Springe zum Hauptinhalt Springe zum Hauptmenü Springe zur SiteSearch

GModG: Schlechte Karten für die Gebäudehülle

Der Bundesverband effi­zien­te nach­hal­tige Ge­bäu­de warnt: das GModG macht durch neue Bewer­tungs­sys­te­ma­tik schlech­tere Däm­mung rech­ne­risch attraktiv.

Andrei Liashchou - stock.adobe.com

Der Bundesverband effiziente nachhaltige Gebäude e. V. (BenG) warnt in einem Anfang Juni vorgestellten Positionspapier vor gravierenden Fehlanreizen im Entwurf des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG). Während die öffentliche Debatte bislang vor allem die künftigen Vorgaben für Heizungen in den Blick nimmt, sieht der Verband erhebliche Risiken für die energetische Qualität künftiger Neubauten.

Bewertungsmethode schwächt Anreize für effiziente Gebäudehüllen

Nach Einschätzung des BenG führt die geplante Umstellung der energetischen Bewertung dazu, dass gesetzliche Anforderungen künftig deutlich leichter über die Anlagentechnik erfüllt werden können. Durch die Absenkung des Primärenergiefaktors für Strom und die neue Berechnungssystematik werde eine hochwertige Gebäudehülle rechnerisch entwertet. Selbst Gebäude mit geringerem Dämmstandard könnten die gesetzlichen Grenzwerte künftig problemlos einhalten, sofern sie mit einer Wärmepumpe ausgestattet sind.

„Damit droht ein Rückschritt bei der Energieeffizienz von Gebäuden, obwohl die Gebäudehülle die Grundlage für dauerhaft niedrige Energieverbräuche bildet“, erklärt der Verband. Investitionen in bessere Dämmung, hochwertige Fenster oder Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung würden wirtschaftlich weniger attraktiv.

Energetisch schlechtere Bauweisen begünstigt

Kritisch bewertet BenG in diesem Zusammenhang auch die Auswirkungen der ab 2030 vorgesehenen verpflichtende Lebenszyklusanalyse (LCA). Durch die deutlich günstigere Bewertung von Strom im neuen Regelwerk verliere der Energieverbrauch im Gebäudebetrieb erheblich an Gewicht, während Emissionen aus der Herstellung von Baustoffen stärker ins Gewicht fielen. Dies könne dazu führen, dass hochwertige Dämmstoffe oder Dreifachverglasungen in der Bilanz schlechter bewertet werden als energetisch schwächere Lösungen.

Die Folgen seien langfristig: Höhere Heizenergieverbräuche würden über Jahrzehntefestgeschrieben, Bestand bleibt unsaniert, die Belastung der künftigen Energieinfrastruktur nehme zu und bestehende Förderstandards verlören ihre bisherige Aussagekraft.

BenG fordert Nachbesserungen

BenG fordert deshalb vor Verabschiedung des Gesetzes eine unabhängige Wirkungsfolgenabschätzung. Zudem müssten die Mindestanforderungen an die Gebäudehülle ambitioniert bleiben, die Wechselwirkungen zwischen Energierecht und Lebenszyklusbewertung überprüft sowie die KfW-Förderstandards rechtzeitig angepasst werden.

Positionspapier herunterladen

„Klimaschutz im Gebäudesektor darf nicht dazu führen, dass die Qualität von Gebäuden sinkt. Energieeffizienz und hochwertige Gebäudehüllen bleiben zentrale Voraussetzungen für dauerhaft bezahlbares und klimafreundliches Wohnen einerseits und ausreichende Verfügbarkeit von Energie für andere Sektoren wie Verkehr und Industrie“, betont der Verband. ■
Quelle: BenG / ml