GEB Newsletter: 10-2008 | 28.05.2008

ENERGIE

Ölpreis: Blase oder Mangel

Noch vor wenigen Jahren galt ein Ölpreis über 100 US-$/Barrel als undenkbar. Dieser Preis ist längst Geschichte. Mittlerweile sind 135 US-$/Barrel Realität. Und jede noch so kleine Negativmeldung treibt den Preis etwas höher, Postivmeldungen - sofern es sie zurzeit überhaupt gibt – werden fast ignoriert. Doch wie geht es weiter? Steht hinter dem Preis eine Spekulationsblase? Dass ein gewisser Anteil des aktuellen Preises spekulativ ist, ist weitgehend unbestritten. Doch über die Höhe gibt es völlig unterschiedliche Ansichten.

Ausgebliebene Investitionen
Auffällig ist, dass selbst die, die vor einer Spekulationsblase warnen, sich in ihren Formulierungen große Hintertüren offenlassen. Genauso machen es die, die den Preis hauptsächlich als Folge eines sich verknappenden Angebots sehen. Letztere werden auf jeden Fall langfristig Recht behalten. Was kurzfristig passiert, ist kaum vorhersehbar. Allerdings scheint sich der über lange Jahre sehr niedrige Rohölpreis jetzt zu rächen: Investition sind im großen Stil ausgeblieben, sodass die verfügbaren Förderkapazitäten tatsächlich zum preistreibenden Engpass werden könnten, auch wenn noch genügend Rohöl vorhanden ist.

„Fallende Fördermengen sind Hauptursache für Ölpreis“
Die Experten der Energy Watch Group sehen jedenfalls aufgrund der aktuellen Entwicklungen der globalen Ölmärkte die Kernaussagen ihrer Erdöl-Studie bestätigt. Das Überschreiten des weltweiten Ölfördermaximums (Peak Oil) sei die Hauptursache des aktuellen Ölpreisanstiegs.

„Hoffnung auf Spekulationsblase ist vergeblich“
„Peak Oil ist jetzt. Die weltweite Ölförderung hat mit großer Wahrscheinlichkeit das Fördermaximum bereits überschritten und wird weiter zurückgehen. Dies ist die Hauptursache des steigenden Ölpreises. Die Hoffnung auf das Platzen einer angeblichen Spekulationsblase ist vergeblich“, erklärt Dr. Werner Zittel, Mitautor der von der Ludwig Bölkow Systemtechnik GmbH verfassten Erdöl-Studie. Bis zum Jahr 2030 könnte die weltweite Ölförderung auf die Hälfte zurückgehen. Wegen des zunehmenden Eigenverbrauchs in den wenigen verbleibenden Erdöl exportierenden Staaten, bedeutet dies, dass die auf dem Weltmarkt verfügbaren Ölmengen noch schneller abnehmen werden als die Förderung, so Zittel.

„Subventionen in Brandbeschleuniger“
„Institutionelle Frühwarnsysteme haben versagt, mit drastischen Konsequenzen für die Industrie und Verbraucher. Die Internationale Energie Agentur und Mineralölkonzerne haben über Jahrzehnte die irreführende Botschaft ausgesendet, dass es auf sehr lange Sicht genügend Öl gäbe, die Preise niedrig blieben und angeblich keine Erdöl-Vermeidungsstrategien nötig seien. Dies hat sich als fataler Irrtum erwiesen. Wichtige Zeit ging verloren, die die Volkswirtschaften zur Vorbereitung auf die Erdölverknappung benötigt hätten“, sagte Hans-Josef Fell MdB, Sprecher für Energie- und Technologiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Fell: „Wer in der Politik nun die Senkung von Energiesteuern oder Subventionen wie die Erhöhung der Pendlerpauschale vorschlägt, ruft zu Subventionen in Brandbeschleuniger auf, da hier offensichtlich der Brand mit Benzin gelöscht werden soll. Weitaus ökonomischer und auch nachhaltiger wäre es, jetzt den Umstieg auf Erneuerbare Energien zu forcieren.“

Die Zeit des billig verfügbaren Erdöls ist vorbei
Verteuert sich Erdöl weiter, geraten die privaten Haushalte und die Staatshaushalte der Importländer unter Druck. Nach den Analysen der Energy Watch Group bieten auch Erdgas, Kohle und Uran keinen sicheren Ausweg, da es sich um endliche Ressourcen handelt, deren Preise in der Vergangenheit schon bei den ersten Verknappungshinweisen stark stiegen. Mit ihrer Analyse entzieht die Energy Watch Group euphorischen Verfügbarkeitsspekulationen den Boden: Das „Prinzip Hoffnung“ konservativer Energie-Player und Teilen des politischen Establishments werde sich nicht erfüllen. Die Zeit des billig verfügbaren Erdöls sei vorbei. GLR

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