GEB Newsletter: 11-2007 | 25.04.2007

ENEV

Energieberater fordern Taten nicht Worte

„Endlich wieder Bewegung!“ Schon die bloße Ankündigung im GEB-Infoletter 10 das sich heute im Bundeskabinett eine Einigung zur EnEV abzeichnen könnte, veranlasste über 20 Kollegen zu einem Kommentar. Wir haben Ihre Meinungen zu einem Stimmungsbild zusammengefasst.

Unklare Lage belastet Tagesgeschäft
Was immer auch unter einer „verbindlichen Beratung zum Energieausweis“ zu verstehen sei, die Gebäudeenergieberater sind erleichtert, dass nach der über viermonatigen Sendepause der Bundesregierung sich wieder etwas zur Energieeinsparverordnung regt. Mittlerweile belastet das Hickhack und das Informationsvakuum rund um die Verordnung das Tagesgeschäft der Kollegen. Bei fast jeder Beratung müsse man Kunden aufwendig aufklären, welche Optionen und Überraschungen die EnEV und der Energieausweis bringen können. Das sei zwar durchaus ein brauchbares Einstiegsthema, lieber würde man aber klare, verbindliche Regelungen bevorzugen und auf dieser Basis Empfehlungen ableiten.

Energieberater bleiben skeptisch
Allerdings überwiegt die Skepsis, wie viele der im Vorfeld und nach der Veröffentlichung des Referentenentwurfs am 16. November 2006 aufgezeigten „eklatanten und systematischen“ Mängel im neuen Entwurf tatsächlich abgestellt sind. Mehrheitlich befürchtet man aufgrund durch Indiskretionen bekannt gewordener Details – beispielsweise bei der Zulassung von Ausweisausstellern – eine Verschlimmbesserung. Schon die nicht an eine spezielle Fortbildung gekoppelte Zulassung über bestimmter Berufsgruppen, ist aus der Sicht vieler Energieberater für die Kunden unzumutbar: „Hier lernen dann die neuen Kollegen auf Kosten der Kunden“, so einige Stimmen.

Minister sollten auch in der Verordnung Farbe bekennen
An erster Stelle der voreilenden Kritik stand allerdings erwartungsgemäß die „großflächige“ Zulassung von Verbrauchsausweisen. Insbesondere sei befremdlich, dass die zuständigen Minister bisher nicht die Courage aufgebracht hätten, den selbst favorisierten Bedarfsausweis als Regelfall festzulegen, zumal er Grundvoraussetzung für die Bewilligung öffentlicher Fördergelder zu energetischen Sanierung werden soll. Deswegen sei man sehr gespannt, ob der überarbeitete Entwurf jetzt endlich einer „Energieeinsparverordnung“ oder immer noch ein Kniefall vor den Lobbys sei.

Höheres Anforderungsniveau wird unterstützt
Eine „Verschärfung“ des Anforderungsniveaus wird nahezu einhellig begrüßt. Allerdings wurde auch vielfach darauf hingewiesen, das die angekündigten 30% im Neubau lediglich einem Gleichziehen heutiger Baupraxis entspräche. Außerdem wird gefordert, dass nicht nur für 2008 eine Überarbeitung der EnEV-Anforderungen in den Raum gestellt werde, sondern verbindliche Aussagen getroffen werden, ab wann diese einzuhalten sind. Sonst komme man bei der Beratung vom Regen in die Traufe. Viele Kollegen wiesen auch berechtigt darauf hin, dass der Neubau weitgehend uninteressant sei und man sich viele stärker auf die Bestandsgebäude konzentrieren solle. Außerdem nütze eine Verschärfung wenig, wenn weiterhin die Umsetzung keiner Kontrolle unterliege.

Vertrauen ist ruiniert
Wohlwollend wurde die Äußerung von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee „[Der Energieausweis] … wird die Entscheidungen von Mietern und Käufern beeinflussen, und das ist von der Bundesregierung so gewollt.“ begrüßt. Aber eines wurde ganz deutlich, solchen Äußerungen von Tiefensee traut man nicht mehr sehr weit: „Wir wollen nicht süße Worte hören, sondern Taten sehen. Die Vergangenheit hat uns sehr sensibel gemacht.“ Als erster Prüfstein und „Möglichkeit zur Rückgewinnung verlorenen Vertrauens“ wird der neue Referentenentwurf gesehen.

Kritik im Einzelnen
Kritisch wird auch die bisherige starke Fokussierung auf Primärenergie gesehen. Für den Endkunden sei die zu bezahlende Endenergie wichtig und neue Brennstoffe wie Holzpellets hätten bereits zu Fehlentwicklungen geführt. Und wie sollen sich Energieberater und Architekten und Baufirmen mit der Ankündigung minus 30% jetzt verhalten? Wer sich heute noch einen Bau nach der „alten“ EnEV genehmigen lässt und ihn tatsächlich so baut, erleidet beim Einzug einen sofortigen herben Wertverlust. Das war zwar auch letztes Jahr schon so, aber noch nicht „verordnungsrechtlich bescheinigt“, so eine Meinung.

Jedes Jahr eine EnEV-Novelle?
Hält sich die Bundesregierung an ihre bisherigen Ankündigungen, wird es in den nächsten Jahren rund um die EnEV nicht langweilig: 2007/08 kommt die lange ausgesessenen und jetzt diskutierte EnEV-Novelle zur Einführung von Energieausweisen im Bestand und zur Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie. 2008/09 soll das Anforderungsniveau angepasst werden. Für 2009/10 kündigen sich bereits Anpassungen durch eine überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie an. Auch die Öko-Design-Richtlinie könnte in Bereich Anlagentechnik Änderungen bringen. 2010/11 könnten dann nach der Evaluierung der Energieausweiseinführung wichtige „Reparaturen“ erfolgen. 2012 wäre das Passivhaus-Niveau im Neubau die logische Fortführung, nur das späte Datum stört noch. GLR

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