Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 04-2014

Nachträgliche Dämmung von zweischaligem Mauerwerk

Harte Schale, weicher Kern

In dem Städtchen Westerstede im Nordwesten Niedersachsens wurden vier baugleiche Mehrgeschossbauten aus den 1960er-Jahren nachträglich gedämmt. Dazu hat ein Fachunternehmen die 70 mm dünne Luftschicht zwischen der tragenden Außenwand und der vorgemauerten Klinkerschale mit dem nichtbrennbaren Mineralwolledämmstoff Supafil Cavity Wall von Knauf Insulation ausgeblasen. So ließ sich der U-Wert der Klinkerbauten ohne Beschädigung der Fassade von 1,49 W/(m2K) auf 0,40 W/(m2K) senken.

  1. Teil: Harte Schale, weicher Kern
  2. Teil: Bautafel
  3. Teil: Gebäude- und Energiekennwerte

Bald zieht es die Blumenliebhaber und Züchter wieder nach Westerstede, denn nirgends blühen die Rhododendren und Azaleen so herrlich wie hier im Ammerland, der Drehscheibe zu den Seehäfen des Nordwestens, nahe Oldenburg. Doch die Blütenpracht täuscht nicht darüber hinweg, dass hier übers Jahr trotz der milden Sonnentage auch ein raues Klima herrscht, geprägt von kräftigen Stürmen, heftigen Regenschauern und kühlen Wintertagen.

Dementsprechend sind hier die meisten Wohnhäuser und Gebäude in robuste zweischalige Klinkerfassaden gekleidet, um deren Wärmeschutz es jedoch nicht überall zum Besten steht. Wie in anderen Regionen der Republik weckte erst der Ölpreisschock in den 1970er-Jahren das Bewusstsein, dass das fossile Zeitalter endlich ist und man mit einem gedämmten Gebäude nicht nur die Heizkostenrechnung zu reduzieren vermag, sondern auch von einem spürbar besseren Wohnkomfort profitiert. Das führte dazu, bei Neubauten die Luftschicht zwischen dem tragenden Mauerwerk und der vorgesetzten Klinkerschale mit einer Kerndämmung zu versehen, was sich indes erst ab den 1980er-Jahren zum Standard erhob.

Gute Bausubstanz, miserabler Wärmeschutz

Zu jener Zeit war jedoch der Wohnungsbedarf schon weitgehend gedeckt, weshalb sich auch heute noch in Westerstede viele Gebäude aus den 1950er- und 1960er-Jahren finden, deren Gebäudehüllen nur marginal oder sogar komplett ungedämmt sind.

Zu dieser sanierungsbedürftigen Kategorie zählten auch vier baugleichen Wohnblöcke in der Breslauer Straße (Abb. 1 ), deren Spatenstich auf das Jahr 1966 datiert ist und die insgesamt 84 Wohneinheiten beherbergen. Zwar zeigte die baulich ordentliche Substanz der vier Mehrgeschossbauten, dass sich die Vermieter gemeinsam mit der Hausverwaltung Harre aus Rastede redlich um die nötigen Instandhaltungsarbeiten kümmerten, jedoch brachte ein 2008 in Auftrag gegebener Energieausweis an den Tag, dass es um den Wärmeschutz der vier Häuser leider nicht zum Besten stand. Die fehlende Dämmung in den Außenwänden ließ im Winter nicht nur die Räume ungemütlich auskühlen, sondern provozierte an den zur Nordseite orientierten Wänden vereinzelt sogar Schimmelbefall.

Zudem machte allmählich der 300 kW-Gaskessel schlapp, der über ein Nahwärmenetz drei der vier Gebäude mit Heizwärme versorgte. Deren Energieverbrauchskennwert lag mit 177 kWh/(m2a) auch etwas höher als bei der solo-beheizten Breslauer Straße 27, die mit 155 kWh/(m2a) aufgrund der 1998 modernisierten Gastherme zwar etwas besser, aber wegen der ebenfalls ungedämmten Hülle keineswegs zeitgemäß abschnitt.

Hier wie da half selbst der Austausch der Fenster in den 1990er-Jahren nur wenig, zumal die obersten Wohnungen gegen ein ungenutztes, unbeheiztes und ungedämmtes Dachgeschoss grenzten. Weitaus besser hatten es die Bewohner im Parterre erwischt, unter deren Füßen die ungedämmten Heizleitungen die Kellerdecke angenehm temperierten, wobei diese ungeplante Fußbodenheizung sogar von der Mietergemeinschaft subventioniert wurde.

Nachträgliche Hohlraumdämmung mit Supafil Cavity Wall

In Anbetracht der energetischen und stellenweise hygienischen Mängel beschlossen die beiden Eigentümergemeinschaften, mit den angesparten Instandhaltungsrücklagen den Wärmeschutz der vier Wohnblöcke zu verbessern und den maroden Kessel sowie das verlustreiche Nahwärmenetz durch drei moderne Gas-Brennwertthermen zu ersetzen.

Während das Stilllegen der Rohrleitungen und die Installation der neuen Heizanlage routinemäßig vonstatten gingen, vertraute man für das nachträgliche Dämmen der Luftschicht in dem zweischaligen Mauerwerk auf den Rat und die Erfahrung von Hartmut Mäcken. Sein Betrieb, das Ammerländer Energiespar Kontor (AEK), kennt sich mit der nachträglichen Dämmung von Altbauten bestens aus und setzt dafür unterschiedliche Materialien, Technologien und Verfahren ein.

