GEB Newsletter: 16-2006 | 10.08.2006

AKTUELLES

Modellversuch: Informative Stromrechnung

Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) führt gemeinsam mit den Stadtwerken Heidelberg einen Modellversuch zu „informativen Stromrechnungen“ durch. Ein Teil der Haushaltsstromkunden erhält dazu eine ergänzte Stromrechnung mit Vergleichswerten und Handlungsvorschlägen zum effizienten Umgang mit Strom.

Erfahrungen zeigen, dass die Stromabrechnungen für viele Haushalte wenig verständlich sind [1]. Die rein zahlenmäßige Darstellung von verbrauchten Kilowattstunden scheint für die privaten Stromnutzer nicht ausreichend zu sein. Untersuchungen belegen, dass die meisten Verbraucher in Deutschland ihren Stromverbrauch nicht kennen [2] und keine Vorstellung davon haben, wie lange bestimmte Haushaltsgeräte mit einer Kilowattstunde betrieben werden können. Wichtig ist den Kunden vor allem der zu zahlende Betrag ganz unten auf der Rechnung. Und solange keine Nachzahlungen anstehen und der monatliche Abschlag nicht steigt, wird die Rechnung meist abgeheftet, ohne weiter darüber nachzudenken.

Das soll sich bald ändern: Die im Mai 2006 verabschiedete EU-Richtlinie zu Energieeffizienz und Energiedienstleistungen [3] fordert verständliche Abrechnungssysteme, die den Endverbrauchern eine Steuerung des eigenen Stromverbrauchs ermöglichen.

Verbrauchswerte und Handlungsvorschläge
Einen ersten Schritt in diese Richtung haben die Stadtwerke Heidelberg mit Unterstützung des ifeu getan. In einem Modellversuch haben im Juli etwa 6000 Haushalte eine ergänzte „informative Stromrechnung“ erhalten. Ziel ist es, ein für die Versorger möglichst einfach in die Rechnungserstellung zu integrierendes und kostengünstiges Instrument zu entwickeln, welches den Stromkunden trotzdem nicht nur allgemeine Informationen zum Stromsparen bietet, sondern auch individuelle Rückmeldungen zum eigenen Stromverbrauch gibt.



Hinweis zum Lesen der Stromrechnung.
Hinweis zum Lesen der Stromrechnung.


Die zweiseitige Beilage zur Stromrechnung enthält eine Tabelle mit Vergleichswerten von Stromverbräuchen gleicher Haushaltsgröße. Es werden Vergleichwerte mit und ohne elektrische Warmwasserbereitung angegeben. Zusätzlich erhalten die Kunden mit einer Abbildung Hilfestellungen, wo sie den eigenen Verbrauchswert in ihrer Rechnung finden. Es wird von der These ausgegangen, dass vor allem Stromkunden, deren Verbrauch „hoch“ oder „sehr hoch“ ist, motiviert werden, sich um Effizienzpotenziale Gedanken zu machen. Um den Einstieg in das Thema zu vereinfachen, werden im zweiten Teil der Beilage Handlungsoptionen in Form von einfachen und an die Jahreszeit angepasste Stromspartipps gegeben. Sie enthalten auch Angaben, welche Kosten bei der Umsetzung vermieden werden können.



Der dritte Teil der Beilage verweist auf Beratungsangebote der Stadtwerke Heidelberg und der regionalen Energieagentur KliBA. Das Modellprojekt wird vom ifeu wissenschaftlich begleitet. Im Herbst 2006 soll eine Befragung klären, ob die „informativen Stromrechnungen“ für die Kunden hilfreich und verständlich waren. Erste Ergebnisse werden Ende 2006 erwartet. GLR

Download des Zwischenberichtes zum Gesamt-Forschungsprojekt.

Quellen
[1] ZfK – Zeitschrift für Kommunale Wirtschaft: Kundenzufriedenheit – Stromversorger auf dem vorletzten Platz, Nr. 11/2005, S. 9.
[2] Öko-Institut, Fraunhofer-Institut ISI: Klimaschutz durch Minderung von Treibhausgasemissionen im Bereich Haushalte und Kleinverbrauch durch klimagerechtes Verhalten. Freiburg, Darmstadt, Berlin 1999/2000/2001, Band 1: Private Haushalte
[3] EU-RICHTLINIE 2006/32/EG vom 5. April 2006 über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen
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