GEB Newsletter: 11-2009 | 06.05.2009

ENERGIEBERATER

Schnelle Thermobilder: Oft falsche Aussagen

Ein unschlagbares Angebot, dem viele kosten- und energieorientierte Hauseigentümer nicht widerstehen können: Städte, Kommunen, Energieversorgungsunternehmen, Baumärkte und Banken bieten für billiges Geld bis zu vier Thermoaufnahmen von der Außenfassade des eigenen Hauses. Die farbigen Thermografien zeigen plakativ die Wärmebrücken im Gebäude und verdeutlichen den Sanierungsbedarf - so wird suggeriert.

Außenthermografie ist nur eine orientierende Messung
Bauherren-Schutzbund (BSB) und Bundesverband für Angewandte Thermografie (VATh) warnen jedoch, sich auf diese Aussagen zu verlassen: Solche schnell erstellten Außenaufnahmen können zwar erste Informationen über den energetischen Zustand eines Gebäudes bieten. Jedoch ist das gesamte Haus damit weder auf Wärmebrücken untersucht noch sind seine thermischen Schwachstellen aufgedeckt.

„Die praktizierte Außenthermografie ist nur eine orientierende Messung, die zur Beurteilung des Wärmeschutzes an Gebäuden allein nicht ausreicht“, konstatiert Dipl.-Ing. Sönke Krüll vom Bundesverband für Angewandte Thermografie. „Die meisten Dachflächen, vorgehängte hinterlüftete Fassaden, Schimmelschäden in Außenecken können so nicht untersucht werden. Nur durch Kombination von Innen- und Außenthermografie, verbunden mit der Kontrolle messtechnisch relevanter Rahmenbedingungen, sind nahezu alle Baumängel quantitativ zu erfassen.“ Seriöse Anbieter würden in Beratungen darauf aufmerksam machen.

Die meisten Thermografieaktionen sind bedenklich
Dennoch, so Krüll, müssten die meisten Thermografieaktionen als bedenklich eingestuft werden. Sie geschähen schnell und leider oft ohne auf die Witterung Rücksicht zu nehmen. Nur so sei ein Preis von unter 100 Euro für ein Einfamilienhaus zu realisieren. „Eine gründliche thermografische Untersuchung jedoch kann nur bei Temperaturunterschieden von 15 Grad zwischen Außen- und Innentemperatur, erst 12 Stunden nach Sonneneinstrahlung und ohne Windeinfluss erfolgen“, erläutert Krüll. „Die Auswertung umfasst mehrere Stunden.“ Verbraucher würden in den überwiegenden Fällen nicht umfassend oder sogar falsch informiert.

Falsche Interpretationen verunsichern
„Schnellthermografie kann allenfalls als Einstieg ins Problem und zur Sensibilisierung dienen“, bestätigt Dipl. Ing. Jürgen Friedrichs, BSB-Bauherrenberater und Energiespezialist. „Der Aufwand für aussagefähige Thermografiebilder zur Vorbereitung von Sanierungsentscheidungen ist weitaus höher, als nur für jede Hausseite einmal auf den Auslöser zu drücken.“ Dazu gehört sowohl eine hochspezialisierte technische Ausrüstung als auch das fachliche Know-how.

„Viele falsche Interpretationen sind anhand dokumentierter Farbunterschiede möglich. So kann unter dem Dachüberstand angesammelte aufsteigende Wärme fälschlicherweise als Wärmebrücke definiert werden. Andererseits können auch vorhandene technische Mängel weginterpretiert werden“, erläutert Friedrichs. Solche ungenauen Aussagen verunsicherten Hausbesitzer und Bauherren und führten zu Fehlentscheidungen.

Thermografieaktionen oft Geldverschwendung
Bauherren-Schutzbund und Bundesverband für Angewandte Thermografie raten Hauseigentümern davon ab, für Thermografieaktionen Geld auszugeben. Für eine gute und aussagefähige Thermografie seien Standards einzuhalten, gepaart mit dem Sachverstand zertifizierter Experten. Verlässliche Aussagen seien in den meisten Fällen auch nur durch die Kombination verschiedener Messverfahren möglich. Der Bundesverband für Angewandte Thermografie hat eine Richtlinie zur Gebäudeuntersuchung veröffentlicht (zu den VATh-Richtlinien), die über die Kriterien für eine seriöse Analyse informiert. GLR

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