt bewirken kann, sind konkrete Zahlen als Diskussionsgrundlage für die politischen Entscheidungen erforderlich.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Sabine Riethmüller

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