Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 02-2017

Schrittweise Modernisierung der Anlagentechnik

Energieberatung im Hotel Nach 20 Jahren sollte die Heizungsanlage des Landhotels Oltmanns im ostfriesischen Neermoor durch eine Neuanlage ersetzt werden. Der Betreiber wandte sich an einen auf Hotelanlagen spezialisierten Energieberater und ließ auf dessen Empfehlung ein BHKW und einen Gasbrennwertkessel installieren. Auch die Abwärme der Kälteanlage wird nun zum Heizen genutzt. 

  1. Teil: Schrittweise Modernisierung der Anlagentechnik
  2. Teil: Energieberatung im Mittelstand
  3. Teil: Bautafel

Was das Hotel und Restaurant „Landhaus Oltmanns“ in Neermoor betrifft, ist Christian Oltmanns Perfektionist. Zusammen mit seiner Frau führt er das Hotel als Familienbetrieb. Sie sind davon überzeugt, dass Kundenbindung nur durch überdurchschnittliche Qualität Bestand haben kann.

Das in regionaltypischem Rotklinker errichtete Hotel ist 20 Jahre alt – so alt war auch die bislang darin installierte Haustechnik. Als die alte Heizungsanlage erste Zipperlein entwickelte und einmal sogar kurzfristig komplett ausfiel, bestand für Oltmanns sofortiger Handlungsbedarf. So etwas sollte sich nicht wiederholen. In Absprache mit seinem Heizungsbauer entschied er, die beiden Erdgas-Niedertemperaturkessel der Altanlage durch moderne Heiztechnik zu ersetzen.

Energieberatung für mittelständische Unternehmen

Vor der Investition in eine neue Wärmeversorgung beauf-tragte Oltmanns den auf Hotelanlagen spezialisierten Gebäudeenergieberater (HWK) und SHK-Sachverständigen Dipl.-Ing. Carsten Mücke aus Osnabrück mit der Ausarbeitung eines Energieberatungsberichts nach DIN  16247-1 für ein Energieaudit nach dem Förderprogramm „Energieberatung im Mittelstand“ (s. Infokasten).

Im November 2015 lag das Beratungskonzept vor. Die Empfehlungen bezogen sich sowohl auf die Wärmeversorgung als auch auf Maßnahmen zur Optimierung der Kältetechnik und der Beleuchtung. Für die Rangfolge war nicht die Wirtschaftlichkeit das entscheidende Kriterium, sondern die Versorgungssicherheit: Am dringendsten waren die Arbeiten an der Wärme- und Kältetechnik. Das Konzept sah insgesamt vier Einzelmaßnahmen vor:

Austausch des Heizkessels

Wärmerückgewinnung aus der Kältetechnik

Einbau eines Blockheizkraftwerks (BHKW) und

Sukzessive Umstellung der Hotelbeleuchtung auf LED-Technik.

Im Dezember 2015 erfolgte die Ausschreibung und Vergabe für die neue Heizungsanlage. Herzstück der neuen Wärmeerzeugung ist die Kombination aus einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk und einem Gas-Brennwertkessel. Für die Warmwasserbereitung versorgt einer der drei Pufferspeicher ein Frischwassermodul mit Wärme.

Das BHKW wurde von Krallmann Energietechnik in Papenburg geliefert, den Gas-Brennwertkessel, die Regelungstechnik und die Speichertechnik lieferte die Cordes & Graefe Emden KG. Wie der Großhändler bot auch Brötje Unterstützung bei der Planung der Anlage.

Förderung noch nach dem KWKG 2012

Zur zügigen Umsetzung der Maßnahmen motivierte außer der unzuverlässigen Altanlage auch die Änderung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWKG) zum 1. Januar 2016, die einen geringeren Zuschlag für den produzierten Strom und eine Deckelung der Vergütung vorsah. Voraussetzungen für die Berechnung auf Basis des KWKG 2012 waren die Auftragsvergabe bis 31. Dezember 2015 und die Fertigstellung der Anlage bis 30. Juni 2016. Doch so lange dauerte es nicht: Im Januar 2016 war der Anlagenumbau abgeschlossen.

Für die Basisversorgung mit Wärme ist das Mini-BHKW EC Power XRGI 9 mit 9 kWel und 20 kWth zuständig. Um möglichst lange Laufzeiten und einen hohen Eigenstromanteil zu erreichen, war bei der Auswahl des ergänzenden Brennwertkessels ein großer Modulationsbereich wichtig. Mit 28 kW Mindestleistung und einer Maximalleistung von 170 kW bietet der Gas-Brennwertkessel Brötje EuroCondens SGB 170 H einen Modulationsbereich von 16 bis 100 %. Für die Regelung der Wärmeerzeuger und der Heizkreisführung sind jetzt zwei ISR ZR 2-Zonenregler von Brötje zuständig.

Um auch die nicht unerhebliche Abwärme der vier vorhandenen Kältemaschinen künftig sinnvoll zu nutzen, wurde der Aufstellraum der Kältetechnik mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet. Sie führt die Wärme über vier Kondensatoren einem der Pufferspeicher im Heizraum zu.

Die bisherige Aufteilung der Wärmeversorgung auf sieben Heizkreise zuzüglich der Trinkwarmwasserversorgung blieb bestehen, die Umwälzpumpen wurden allerdings durch Hocheffizienzpumpen ersetzt. Zu guter Letzt wurden alle Heizkreise hydraulisch abgeglichen.

Die nächsten Schritte

Heiztechnisch ist das Landhaus Oltmanns damit für die Zukunft gerüstet. Für die Anlage prognostizierte Carsten Mücke eine Amortisationszeit von sieben Jahren. Im nächsten Schritt wurde mit der Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik begonnen. Um weiteres Energieeinsparpotenzial auszuloten, riet der Energieberater, den Gas-, Wasser- und Stromverbrauch der Küche künftig gesondert zu erfassen und der Trinkwassererwärmung ebenfalls einen internen Zähler zu verpassen.

www.broetje.de

  • Das BHKW EC Power XRGI 9 (links) und der Gas-Brennwertkessel Brötje EuroCondens SGB 170 H (rechts) übernehmen jetzt die Wärmeversorgung.

  • Drei Pufferspeicher mussten im Heizraum untergebracht werden: Für das BHKW (blau), die Trinkwassererwärmung (weiß) und für die Wärmerückgewinnung der Kälteanlagen (orange).

  • Energieberater Dipl.-Ing. Carsten Mücke ist auf Hotel-Haustechnik spezialisiert. Im Hintergrund ist das Frischwassermodul von Malotech für die Warmwasserbereitung zu erkennen.

Literatur

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