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Das Geheimnis der geplatzten Förderung – ein Fall für Bilanz-Akrobaten

Hier spricht Sherlock GEBBIE – wir haben einen neuen Tatort: Ein Einfamilienhaus (Baujahr 1965), das mit hohem Budget zum Effizienzhaus 85 saniert wurde. Die komplette Fassade erhielt ein WDVS, das Dach wurde gedämmt, Fenster und Wärmepumpe sind neu. Einzig die Kellerdecke blieb aufgrund der geringen Raumhöhe auf Wunsch des Bauherrn unangetastet. Der Förderantrag ging reibungslos durch.

Doch nach Abschluss der Arbeiten wählt die KfW das Projekt für eine Stichprobenkontrolle aus. Das Resultat ist für alle Beteiligten ein Schock: Die Bestätigung nach Durchführung wird abgelehnt, der Tilgungszuschuss komplett gestrichen. Die Spurensuche auf der Baustelle verläuft ins Leere. Die Handwerker haben exakt nach Plan gearbeitet, die U-Werte der sanierten Bauteile entsprechen auf die Komma­stelle der Berechnung. Auch die Systemgrenze ist korrekt definiert. Dennoch reißt der Transmissionswärmeverlust (H’T) in der Nachprüfung plötzlich den Grenzwert.

Rätselfrage: Wo liegt der fatale Bilanzierungsfehler des ­Energie­beraters?

Die Auflösung des Falls aus GEB 03-2026

Vor der Sanierung floss Heizwärme durch die ungedämmte Wand und hielt das Mauerwerk selbst im Winter weitgehend frostfrei. Die Innendämmung unterbrach diesen Wärmestrom. Die Ziegeltemperatur an der Nordseite näherte sich der Außenluft an und unterschritt regelmäßig den Gefrierpunkt – dutzende Frost‑Tau‑Wechsel pro Winter statt vorher kaum einer. Die historischen Vollziegel besitzen eine begrenzte Frostbeständigkeit, die nie zum Problem wurde, weil sie nie so kalt waren. Der Glaser‑Nachweis bezieht sich auf den Feuchtehaushalt, nicht auf die Frostresistenz des Baustoffs. Die Antwort lag nicht in der Berechnung, sondern in der Materialprüfung – eine Untersuchung, die kein Energieberater standardmäßig veranlasst.

Quellenbasis:

[1] DIN 4108‑3 – Feuchteschutznachweis nach Glaser‑­Verfahren; erfasst Dampfdiffusion, nicht Frostbeanspruchung

[2] WTA‑Merkblatt 6‑4 – behandelt Innendämmung im ­Bestand und benennt explizit das Frostrisiko für gering frostbeständige Mauerziegel

[3] WTA‑Merkblatt 6‑5 – ergänzende Hinweise zur Innen­dämmung mit kapillaraktiven Systemen