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Hohe Temperaturen: Verband empfiehlt Entfeuchtung für RLT-Anlagen

Tobias - stock.adobe.com

Schwül-heiße Sommer erhöhen den Bedarf an Entfeuchtung. Der FGK sieht dafür Potenzial in RLT-Anlagen. Eine Entfeuchtungskälterückgewinnung spart Energie und verbessert die Behaglichkeit.

Die Dauer und Intensität schwül-heißer Wetterlagen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Der Fachverband Gebäude-Klima (FGK) geht davon aus, dass diese weiter ansteigen. Dadurch rückt neben der Kühlung zunehmend die Entfeuchtung in den Fokus.

Bei schwüler Witterung wird die Gesamtkälteleistung häufig von der Feuchtelast dominiert. Um die Luft zu entfeuchten, muss sie so weit abgekühlt werden, dass anschließend eine Nacherwärmung erforderlich ist.

FGK bewertet Entfeuchtung als gleichwertig

Der FGK empfiehlt deshalb, die Entfeuchtung als gleichwertigen Bestandteil energieeffizienter Klimatisierung zu betrachten. Eine Entfeuchtungskälterückgewinnung (EKR) kann den hierfür erforderlichen Energieeinsatz deutlich reduzieren.

Christoph Kaup, Vorsitzender des FGK-Vorstands, erklärt: „In schwül-heißen Sommern entscheidet die Luftentfeuchtung über Komfort und Energieverbrauch. Mit integrierter Entfeuchtungskälterückgewinnung können wir bisher ungenutzte Potenziale erschließen und in messbare Effizienzgewinne umwandeln, ohne Abstriche bei der Behaglichkeit oder der Feuchteführung hinnehmen zu müssen“

EKR gewinnt Wärme im System zurück

Bei der klassischen Luftentfeuchtung wird die Zuluft zunächst unter den Taupunkt abgekühlt, sodass der in der Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert. Anschließend muss die Zuluft auf die gewünschte Temperatur erwärmt werden. Der Energiebedarf für die zusätzliche Kälteleistung und die Nacherwärmung lässt sich mit der EKR nahezu vollständig reduzieren.

Die EKR nutzt dafür zwei Wärmeübertrager. Dem Entfeuchtungskühler ist ein Wärmeübertrager vorgeschaltet. Er entzieht der Zuluft Wärme, sodass der Verdichter kürzer oder mit geringerer Leistung läuft. Der zweite, nachgeschaltete Wärmeübertrager nutzt die zuvor entzogene Wärmeenergie zur Nacherwärmung der entfeuchteten Zuluft. Dadurch kann die erforderliche Zulufttemperatur ohne zusätzliche Heizleistung erreicht werden. Ein Teil des Energieaufwands für die Kühlung und Entfeuchtung wird damit innerhalb des Systems zurückgewonnen. Dadurch verbessert die EKR vor allem im sommerlichen Teillastbetrieb die Energieeffizienz und verringert den Strombedarf, die Betriebskosten und die CO₂-Emissionen.

Retrofit erschließt Reserven im Bestand

Der FGK verweist zudem auf die Nachrüstung im Gebäudebestand. Kaup führt aus: „Ein weiterer großer Vorteil der Entfeuchtungskälterückgewinnung liegt darin, dass sie retrofit-fähig ist. Sie kann in vielen Bestandsanlagen mit gekoppelten Wärmeübertragern nachgerüstet werden. Dadurch lassen sich Effizienzreserven der RLT-Anlage erschließen, ohne dass die gesamte Anlage ersetzt werden muss.“

Von der EKR profitieren beispielsweise Bürogebäude, Krankenhäuser, Hotels, Einkaufszentren sowie Bereiche mit hohen Anforderungen an die Raumluftfeuchte, wie in Museen, Laboren und im Gewerbe.

Beispiel für eine Entfeuchtungskälterückgewinnung

Die Simulation zeigt die Funktionsweise einer Entfeuchtungskälterückgewinnung. Anhand des
Anlagenschemas (Abb. 1) und des h-x-Diagramms (Abb. 2) eines konkreten Beispiels lässt sich
der Prozess nachvollziehen:

Abbildung 1: Das Anlagenschema zeigt das Beispiel einer Entfeuchtungskälterückgewinnung.

Umwelt-Campus Birkenfeld, Hochschule Trier

Abbildung 1: Das Anlagenschema zeigt das Beispiel einer Entfeuchtungskälterückgewinnung.

A Außenluft (AUL): 32 °C, 40 % relative Luftfeuchtigkeit (r. F.), 11,9 g/kg
B Im Vorkühler (VK) wurde der Luft Wärme entzogen. Die Wärmerückgewinnung (WRG) hat in diesem Schritt rund 15 % Kälteleistung gespart. Durch die niedrigere Temperatur ist die relative Luftfeuchte gestiegen: Bei 21,1 °C beträgt sie rund 76 % r. F., die absolute Luftfeuchtigkeit ist unverändert bei 11,9 g/kg

Abbildung 2: Im h-x-Diagramm lassen sich die Änderungen von Temperatur und Luftfeuchte des Beispiels nachvollziehen.

Umwelt-Campus Birkenfeld, Hochschule Trier

Abbildung 2: Im h-x-Diagramm lassen sich die Änderungen von Temperatur und Luftfeuchte des
Beispiels nachvollziehen.

C Der Entfeuchtungskühler (EK) senkt die Lufttemperatur unter den Taupunkt ab, sodass Wasserdampf kondensiert. WRG und EKR bewirken eine weitere Einsparung von 25 % bei der Kälteleistung. Die absolute Luftfeuchtigkeit hat den angestrebten Wert erreicht, allerdings ist die Luft an dieser Stelle zu kalt: 12 °C, rund 97 % r. F. mit 8,5 g/kg
D Für das Erhöhen der Lufttemperatur mit dem nachgeschalteten Wärmeübertrager (Nacherwärmer, NE) ist dank EKR keine zusätzliche Wärmeleistung erforderlich. Mit steigender Temperatur sinkt die relative Luftfeuchtigkeit. Temperatur und Feuchte der Zuluft (ZUL): 19 °C, rund 62 % r. F. mit 8,5 g/kg
E Im Raum steigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Temperatur und Feuchte der Abluft (ABL): 24 °C, rund 50 % r. F. mit 9,3 g/kg
F Über einen Wärmeübertrager wird überschüssige Wärme übertragen. Daraus ergeben sich folgende Werte für die Fortluft (FOL): 27,9 °C, rund 40 % r. F. mit 9,3 g/kg

EPBD verbindet Effizienz und Innenraumqualität

Der FGK verbindet eine energieeffiziente Feuchteführung auch mit der Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD). Sie stellt Anforderungen an die Energieeffizienz und zusätzlich an die Innenraumqualität. Gleichzeitig erlaubt trockene, behagliche Zuluft eine präzise Regelung der Luftfeuchte und verbessert so die Hygiene in Kanälen und Bauteilen.

Für TGA Planung, Anlagenbau und den Gebäudebetreiber bietet die EKR eine wirkungsvolle, praxisgerechte Lösung, um RLT-Anlagen auf die klimatischen Herausforderungen der kommenden Jahre auszurichten und gleichzeitig die Anforderungen an Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Nutzerkomfort zu erfüllen. Quelle: ar / FGK