GEB Newsletter: 24-2010 | 19.10.2010

LESERBRIEFE

„EnEV easy verwässert die Qualität“

Im letzten GEB-Newsletter berichteten wir über Baden-Württembergs Vorschlag einer „EnEV easy“ (zum Artikel) – und bekamen dazu sehr unterschiedliche Kommentare von unseren Lesern. Wir bedanken uns für die zahlreichen Kommentare, aus denen wir für das nachstehende Meinungsbild zitieren. GLR

Pro
  • „Eine Vereinfachung der Nachweise ist dringend erforderlich! Ob die angeregte Methode das Optimum ist, ist nicht so wichtig, allein die Richtung stimmt. Bei der derzeitigen Verfahrensweise sind zu viele Randbedingungen und Details schon im Genehmigungsverfahren erforderlich, die sinnvoll erst in der Ausführungsplanung bestimmt werden können.“
  • „Das komplizierte und teure Nachweisverfahren führt bisher zu mangelnder Transparenz und dementsprechend geringer Akzeptanz bei Bauherrn und Handwerkern. Eine Vereinfachung tut Not! DIN V 18599 kann nicht die Antwort auf das handwerkliche Bauen sein. In dieser Norm wird eine Genauigkeit postuliert, die mit der baulichen Realität nichts zu tun hat. Auch aus diesem Grund ist es ein Gebot der Effizienz, seine Energie nicht auf unnötig komplizierte Rechenverfahren zu verschwenden.“
  • „Das wäre endlich eine vernünftige, praktikable Lösung!“
  • „Allerhöchste Zeit. Schon bisher war doch jedem klar, dass beispielsweise zwischen einem Energiesparcheck und einer ausführlichen Berechnung keine übergroßen Differenzen bestehen. Nur über eine einfache und kostengünstige Berechnung sind notwendige Ziele zu erreichen.“
  • „Diesen vernünftigen und längs fälligen Vorschlag kann man nur begrüßen. Nicht nur bei Berufspolitikern, sondern auch bei technisch orientierten Möchtegern-Energetikern ist inzwischen Selbstdarstellung und Wichtigtuerei zum absoluten Selbstzweck ausgeartet.“
  • „Wenn im Rahmen der EnEV-Novellierung das vorgestellte Nachweisverfahren zugelassen werden sollte, ist dies sicherlich als Vorab-Überprüfung für eine schnelle Überschlagskalkulation hilfreich. Es darf aber nicht dazu führen, dass jeder Maler oder Fliesenleger oder „Energieberater im Handwerk“ sich als bauvorlageberechtig „aufspielt“ und über die bloße Anwendung eines vereinfachten Verfahrens ohne Kenntnis der hinterlegten Berechnungsanforderungen sich als Effizienzhaus-Planer ausgibt. Eine Vereinfachung ist zu begrüßen, die fachliche Prüfung und Zulassung sollte aber in der EnEV nicht weiter aufgeweicht werden.“

Contra
  • „Nach meiner Erfahrung scheitert die Akzeptanz der EnEV nicht am Nachweisverfahren, sondern an überzogenen (Detail-)Anforderungen. Man sollte stattdessen mehr Gewicht auf die Verbreitung erneuerbarer Energien legen. Aber: Bisherige Vereinfachungen machen das Verfahren undurchsichtig. Es ist also ein völlig falscher Ansatz, die Bauherren einen Nachweis führen zu lassen. Dies ist die Arbeit von Ingenieuren und anderem ausgebildeten Fachpersonal. Diese benötigen keine Tabelle aus der man nach ausgewählten Systemen Pauschalwerte abliest. Solche Tabellen torpedieren die ingenieurmäßige Herangehensweise an ein ganzheitliches Konzept und ein möglichst genaues Gebäudemodell, wie es über entsprechende Software und fundierte Erfahrungen möglich ist. Easy verwässert die Qualität.“
  • „EnEV easy ist grober Unfug: Die Kosten für eine EnEV Berechnung inklusive Energieberatung belaufen sich auf 400 bis 800 Euro und dies bei einer Investition von minimal 250.000 Euro. Die Mehrkosten um die pauschalen Dämmwerte (z.B. Wand bei Gas-Brennwert U-Wert = 0,10 W/(m²K) RMH) zu erfüllen, liegen um ein mehrfaches höher als die Kosten für eine Energieberatung mit Energieausweis. Der Vorstoß ist wenig durchdacht.“
  • „Wenn wir Schäden an Gebäuden produzieren wollen, wäre das ein schneller Weg. Schon jetzt werden Wärmebrücken kaum beachtet. Es würde noch weniger im Detail gerechnet, unsinnige Kombinationen der Anlagentechnik sind vorprogrammiert, das Haus als Funktionseinheit würde noch weniger beachtet.“
  • „Wenn ich daran denke, wie viele Architekten und Ingenieure und andere sich monatelang mit Zusatzausbildungen und ‚Versuchssoftware’ rumgeplagt haben, dabei eine Menge Geld und noch viel mehr Zeit investiert haben – und jetzt kommt der Minister mit einer Tabelle – es wird immer unangenehmer hier.“
  • „So würgt man jeglichen kreativen Umgang mit dem Thema und damit jegliche Innovation ab.“
  • „Noch einer der es besser wissen will. Vom wem wird der Herr Minister gesponsert? Eine seriöse und ausführliche Energieberatung abgestimmt auf die Immobilie und auf die Bedürfnisse des Eigentümers ist die beste Beratung. Wir müssen nur lange genug diskutieren und allen Lobbyisten gerecht werden, dann können wir sicher sein, dass auch das sehr wichtige Thema Energieeinsparung verwässert wird. Schade, dass wir in Deutschland nichts mehr richtig machen wollen und können. Wenn die Energie unbezahlbar wird, ist es zu spät und wir fangen wieder an zu jammern, das können wir am besten.“

„Die Zeche zahlt der engagierte Energieberater“
„Im Prinzip ist eine Vereinfachung sinnvoll, denn der Aufwand für alle Beteiligten ist groß und die Materie mehr als komplex. Mich stört allerdings die Beliebigkeit, mit der der Gesetzgeber an der Anforderungsschraube dreht. Die bisherigen Anstrengungen des Ingenieurs oder Energieberaters zur Beherrschung der Materie würden mit diesem Schritt zurück ohne Rücksicht auf dessen Investitionen an Geld und Zeit im Schnellverfahren entwertet. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln: die Zeche zahlt der engagierte Energieberater.“
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