GEB Newsletter: 03-2015 | 03.02.2015

VERBÄNDE

ZDB: 10 % Steuerbonus: ein Witz

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) hat den ersten Entwurf für ein Gesetz zur steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung kritisiert. Rainer König, Vorsitzender des Bundesverbandes Ausbau und Fassade im ZDB und ZDB-Vorstandsmitglied: „Der Entwurf wird keine Sanierungsimpulse setzen können. Dazu sind die vorgeschlagenen Maßnahmen zu halbherzig. Entweder man macht es richtig, oder man macht es gar nicht.“

„Das ist ein Witz“

König: „Bei einer 10.000-Euro-Investition, beispielsweise in die Fassadendämmung, soll der Investor 1000 Euro als Steuerabzug ersetzt bekommen, dieses allerdings nicht auf einmal, sondern über zehn Jahre gestreckt, also 100 Euro Steuerersparnis pro Jahr. Das ist ein Witz – und kein ernst zu nehmender Vorschlag. Denn wenn der private Hausbesitzer die Zuschussvariante der KfW wählt, bekommt er dieselben 1000 Euro, allerdings auf einmal und direkt ausgezahlt. Wer soll sich vor diesem Hintergrund für eine steuerliche Förderung entscheiden? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier etwas gemacht wird, dessen Scheitern vorprogrammiert ist.“

König forderte anlässlich der Jahresauftaktveranstaltung des Bundesverbands Ausbau und Fassade am 30. Januar 2015 in Stuttgart eine Erhöhung der steuerlichen Abschreibung auf mindestens 25 %, um einen tatsächlichen Anreiz zur energetischen Sanierung von Gebäuden zu schaffen. Außerdem verlangt er, die Finanzierung nicht mit einem Abbau des Handwerkerbonus zu verknüpfen.

Anmerkung der GEB-Redaktion:
„Luft nach oben“ für die Höhe der steuerlichen Abschreibung besteht durchaus. Die Bundesregierung hatte angekündigt, dass sich der Steuerbonus an den entsprechenden KfW-Programmen orientieren soll. Hier sind gerade die Zuschüsse für den Effizienzhaus-Standard angehoben worden (KfW erhöht Tilgungszuschuss).

Prinzipiell müsste die steuerliche Förderung auch den Nachteil der späteren Verfügbarkeit berücksichtigen. Wenngleich er gefühlt groß sein mag, rechnerisch ist er bei den aktuellen Zinsen klein: 9000 Euro (10.000 Euro an Investitionen abzüglich 1000 Euro Sofortzuschuss) bei 1 % effektivem Kredit-Zinssatz werden in 120 Monatsraten von 78,82 Euro getilgt. Unter sonst gleichen Voraussetzungen erfordert die Tilgung von 10.000 Euro eine Monatsrate von 87,55 Euro, wovon monatlich der Steuerbonus von 100 Euro/12 (vereinfachte Rechnung) abgezogen werden kann, sodass die monatliche Belastung 79,22 Euro (0,40 Euro mehr) beträgt. Ausgeglichen wären beide Modelle, wenn jedes Jahr 10,52 % der Investition über zehn Jahre abgeschrieben werden könnten. Die Attraktivität würde dadurch wohl kaum steigen. GLR
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