GEB Newsletter: 13-2006 | 22.06.2006

LESERBRIEF

dena-e.on-Kooperation macht Bock zum Gärtner

Zu dem Beitrag dena: Kooperation mit E.on für Bedarfspass in GEB-Infoletter 13 schrieb uns Energieberater Jochen Süss:

Mit Erschrecken habe ich im GEB-Infoletter 11 über die dena-e.on-Kooperation lesen müssen. Hier wird mal wieder der Bock zum Gärtner gemacht. Gerade letzte Woche hatte ich einen – leider ungeförderten – Energiebericht fertig gemacht: Ein Kunde wollte einem, über die hiesigen Stadtwerke (im e.on-Verbund) vermarkteten, Energieberater, der die Bafa-Förderung bereits beansprucht hatte, keinen Glauben schenken. Der e.on-abhängige Energieberater hat meinem Kunden weismachen wollen, dass WDVS, Keller- und Dachdämmung bzw. wärmedämmende Fenster (...wirtschaftlich...) nichts bringen, seine alte Gasheizung bestens ist und so auch weiter bestehen bleiben sollte.

Seine Berechnungen waren für den Kunden nicht nachvollziehbar und auch für mich nicht verwendbar. So haben lediglich ein paar geometrische Maße gepasst, dafür waren sämtliche U-Werte falsch und es wurde zudem der zweite Heizwärmeerzeuger schlichtweg ignoriert (Kachelofen mit 12 rm Stückholzverbrauch, EFH). Mit entsprechenden günstigen Gaspreisen und Gaspreissteigerungen bzw. überteuerten Energiesparmaßnahmen versuchte der e.on-Berater seinem Brötchengeber den Gasverbrauch des Kunden nicht zu gefährden.

Dies ist übrigens in meiner Praxis schon der zweite Fall wo über die Energieversorger meist mit kommunaler Unterstützung durch abhängige Energieberater alles daran gesetzt wird, Energiesparen zu verhindern. Ist doch auch verständlich, dass e.on und Konsorten nicht an dem Ast sägen auf dem sie sitzen.

Aber es ist für mich eine Farce, wenn sich dena-Chef Stephan Kohler groß mit dem Vorstand von e.on in Szene setzt. Hierbei meinen Glückwunsch an e.on für die hervorragende Lobbyarbeit. Will die Bundesregierung eigentlich ernsthaft, dass wir unsere Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen verringern oder gibt es hier die Grenzen, dass vielleicht doch der ein oder andere abgewählte (oder über Skandale gestürzte) Politiker nicht mehr bei einem unserer vier Energieriesen unterkommen könnte. Schade, dass in Deutschland so wenig auf Korruption im großen Stil geachtet wird.

Es würde mich sehr freuen, wenn GEB irgendetwas ins Leben rufen könnte, was die ehrlichen bzw. unabhängigen Energieberater mit dem wichtigsten Ziel – neutrale Informationen zur Energieeinsparung anzubieten – zusammenschweißen würde, um vielleicht eine Gegenlobby initiieren zu können. Toll wäre z.B. wieder eine Abstimmung zu machen, welche die Korruptionsproblematik der Kooperation dena-e.on aufzeigt und vielleicht die dena dann etwas einbremst.

Jochen Süss, Baldham

Ihre Meinung ist gefragt
Ist eine Gegenlobby erforderlich? Was halten Sie von der Kooperation? Ist die dena schlecht beraten, bei der Markteinführung des bedarfsbasierten Energieausweises mit E.on zu kooperieren? Und: Haben Sie ähnliche Erfahrungen wie Energieberater Süss gemacht? Sind Sie selbst schon einmal bei Kunden tätig geworden, wo andere Berater, die von Stadtwerken oder Energieversorgern vermittelt wurden, den Kunden nicht neutral beraten und dafür auch noch den BAFA-Zuschuss eingestrichen haben? Oder wurden Ihnen sogar als Energieberater angeboten, für Stadtwerke oder Energieversorger „Energieverbräuche oder zumindest den Energieträger zu sichern“? Dann schreiben Sie uns bitte: E-Mail an die GEB-Infoletter-Redaktion

Übrigens: Wir haben der Deutschen Energie-Agentur (dena) den Leserbrief am 15. Juni mit der Bitte um eine Stellungnahme zugeleitet. Leider war man bisher weder bei der dena noch bei der E.on AG zu einer Stellungnahme bereit. GLR
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