GEB Newsletter: 11-2006 | 08.06.2006

LESERBRIEFE

KWK-Beitrag: Teilweise sachfremd und inkompetent

Zu dem Beitrag Wie hausgemachter Strom blockiert wird im letzten GEB-Infoletter schrieb uns Jürgen Holtmann:

Wenn man ein klein wenig Ahnung von der Materie hat, zeigt der Frontal21-Beitrag über Kraft-Wärme-Kopplung einmal mehr, wie emotional und teilweise sachfremd und inkompetent solche Beiträge aufgebaut werden. Mit wenigen, in dieser Form vermutlich in Deutschland einmaligen Negativbeispielen, werden Birnen (Einfamilienhäuser) mit Äpfeln (wärmeintensive Industrie) verglichen und eigentlich nur (leider zum Teil berechtigte) Emotionen gegen die großen Stromversorger geschürt. Der wichtigen Sache BHKW dient das leider ziemlich wenig.
  1. Ein BHKW, wie im Beitrag eingangs dargestellt, speichert keine Wärme.
  2. Ein gasbetriebenes BHKW vermeidet kein CO2, sondern erzeugt nur im Vergleich zum Großkraftwerk weniger CO2, bezogen auf die Stromerzeugung (leider ist es gegenüber einem Kernkraftwerk, bezogen auf CO2, sogar schlechter).
  3. Mit Pflanzenöl betriebene BHKWs sind auf dem Markt noch ausgesprochen dünn gesät und haben wie Diesel-BHKWs erhebliche Abgasprobleme z.B. mit Ruß.
  4. Mit einem BHKW erzeugter Strom ist nur unter ganz bestimmten Bedingungen billiger als der Strom aus der Steckdose. Mindestens 3000 bis 4000 BHKW-Betriebsstunden mit eigener, vollständiger Nutzung des erzeugten Stroms und der Wärme, führen zu den erwähnten Einsparungen. Zumindest die durchaus erheblichen Mehrkosten gegenüber einer herkömmlichen Heizung müssten natürlich in die Kalkulation einfließen. Hier werden Betreiber von BHKWs in Einfamilienhäusern immer Schwierigkeiten haben.
  5. Eine ausschließliche Selbstversorgung mit Strom aus dem BHKW bei gleichzeitiger Nutzung des gesamten Wärmeangebots (und damit ein wirtschaftlicher Betrieb) ist im Einfamilienhaus praktisch nicht möglich (was macht man im Sommer mit der Wärme?). Für Herrn Ritter mit einem immensen ganzjährigen Bedarf an Prozesswärme sieht das Ganze natürlich wesentlich günstiger aus.
  6. Will man Nachbarn oder Mieter mit Strom zu versorgen, wird man zum Stromversorgungsunternehmen und stößt an gesetzliche Grenzen. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten zu einvernehmlichen Regelungen.
  7. Der Eigentümer des erwähnten Mehrfamilienhauses würde natürlich Probleme haben, alle Mieter jederzeit und ausreichend (Vor allem bei Spitzenbedarf. Wird das BHKW strommäßig überfordert, bleibt es einfach stehen!) mit dem Strom aus zwei BHKWs (ca. 11 kW) zu versorgen und gleichzeitig die gesamte erzeugte Wärme nutzbringend zu verwerten. Was macht er z.B. im Sommer mit 22 kW Wärme? Außerdem unterliegt der Strombedarf in einem Mehrfamilienhaus so starken Schwankungen über den Tag, dass ein vernünftiger Betrieb ohne sehr teuere Stromspeicherung eigentlich nicht möglich wäre. Ein Beispiel also, das hinten und vorne hinkt.
  8. Den eigenen Strombedarf und die Stromheizung des Nachbarn in dem anderen Beispiel mit einem BHKW (5,5 kW) vollständig abzudecken, ist nicht möglich. Man braucht also weiterhin den öffentlichen Stromversorger. Bei richtiger Vorbereitung und kompetenter Beratung wäre hier sicher eine einvernehmliche Lösung mit dem Versorger möglich gewesen.
  9. Zu dem Beispiel Dänemark hätte man selbstverständlich erwähnen müssen, dass dort ein sehr hoher Anteil der Haushalte mit Nahwärme versorgt wird. Dort steht also nicht in jedem Keller ein BHKW, wie man nach dem Bericht vermuten könnte, sondern die BHKWs stehen in den Heizzentralen, was natürlich wesentlich günstigere Bedingungen mit sich bringt.
  10. Die Firma Solo baut ein BHKW mit Stirlingmotor zu einem relativ hohen Preis.
  11. Die Kritik an den großen Stromversorgern ist durchaus berechtigt, aber man sollte auch einmal die Heizungsbauer fragen, wer bereit ist ein BHKW einzubauen. Oder fragen Sie einmal die Hersteller von BHKWs zu diesem Thema.
  12. Ich kenne BHKWs, die sehr gut funktionieren und die auch keine Probleme mit dem Stromversorger haben.
  13. Ich kenne aber auch BHKWs, die wegen andauernden technischen Problemen wieder ausgebaut wurden.
  14. Ich kenne auch einen regionalen Stromversorger, der von sich aus BHKWs, z.B. in Schulen (Contracting) eingebaut hat und sich bei dem angebotenen Wärmepreis vollständig zu seinen Ungunsten verkalkuliert hat.

Dipl.-Ing.(FH) Jürgen Holtmann, Allensbach

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