Wer heute ein Gebäude plant, rechnet mit Klimadaten, die mit der Wirklichkeit draußen immer weniger zu tun haben. Die DIN 4108-2 stützt sich nach wie vor auf das Testreferenzjahr 2010 [1]. Dabei brachte allein der Sommer 2023 am Referenzstandort Potsdam 61 Tage über 25 °C, 20 heiße Tage über 30 °C und drei Tropennächte – Werte, die den simulierten Zukunftsszenarien schon heute gefährlich nahekommen [2]. In der Region Karlsruhe zählte man zwischen 1961 und 1990 durchschnittlich sieben Hitzetage pro Jahr. Zwischen 1991 und 2020 waren es bereits dreizehn. Bis 2060 prognostiziert das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung bis zu 31 [2].
Die sommerkühlen und durchschnittlichen Klimaregionen A und B, zu denen bislang etwa die Ostseeküste, der Schwarzwald oder das Mittelgebirge gehören, werden bis 2045 nur noch wenige Höhenlagen umfassen [2][3]. Gebäudehüllen, die heute die Mindestanforderungen einhalten, werden diese Werte unter künftigen Klimabedingungen deutlich überschreiten [4].
Um es deutlich auszudrücken: Sonnenschutz ist längst keine Komfortfrage mehr! Das Robert Koch-Institut beziffert die hitzebedingten Todesfälle in Sommern mit Hitzewellen auf bis zu 10.000 allein in Deutschland [2]. Und weil immer mehr Bewohner sich Klimageräte anschaffen, steigen Stromverbrauch und CO₂-Ausstoß – während die Außengeräte an den Fassaden die Nachbarschaft zusätzlich aufheizen [3][5].
Sommer gegen Winter: ein Zielkonflikt, der sich nicht weglüften lässt
Die zentrale planerische Herausforderung beim Sonnenschutz steckt in seiner Wechselwirkung mit dem winterlichen Wärmeschutz. Umfangreiche Simulationsrechnungen des Ingenieurbüros Prof. Dr. Hauser im Auftrag der Repräsentanz Transparent ...