Die von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag versprochene spürbare Entlastung der privaten Haushalte bei den Stromkosten bleibt weitgehend aus. Das zeigt ein Marktcheck des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Der Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten bringt demnach in den meisten untersuchten Netzen für Verbraucher und Verbraucherinnen in einem typischen Haushalt bei Weitem nicht die angekündigten 100 Euro Ersparnis pro Jahr und fällt regional sehr unterschiedlich aus.
Je nach Netzgebiet variiert die Kostenersparnis durch die Reduzierung der Stromnetzentgelte deutlich. Absolut sparen Haushalte in den untersuchten Netzen zwischen 18 Euro pro Jahr (Rostock) und 109 Euro pro Jahr (Mainz). Im Durchschnitt ergibt sich eine jährliche Entlastung von 56 Euro, was 1,61 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und einer Reduktion der Netzentgelte um 15 Prozent entspricht. Nur bei einem von 25 untersuchten Netzbetreibern liegt die Entlastung überhaupt über 100 Euro pro Jahr.
Industrie kommt besser weg
Damit bleibt die Entlastung laut Verbraucherzentrale klar hinter den Regierungszielen zurück. Die Maßnahme wirke zudem regional ungleich, da Verbraucher und Verbraucherinnen je nach Netzgebiet unterschiedlich profitieren. Zudem seien sie gegenüber der Industrie deutlich schlechter gestellt. Der relative finanzielle Vorteil, der sich durch die Senkung der Stromnetzentgelte ergibt, fällt für Industriekunden bei den untersuchten Netzbetreibern durchschnittlich 59 Prozent höher aus als für Privathaushalte. Eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent pro kWh würde dagegen für Verbraucher und Verbraucherinnen eine Entlastung von rund 68 Euro pro Jahr bedeuten (bei jährlichem Verbrauch von 3.500 kWh) und alle einheitlich und gleichermaßen entlasten.
Infolge des Krieges im Iran drohen die Strompreise erneut anzusteigen, sodass aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands neben der Stromsteuer auch die Strompreisumlagen gesenkt werden sollten. Die Bundesregierung sollte sich an der im Koalitionsvertrag angekündigten Entlastung von fünf Cent pro kWh bei den Stromkosten orientieren, so die Empfehlung der Verbraucherschützer. Die Kombination aus Stromsteuersenkung und dem Wegfall der Umlagen würde für einen typischen Privathaushalt eine Entlastung von rund 171 Euro pro Jahr bedeuten.
„Die Senkung der Stromkosten war ein zentrales Versprechen im Koalitionsvertrag und wurde bislang nicht eingelöst. Die Bundesregierung muss ihr Wort halten. Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen diese Entlastung mehr denn je“, sagt Ramona Pop, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband / ms