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In vielen Gewerbeimmobilien bleiben Modernisierungen aus. Nicht fehlende Technik, sondern vertagte Entscheidungen bremsen Projekte.
Alte Beleuchtung, ineffiziente Kühltechnik, falsch eingestellte Lüftungsanlagen, überholte Heizsysteme oder unpräzise Steuerung laufen weiter, obwohl passende Lösungen vorliegen: Werden Budget, Zuständigkeiten und Förderchancen zu spät geklärt, steigen die Kosten Monat für Monat. Das Unternehmen Ecogreen verortet die Ursache vieler verschleppter Projekte nicht im Maschinen-, sondern im Besprechungsraum.
Marcel Riethmüller, Geschäftsführer von Ecogreen und Experte für Fördermittel, erklärt: „Jede nicht getroffene Entscheidung läuft mit: in Form hoher Energiekosten, ineffizienter Technik und wachsender Investitionsrisiken“
Reports zeigen die Sanierungslücke
Der Marktreport 2025 ordnet rund ein Drittel der gesamten Energie in Deutschland dem Gebäudesektor zu. 2024 sank die energetische Sanierungsquote auf 0,69 Prozent. Die Leitstudie setzt für die Klimaziele 1,9 Prozent an. Riethmüller sagt: „Die Lücke zeigt klar, dass der Sanierungsstau weniger neue Technik als bessere Entscheidungen verlangt.“
Der Gebäudereport 2026 beziffert den Endenergieverbrauch für Raumwärme und Warmwasser in Nichtwohngebäuden für 2024 auf rund 214,1 Terawattstunden. Seit 2013 sank der Verbrauch um 23 Prozent. Ecogreen beschreibt diesen Rückgang als zu langsam für viele Bestände, wenn Investitionen aus Unsicherheit liegen bleiben.
Zahlen erhöhen den Druck
Der Gebäudereport 2026 beziffert die Verteuerung von Nichtwohngebäuden zwischen 2021 und 2024 auf 32 Prozent. Ecogreen stellt dem die laufenden Kosten veralteter Anlagen gegenüber. Auch die Gebäudehülle bewegt sich nur langsam. Der Marktreport 2025 weist für 2024 eine Sanierungsquote von 1,19 Prozent bei Fenstern, 0,74 Prozent bei Dächern und 0,50 Prozent bei Fassaden aus. Wer auf den vollständigen Großumbau warte, verliere Zeit, Geld und Planungssicherheit.
Auch bei der Förderung sinken die Zahlen. Seit 2019 gingen rund 5.800 Förderanträge für die Sanierung von Nichtwohngebäuden ein. Rund 2.200 Anträge entfielen auf 2022. 2025 lag das Antragsniveau 5 Prozent unter dem Vorjahr und 67 Prozent unter dem Wert von 2022.
Riethmüller erläuert: „Diese Entwicklung passt zum Entscheidungsproblem in der Praxis: Fördermöglichkeiten existieren, doch Unsicherheit, Aufwand und fehlende Projektstruktur bremsen den Einstieg.“
Blockaden bremsen Projekte
Ecogreen hat die drei typischen Blockaden in der Praxis identifiziert:
1. Budget ohne Gesamtbild: Investitionskosten dominieren die Diskussion, während Einsparungen, Fördermittel und geringere Betriebskosten zu spät einfließen.
2. Unsicherheit über Prioritäten: Ohne belastbare Verbrauchsanalyse bleibt unklar, welche Maßnahme den größten Effekt bringt. Dann verschieben Unternehmen lieber alles, statt gezielt zu starten.
3. Unklare Zuständigkeiten: Eigentümer, Betreiber, Mieter, Facility Management und externe Dienstleister verfolgen unterschiedliche Ziele. Ohne Koordination verliert jedes Projekt Tempo.
Bestandsaufnahme ordnet den Einstieg
Ecogreen setzt für den Einstieg auf eine nüchterne Bestandsaufnahme. Sie fragt, wo die höchsten Energieverluste entstehen, welche Anlagen dauerhaft laufen, ob sich Teilflächen für einen ersten Schritt eignen und ob sich Maßnahmen mit dem nächsten Mieterwechsel, Umbau oder Wartungsfenster verbinden lassen. Riethmüller sagt: „Danach folgt die wirtschaftliche Bewertung, denn Fördermittel können Projekte deutlich anders aussehen lassen.“
Bei den BEG-Einzelmaßnahmen aktiviert jeder eingesetzte Förder-Euro im Schnitt vier Euro zusätzliche Investitionen.
Schritte formen die Strategie
Für gewerbliche Sanierungen sieht Ecogreen keinen perfekten Startpunkt als Voraussetzung. Das Unternehmen setzt auf technische Einzelmaßnahmen, Teilflächenkonzepte und Fördermittel, wenn ein strukturierter Plan dahintersteht. Riethmüller betont: „Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Wann startet die große Komplettsanierung? Sondern: Welche Maßnahme senkt die Kosten spürbar, passt zum Betrieb und schafft belastbare Erfahrungswerte für den nächsten Schritt?“ Quelle: ar / Ecogreen / BGW-Marktreport / Dena-Gebäudereport 2026