GEB Newsletter: 05-2008 | 26.03.2008

LESERBRIEFE

„Knüppel zwischen die Beine“

Im letzten GEB-Letter hatten wir über kostenlose Bedarfsausweise zur Kundenakquisition berichtet (siehe: Jetzt auch Bedarfsausweise umsonst). Unter Energieberatern dürfte die HypoVereinsbank damit allerdings kaum Neukunden geworben haben. Die Kollegen sind mehrheitlich ziemlich sauer über das Angebot. Nicht unbedingt weil man die große Konkurrenz befürchtet, sondern weil es als weiterer Knüppel zwischen die Beine der unabhängigen Energieberater und Energieausweisaussteller empfunden wird. „Wie soll ich Kunden, die mit dem Angebot konfrontiert wurden, davon überzeugen, dass ein Energieausweis mit Nutzwert mindestens 300 Euro kostet?“, schrieb uns eine Kollegin.

Kunden ahnen, dass da ein Haken ist
Eine andere Energieberaterin erklärte, dass sie potenzielle Kunden immer mit der Frage konfrontiere, welches Interesse wohl jemand habe, der etwas umsonst anbiete oder welches Interesse Massenanbieter haben. Sicher nicht unbedingt das Wohl der Gebäudeeigentümer, sondern eher das eigene Geschäft. Wer sich auf diese Frage (noch) einlasse, sei oft als Kunde zu gewinnen. Denn eines müsse man bedenken: Die Kunden, die sich bei unabhängigen Energieberatern melden und diese mit Dumpingpreisen konfrontieren, würden in aller Regel von Zweifeln geplagt. Denn warum sollten sie überhaupt anrufen, wenn sie die Leistung schon irgendwo für ein Trinkgeld bekommen können? „Anrufer mit der Preisfrage sind mir mittlerweile die liebsten“, schrieb uns ein Energieberater, „da habe ich eine Auftragsquote von über 50%, wenn ich meine Argumente vortragen kann.“

Konzeptlos: Minimal-Bedarfsausweis und Sanierungskredit
Ein anderer Leserbriefschreiber fragt: Wer wundert sich eigentlich darüber? Verwunderlich sei doch nur, mit welchem „Weitblick“ Verbände und Lobbyisten der Politik die ganzen Formulierungen untergeschoben haben, die jetzt so nach und nach ihre Wirkung entfalten. Andere sehen die Sache gelassener: „Wenn die Bank damit Kreditkunden unter Berücksichtigung von KfW-Zuschüssen gewinnen will, werden sehr schnell zusätzliche Beratungsleistungen notwendig. In dem Spielraum des Marktes für Kreditzinsen lassen sich die Kosten kaum unterbringen. Irgendwann benötigt der Kunde dann gegen Gebühr oder Honorar weitere Leistungen.“

„Ein Minimal-Bedarfsausweis in Verbindung mit einem Sanierungskredit ist unseriös bis konzeptlos“, findet ein Kollege: „Ohne Bestandsaufnahme kann man doch keine Beratung durchführen.“ Interessant finden andere die rechtliche Wirksamkeit und fragen: „Wenn die Bank ein neues Paket schnürt, in dem der Energieausweis nur ein Teil und gleichzeitig als Grundlage einer Wirtschaftlichkeitsberechnung genommen wird (was sich für Energieberater verbietet), kann doch wohl kaum noch der Unverbindlichkeitsschutz des Verordnungsgebers gelten?“

Enttäuschung über Politik(er)
Viele Kollegen äußerten sich auch enttäuscht darüber, wie gering und halbherzig Politik, Verbände und andere Organisationen über den Energieausweis aufklären, bzw. zu bestimmten Angeboten Stellung beziehen. Nur so sei es möglich, dass der Verbrauchsausweis zum Standard werde. Der sei zwar oft sehr kostengünstig, aber auch 19,95 Euro für ein Stück wertloses Papier seien Betrug am Kunden. Es könne auch nicht angehen, dass Politiker potenziellen Fachleuten eine teure Ausbildung zum Energieberater empfohlen haben und dann eine Marktentwicklung mittragen, die die Ausbildung nahezu wertlos mache. Viele Energieberater merken auch an, dass ihre (potenziellen) Kunden massiv verunsichert seien, weil einerseits Experten öffentlich den fehlenden Nutzen von Energieausweisen ohne Vor-Ort-Termin kritisieren, andererseits aber von offizieller Stelle niemand etwas dagegen unternehme.

Unsinniges Angebot
„Das Angebot der HypoVereinsbank ist eigentlich kompletter Unsinn“, schrieb uns ein Energieberater. „Vor der Modernisierung - und darauf zielt das Angebot doch ab - hilft ein Energieausweis wenig. Um ein richtiges Finanzierungskonzept vorzuschlagen, ist zunächst eine detaillierte Analyse notwendig. Der Energiebedarf ist dabei eine Größe von untergeordneter Bedeutung. Bei selbstnutzenden Eigentümern ist der Energieverbrauch oft viel aussagekräftiger, um eine stimmiges Gesamtkonzept vorzuschlagen. Sonst kollidieren Energiesparmaßnahmen und energiesparendes Verhalten der Nutzer, oft mit schlimmen Folgen, wie z.B. Schimmel. Zudem ist der Verbrauch häufig wesentlich niedriger als der berechnete Bedarf. Die finanziell wirksamen Einsparungen ergeben sich aber zwischen altem und neuem Verbrauch und nicht zwischen altem Bedarf und neuem Verbrauch. Jedenfalls muss am Anfang die detaillierte Energieberatung stehen, nach der Sanierung gibt es dann noch einen Energieausweis, falls der Eigentümer in den nächsten zehn Jahren sein Haus verkaufen will. Und den kann der begleitende Energieberater dann auch ohne Quersubventionierung durch eine Bank für 9,95 Euro Druck- und Versandkosten ausstellen.“ GLR

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