Er empfahl mit der Knauf Insulation Supafil Cavity Wall eine Einblasdämmung aus loser, nichtbrennbarer Glaswolle (Baustoffklasse A1) ohne jeglichen Bindemittelzusatz. Aus seiner Sicht war das weiße, flockige Material, das optisch ein wenig an Watte erinnert, optimal geeignet, um den 70 mm schmalen Luftspalt zwischen der Außenwand und der Klinkerschale zu verfüllen. Zumal Supafil Cavity Wall mit der Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) 035 einer der leistungsfähigsten Einblasdämmstoffe ist. Zudem genügen kleine Löcher in den Mauerwerksfugen, um die mineralischen Flocken sauber, schnell und lückenfrei über Schläuche und Düsen in die letzten Winkel und Ecken der Hohlräume zu blasen und dort zu verdichten.

Kleine Löcher, große Wirkung

Vor dem Einblasen prüfte Hartmut Mäcken mit einem Endoskop die Beschaffenheit der Hohlräume (Abb. 2 ) und machte mit dem Nebeltest Fehlstellen im Mauerwerk sichtbar. In diesem Zuge ermittelte er auch die Dicke der Luftschicht, um den Materialbedarf für den Dämmstoff zu errechnen. Der Blick mit dem Endoskop hinter die Klinkerkulissen offenbarte im unteren Wandbereich an manchen Stellen herabgefallenen Schutt und Mörtelbatzen. Um diese außenseitig nicht erkennbaren Wärmebrücken zu beseitigen, wurden an den betroffenen Stellen vereinzelt Klinkersteine herausgenommen und der Hohlraum von den störenden Bruchstücken befreit (Abb. 3 ). Als nächstes ging es an das Bohren der Löcher – üblicherweise reichen ein bis zwei kleine Löcher pro Quadratmeter. Mit einem Durchmesser von lediglich 16 bis 18 mm konnten die Bohrer exakt an den T-Fugen angesetzt werden, ohne die Klinkersteine anzukratzen. Somit würden später nach dem Verschließen der Löcher mit farblich passendem Fugmörtel keine störenden Spuren an der Klinkerfassade zurückbleiben (Abb. 7 ).

Nachträgliche Fassadendämmung ohne Gerüst und Dreck

Um die optimale Dämmwirkung zu entfalten, muss der Schüttdämmstoff auf ein bestimmtes Maß verdichtet werden – für das Erreichen der zugesicherten Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/mK muss der Verarbeiter eine Schüttdichte von 30 bis 40 kg/m3 anpeilen. Für das Dämmen der vier Wohnblöcke, die insgesamt rund 4000 m2 Fassadenfläche aufweisen, wurden insgesamt rund 280 m3 Supafil Cavity Wall verarbeitet. Mit Leitern und einem Steiger arbeitete sich das Team des Energiespar Kontors binnen zehn Arbeitstagen rund um die dreigeschossigen Wohnblöcke (Abb. 4 ) und verbesserte Stück um Stück den U-Wert der Außenwände von vormals 1,49 auf nun 0,40 W/(m2K). Anders als die auf Erdöl basierenden Wärmedämmverbundsysteme aus EPS wird eine Supafil Packungseinheit (Abb. 5 ) aus rund 35 recycelten Glasflaschen gewonnen, die selbst wiederum zu etwa 60 % aus Altglas bestehen. Zudem sind Supafil Schüttdämmstoffe besonders emissionsarm, weshalb sie mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind. Aufgrund ihrer mineralischen Beschaffenheit sind die wasserabweisenden Flocken resistent gegen Schimmelbefall. Sie verrotten auch nicht, sind setzungssicher und rieseln nicht nach – auch nicht durch Mauerwerksöffnungen (Abb. 6 ), Rollladenkästen oder nachträgliche Bohrungen für Steckdosen oder Schalter. Allerdings dürfen die Knauf Insulation Supafil Schüttdämmstoffe nur von qualifizierten, vom Hersteller autorisierten und geschulten Fachbetrieben verarbeitet werden – eben solche wie das Ammerländer Energiespar Kontor.

http://www.knaufinsulation.de

http://supafil.knaufinsulation.de

  • 1  Durch das Einblasen und Verdichten von Glaswolleflocken in die Luftschicht der zweischaligen Klinkerfassade konnten die vier baugleichen Mehrgeschosswohnblöcke aus den 1960er-Jahren nachträglich gedämmt werden.

  • 2  Mit einem Endoskop wurden Dicke und Beschaffenheit der Luftschicht geprüft.

  • 3  Der „endoskopene Röntgenblick“ hinter die Klinkerschale offenbarte am Mauerfuß Dreck und Schutt, der als Wärmebrücke wirkt. Um diesen zu entfernen, wurden einige Klinker herausgebrochen und danach wieder eingesetzt.

  • 4  Nach dem Bohren der Löcher erfolgte das Einblasen des Mineralwolledämmstoffs Supafil Cavity Wall von Knauf Insulation.

  • 5  Für die lückenlose Verarbeitung und das Erreichen der zugesicherten Wärmeleitfähigkeit muss beim Einbringen eine Schüttdichte von 30 bis 40 kg/m 3 erzielt werden.

  • 6  An den geöffneten Stellen der Klinkerfassade zeigt sich, dass sich die Einblasdämmung lückenlos verdichten lässt. Sie rieselt nicht nach und zeigt sich außerordentlich standfest.

  • 7  Nach dem Verschließen der Bohrlöcher mit Fugmörtel zeigt sich die Fassade wie zuvor – binnen zehn Tagen war die Arbeit an den vier Wohnblöcken abgeschlossen.

Literatur

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