GEB Newsletter: 11-2012 | 23.05.2012

ERNEUERBARE

Stromgestehungskosten mit Sonne und Wind

Lernkurvenbasierte Prognose von Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien in Deutschland bis 2030. Quelle: Studie „Stromgestehungskosten erneuerbare Energien“ (Fraunhofer ISE, Mai 2012).
Die Höhe der Kosten für die Nutzung erneuerbarer Energien wird mit steigender Verbreitung in der Öffentlichkeit mit viel Leidenschaft diskutiert. Oftmals werden dabei jedoch nicht alle verfügbaren Daten und Fakten in die Berechnungen einbezogen. Abhilfe verschafft hier die Studie „Stromgestehungskosten von erneuerbaren Energien“, die das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE im Mai 2012 aktualisiert hat.

„Im Gegensatz zu den steigenden Energiepreisen bei fossilen und nuklearen Stromquellen sinken die Stromgestehungskosten aller erneuerbaren Energien seit Jahrzehnten kontinuierlich“, sagt Prof. Dr. Eicke R. Weber, Leiter des ISE. Die nun vorliegende Studie analysiert Stromgestehungskosten, die bei der Umwandlung bestimmter Energieformen aus Photovoltaik, solarthermischen Kraftwerken oder Windenergieanlagen in Strom entstehen. Sie greift die gegenüber der Version von Dezember 2010 die Trends in der Kostenentwicklung der vergangenen beiden Jahre auf. Die marktüblichen Finanzierungskosten und Risikoaufschläge sind in dieser neuen Version noch detaillierter und zudem technologiespezifisch sowie länderabhängig angesetzt.

Das ermöglicht einen realistischen Vergleich sowohl von Kraftwerksstandorten als auch Technologierisiken und Kostenentwicklungen. „Die Höhe von Finanzierungskosten hat dabei einen erheblichen Einfluss auf die Stromgestehungskosten und die Wettbewerbsfähigkeit einer Technologie“, so Weber, „dies ist beim Vergleich zwischen der Studie von 2010 und der aktuellen Version zu beachten.

Photovoltaikstrom unter dem Endkundenstrompreis
Weber: „Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Stromgestehungskosten bei der Photovoltaik nicht nur in Regionen mit sehr hoher Sonneneinstrahlung, sondern auch in Deutschland unterhalb des Endkundenstrompreises liegen. So belaufen sich an deutschen Standorten die Stromgestehungskosten von PV-Kleinanlagen auf 14 bis 20 Ct/kWh. Für PV-Freiflächenanlagen in Süddeutschland ergibt sich ein Wert zwischen 13 und 14 Ct/kWh. Im sonnigen Spanien sinken die Kosten für Freiflächenanlagen zwar nochmals signifikant auf 11 Ct/kWh, aber weniger stark als erwartet. „Die hohen Kapitalkosten in vielen südlichen Ländern erhöhen die Stromgestehungskosten erheblich, der Vorteil der starken Sonneneinstrahlung kommt dadurch nicht so stark zum Tragen wie er könnte“, so Dr. Thomas Schlegl, Leiter der Abteilung Renewable Energy Innovation Policy, die diese Studie erstellt hat.

Windenergie ist an guten Standorten wettbewerbsfähig
Ähnlich sieht es bei der Nutzung der Windkraft aus: „Auch die Wettbewerbsfähigkeit von Windenergieanlagen gegenüber konventionellen Kraftwerken ist an guten Windstandorten erreicht“, sagt Weber. Die Stromgestehungskosten von Onshore-Windenergieanlagen liegen heute zwischen 6 und 8 Ct/kWh und damit im Bereich der konventionellen Kraftwerke (Steinkohle, Braunkohle und Kernkraft). Offshore-Windenergieanlagen verzeichnen dagegen trotz höherer Volllastzeiten von jährlich 3200 h mit 12 bis 16 Ct/kWh deutlich höhere Stromgestehungskosten als Onshore-Anlagen. „Ursachen sind die teurere Installation sowie höhere Betriebs- und Finanzierungskosten im Bereich Offshore“, sagt Weber, „damit ist der Strom aus Offshore-Windenergieanlagen auch teurer als der aus PV-Anlagen.“

Stromgestehungskosten bilden nicht alles ab
Auch solarthermische Kraftwerke wurden in der ISE-Studie untersucht. Diese weisen an Standorten mit einer jährlichen Direkteinstrahlung von 2000 kWh/m2 Stromgestehungskosten von 18 bis 24 Ct/kWh auf. „Der Vergleich mit PV-Anlagen am gleichen Standort zeigt für diese aktuell einen Kostenvorteil aufgrund der starken Kostensenkungen in den vergangenen Jahren“, so Christoph Kost, ein Mitautor der Studie. Der Vorteil der Speicherbarkeit von Energie und der regelbaren Stromproduktion von solarthermischen Kraftwerken ist laut Weber dabei jedoch nicht berücksichtigt. Die Vorteile von höheren Volllaststunden von Windkraftanlagen, insbesondere von Offshore-Anlagen werden ebenfalls in den Stromgestehungskosten nicht abgebildet, spielen jedoch für die langfristige Energiesystementwicklung eine wichtige Rolle. GLR

Studie: Stromgestehungskosten erneuerbare Energien (PDF 4,5 MB)
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