Die vergangenen Sommer haben gezeigt: Hitzewellen werden auch in Deutschland zur neuen Normalität. Mit steigenden Temperaturen wächst nicht nur der Bedarf an Raumkühlung in Bürogebäuden, Hotels oder öffentlichen Einrichtungen, sondern auch der Bedarf an Prozesskälte in zahlreichen Industriezweigen. Gleichzeitig führen konventionelle Klima- und Kälteanlagen zu einem erheblichen Anstieg des Stromverbrauchs, was die Stromnetze stark belastet. An dieser Stelle setzt die Solarthermie neue Maßstäbe: Sie stellt dort Energie bereit, wo sie im Sommer am dringendsten benötigt wird und die Sonneneinstrahlung am höchsten ist.
Ein Beispiel aus dem Süden macht es vor
Wie dieses Konzept in der Praxis funktioniert, zeigt eines der größten industriellen Solarthermieprojekte Europas. Für die Mayr-Melnhof Graphia Group realisierte die Soliterm Group 2021 am Produktionsstandort im türkischen Izmir eine solarthermische Prozessenergieanlage für Wärme und Kühlung. Die Anlage verfügt über rund 4.500 Quadratmeter Parabolrinnenkollektoren und liefert eine Kühlleistung von drei Megawatt, in Spitzen bis zu 3,5 Megawatt. Gleichzeitig stellt sie Prozesswärme im Temperaturbereich von 170 bis 180 Grad Celsius bereit und versorgt zweistufige Absorptionskältemaschinen mit thermischer Energie.
Die Betriebsergebnisse zeigen das Potenzial der Technologie eindrucksvoll: Jährlich spart die Anlage rund 1.600 Megawattstunden Erdgas und 3.900 Megawattstunden Strom. Dadurch reduziert sie den CO₂-Ausstoß um mehr als 3.000 Tonnen pro Jahr. Gleichzeitig sinken die Energiekosten deutlich und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wird reduziert.
Sonne erzeugt Prozesswärme und kühlt gleichzeitig
Besonders bemerkenswert ist die parallele Bereitstellung verschiedener Energieformen. Während ein Teil der Solarenergie als Prozesswärme unmittelbar in der Produktion genutzt wird, treibt ein weiterer Teil die Absorptionskälteanlage an und erzeugt Prozesskälte sowie Klimakälte. Damit wird dieselbe solarthermische Infrastruktur ganzjährig optimal ausgelastet.
Gerade diese Vielseitigkeit macht Solarthermie zu einem wichtigen Baustein der Energiewende. Ein und dieselbe Technologie kann – je nach Anforderung – Dampf, Prozesswärme sowie Prozesskälte oder Raumwärme sowie Raumkühlung bereitstellen. Die intelligente Kombination dieser Anwendungen erhöht die Auslastung der Anlagen und verbessert ihre Wirtschaftlichkeit.
Technologie auf den deutschen Markt übertragen
Soliterm
Die Erfahrungen aus dem internationalen Projekt lassen sich unmittelbar auf Deutschland übertragen. Eine Anlage der Soliterm Group bei einem Aluminiumveredelungsanlage in Ennepetal stellt die Praxistauglichkeit auch in Deutschland unter Beweis. Denn mit zunehmenden Hitzewellen steigt der Bedarf an nachhaltigen Kühllösungen kontinuierlich. Bürogebäude, Hotels, Industriebetriebe genauso wie Krankenhäuser oder Rechenzentren bieten ein erhebliches Potenzial für solarthermische Anwendungen.
Gleichzeitig wächst in der Industrie der Bedarf an erneuerbarer Prozesswärme und Solardampf, um Klimaziele zu erreichen und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern. Unternehmen profitieren dabei von einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Wärmeversorgung mit stabilen Energiepreisen. Die Verbindung aus solarer Prozesswärme- und Kälteerzeugung eröffnet neue Perspektiven für eine klimafreundliche Energieversorgung in Deutschland. Quelle: Soliterm/jb