Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 10-2018

Alles für die Kleinen

Digitales Strom-Monitoring für kleine und mittlere Unternehmen Gutes Energie-Management lohnt sich – allerdings ist dies bislang für Kleinstunternehmen und auch für viele kleine und mittlere Unternehmen wie z. B. Bäckereien oder Hotels kaum selbst zu stemmen. Ein neues System sorgt für Abhilfe und kann auch bei Energieberatungen integriert werden. Stefan Heimann

  1. Teil: Alles für die Kleinen
  2. Teil: Pilotprogramm Einsparzähler
  3. Teil: Stefan Heimann

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Sache klar: Ein effizienter und sparsamer Einsatz von Energie lohnt sich für so gut wie alle Betriebe und entsprechende Investitionen amortisieren sich meist in kurzer Zeit. Große Unternehmen haben bereits häufig ein systematisches Energiemanagement und führen regelmäßige Energie-Audits durch. Bei Kleinstunternehmen und auch bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen sieht das noch anders aus: Hier fehlen häufig die Ressourcen und das Wissen, um sich angemessen mit dem eigenen Energieverbrauch auseinandersetzen zu können.

Bäckereien haben hohe Einsparmöglichkeiten

Ein gutes Beispiel sind Bäckereien: Ungefähr die Hälfte der 12 000 deutschen Bäckerei-Betriebe haben weniger als zehn Mitarbeiter, sind also Kleinstbetriebe. Das Einsparpotenzial beim Strom in einem durchschnittlichen Betrieb wird auf bis zu 30 % geschätzt. Durchaus lukrativ also – und bei der großen Anzahl an Bäckereien auch ein relevanter Faktor für den Klimaschutz. Aber wie sollen Mitarbeiter, die sich auf Backen und Kundenbetreuung verstehen und damit auch ausgelastet sind, den Energieverbrauch des Betriebs nachvollziehen, die Einsparpotenziale erkennen und diese nutzen? Hierfür hat das Energieunternehmen meistro EFFIZIENZ GmbH eine technische Lösung entwickelt. Das Pilotprogramm Einsparzähler des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt das Projekt.

Fünf Branchen abgedeckt

Seit 2017 bietet das digitale Analyseverfahren von meistro und dessen Partner Discovergy Kleinstunternehmen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) die Möglichkeit, ihren Stromverbrauch detailliert auszuwerten. Dabei wird über eine Software dargestellt, welcher Verbraucher im Betrieb wann wie viel Strom benötigt. Dazu passend werden branchenspezifische Einspartipps und Investitionsempfehlungen ausgegeben, mit denen der Verbrauch systematisch gesenkt werden kann. Diese Informationen wurden für die fünf Branchen Bäckerhandwerk, Logistik, Hotellerie, Einzelhandel und Tierhaltung in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Branchenverbänden und Genossenschaften entwickelt.

Stefan Froeb, zuständig für strategische Kooperationen bei dem Ingolstädter Unternehmen meistro: „Mit dem Pilotprogramm der Bundesregierung möchten wir die Chance ergreifen, die Digitalisierung auch für die Energieeffizienz nutzbar zu machen. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung eines ganzheitlichen digitalen Konzepts zur Effizienzsteigerung in den genannten Branchen, das anschließend auf weitere mittelständische Branchen ausgeweitet werden kann.“

Nachvollziehen, vergleichen, im Blick behalten

In der Praxis bedeutet dies für einen kleinen Bäckerei-Betrieb, dass zunächst die wichtigsten Verbraucher mit Messpunkten ausgestattet werden. In einer Bäckerei sind das Kühlung, Beleuchtung und natürlich die Öfen, die rund 65 % des Stroms benötigen. Die erhobenen Messwerte können dann mit dem Programm CONTROLIT View als Lastgänge visualisiert werden. Dafür ist lediglich ein Browser nötig, die Nutzung ist also unabhängig vom verfügbaren Endgerät. Zusätzlich zur Verbrauchsdarstellung erhält der Betrieb Vorschläge für energieeffizientere Geräte und erhält bei den Umsetzungsmaßnahmen auf Wunsch Unterstützung. Außerdem werden die Verbrauchsdaten normiert und können so mit anonymisierten Daten anderer Bäckerei-Betriebe verglichen werden. Der Schutz der Unternehmensdaten hat dabei einen hohen Stellenwert, dafür sorgen auch die Förderbedingungen des Einsparzähler-Programms.

Der Verbrauch der verschiedenen Geräte kann auch mit der gespeicherten Verbrauchshistorie abgeglichen werden, sodass Veränderungen in der Geräteeffizienz oder auch ein geändertes und ggf. unsachgemäßes Nutzerverhalten leicht festgestellt werden können. Das System meldet sich dabei mittels Push-Nachrichten selbst bei dem Betrieb, sodass der Verbrauch auch überwacht werden kann, wenn die Mitarbeiter ihrem Tagesgeschäft nachgehen. Damit soll der Aufwand für die Betriebe so gering wie möglich gehalten werden.

Mehrwert für die Branchen – und für Energieberater

Interessierten Unternehmen der Branchen Bäckerhandwerk, Logistik, Hotellerie, Einzelhandel und Tierhaltung erläutert die meistro EFFIZIENZ GmbH in einem Vor-Ort-Termin den technischen Rahmen und klärt die benötigte Zahl an Untermesspunkten und deren Einbau. Die Bereitstellung und Installation der Hardware erfolgt kostenlos. Nach der Installation bietet meistro eine umfassende Kundenbetreuung. Die Gesamtkosten dafür liegen bei durchschnittlich 18,32 Euro pro Monat und Betrieb – abhängig von der Größe des Betriebs und der Anzahl der benötigten Messpunkte.

Nicht nur Unternehmen können das Analysesystem nutzen, auch Energieberater können es in ihre Kundenbetreuung integrieren. So weisen die Auswertungen des Systems auf Unzulänglichkeiten, Mängel und Defekte der Energieverbraucher hin, auf deren Behebung sich Energieberater verstehen. Das Einsparzähler-System bietet Energieberatern also eine Möglichkeit für Kundenservice, Auftragsgenerierung und Kundenbindung. Valentin Kunkel, Projektleiter Effizienztechnik der meistro ENERGIE GmbH dazu: „Durch gezielte Messungen aller wesentlichen Verbraucher sehen Energieberater sofort, wo Maßnahmen am effektivsten sind. Außerdem können Energieberater die Erfolge ihrer Maßnahmen genau quantifizieren und müssen nicht mehr nur auf Hochrechnungen vertrauen.“

www.meistro.de/kundenportal

  • Der intelligente Smart Meter ersetzt den alten Abrechnungszähler und sorgt für eine sichere und transparente Messung der Verbrauchsdaten.

  • Um den Verbrauch einzelner Geräte oder Räume messen zu können, werden Sensorbars in den Schaltschrank eingebaut.

Quelle: meistro ENERGIE GmbH/Discovergy GmbH

Quelle: meistro ENERGIE GmbH

Literatur

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