GEB Newsletter: 20-2016 | 18.10.2016

Zahlen

Konventionelle-Energien-Umlage wäre höher als EEG-Umlage

Jährlich wiederholt sich das gleiche Spiel: Zum 15. Oktober geben die Übertragungsnetzbetreiber auf Basis von gutachterlichen Prognosen die EEG-Umlage für das folgende Kalenderjahr bekannt. Der Termin ist so gewählt, dass die Stromlieferanten ihre Tarife fristgerecht zum Jahreswechsel anpassen können. Für 2017 steigt die Umlage zur Deckung der Kosten der nach dem EEG vergüteten Stromeinspeisung um 8,6 % von 6,354 auf 6,88 Ct/kWh.

Ebenfalls suchen Jahr für Jahr im Oktober die Gegner der EEG-Förderung das Rampenlicht, um sich angesichts der durchaus beeindruckenden Vergütungsansprüche für die Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen zu profilieren bzw. die EEG-Förderung zu diskreditieren. 2017 dürften die Vergütungsansprüche etwa 29,5 Mrd. Euro ausmachen, die Vermarktungserlöse für den erzeugten EEG-Strom betragen aber nur etwa 4,7 Mrd. Euro. Selten berücksichtigen die EEG-Gegner bei der verbleibenden Differenz, dass durch den EEG-Strom auch die Großhandelsstrompreise gedrückt werden. Beispielsweise wird die früher relativ teure Lastspitze zur Mittagszeit heute regelmäßig durch PV-Strom gedeckt. Laut Bundesnetzagentur hat dieser Mechanismus in den letzten Jahren den durchschnittlichen Strompreis für Haushaltskunden stabilisiert. 2013 betrug er 29,24 Ct/kWh und lag 2016 nur 2 % höher bei 29,80 Ct/kWh (die EEG-Umlage stieg in diesem Zeitraum um 1,077 Ct/kWh).

Natürlich rüsten sich im Oktober auch die Befürworter erneuerbarer Energien mit Argumenten. So hat das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy termingerecht berechnet, dass die Stromkunden 2017 auf jede verbrauchte Kilowattstunde eine hypothetische „Konventionelle-Energien-Umlage“ von 9,4 bis zu 10,8 Ct/kWh zahlen müssten, wenn die versteckten Kosten für Kohle, Kernenergie und Gas in den Strompreis eingerechnet würden.

Laut der Kurzanalyse des FÖS summieren sich staatliche Fördergelder und gesellschaftliche Folgekosten für konventionelle Energieträger im kommenden Jahr voraussichtlich auf bis zu 38 Mrd. Euro. Diese Summe liegt damit etwa anderthalb mal so hoch wie die Förderung für erneuerbare Energien, die auf der Stromrechnung als EEG-Umlage direkt ausgewiesen wird.

Hintergrund ist, dass neben Subventionen die Energiekonzerne für einen Großteil der externen Kosten der konventionellen Stromerzeugung und ihrer Folgen nicht aufkommen müssen. Dazu gehören finanzielle Belastungen durch den Klimawandel und durch Umwelt- und Gesundheitsschäden. Diese Kosten werden über Energiesteuern oder durch Verpflichtungen im Rahmen des Emissionshandels nur teilweise gedeckt, der größte Teil der Folgekosten wird auf die Allgemeinheit abgewälzt.

„Würden die Subventions- und Umweltkosten der konventionellen Energien nach EEG-Methode in die Stromrechnungen eingepreist, müssten private Haushalte rechnerisch statt durchschnittlich etwa 29 dann rund 39 Ct/kWh Strom bezahlen“, sagt Studienleiterin Swantje Fiedler vom FÖS. Laut FÖS könnten sich die versteckten Kosten für konventionelle Energien in der Zukunft sogar noch erhöhen – zum Beispiel, wenn die Atommüllendlagerung oder die Renaturierung von Braunkohletagebauen in Zukunft stärker als geplant vom Staat mitfinanziert werden. GLR

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