Ein Mehrfamilienhaus von 1998 (acht Wohneinheiten, guter Wärmeschutz nach WSchV ‘ 95) erhält eine neue Heizung: eine Gas-Brennwerttherme mit solarthermischer Unterstützung. Der rechnerische Energiebedarf nach DIN V 18599 ist plausibel, die Anlage selbst hocheffizient. Doch ein Jahr später ist der Schock groß: Der Gasverbrauch ist unerklärlich hoch, vor allem in den Sommermonaten.
Der Planer ist ratlos. „GEBBIE, das ist unmöglich! Die Solaranlage deckt im Sommer doch fast die gesamte Warmwasserlast.“ Ich nahm mich des rätselhaften Falles an. Statt auf die neue Technik zu schauen, bat ich um die Originalpläne von 1998. Wie ich vermutete, gab es damals nur dezentrale Durchlauferhitzer. Das neue System umfasste demnach nicht nur die Heizung, sondern brachte auch ein zentrales Verteilnetz für das Warmwasser mit sich. Und in der unerbittlichen 24-Stunden-Logik dieses neuen Netzes lag der Schlüssel zum Fall.
Rätselfrage:
Warum explodierte der Gasverbrauch, obwohl die Solaranlage perfekt funktionierte, und welchen entscheidenden, aber unsichtbaren Energiefresser hat der Planer bei seiner DIN 18599-Berechnung massiv unterschätzt?
Auflösung des Falls aus GEB 01 2026
Der Planer hat die Wärmeverteilung – das bestehende Rohrnetz – komplett ignoriert. Die Umstellung von dezentralen Gasetagenheizungen (kurze Wege, hohe Temperaturen, geringer Volumenstrom pro Wohnung) auf eine zentrale Wärmepumpe (lange Wege, niedrige Temperaturen) erfordert einen massiv höheren Volumenstrom im Gesamtsystem.
Die alten, dünnen Steigleitungen wirkten wie eine Drossel. Der Planer hätte eine Rohrnetzberechnung des Bestands durchführen müssen. Diese hätte gezeigt, dass die alten Leitungen entweder komplett ersetzt werden müssen oder das System mit dezentralen Pufferspeichern und einer hydraulischen Entkopplung geplant werden muss. Er hat die Schnittstellen perfekt geplant, aber die Autobahn dazwischen vergessen.