Gebaeude Energie Berater Ausgabe: 04-2008

Mit digitalen Fotomontagen Aufträge akquirieren

Ein Bild sagt mehr...


Aufwendige energetische Gebäudesanierungen verändern immer auch die Gebäudehülle. Optische ­Veränderungen, die sich die Kunden im Vorfeld häufig nur schwer vorstellen können. Um diese Bau­herren von den geplanten Maßnahmen zu überzeugen, ist es sehr hilfreich, das Sanierungsergebnis vor der Durchführung grafisch zu präsentieren. Dazu können beispielsweise Gestaltungsprogramme benutzt werden, mit denen sich Fotos der Gebäude modifizieren lassen.

  1. Teil: Ein Bild sagt mehr...
  2. Teil: INFO
  3. Teil: AUTOR

Die Energieberatung und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Gebäudehülle sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Mit der digitalen Fotomontage kann der Energieberater genauso individuell auf das Gebäude des Kunden eingehen und sehr anschaulich das neue Erscheinungsbild des Bauwerks zeigen. Diese Programme erleichtern nicht nur die Entscheidungsfindung zögerlicher oder kritischer Bauherren, sondern unterstützen die Energieberater bei der Akquisition, Beratung und Angebotserstellung. Alles, was der Nutzer braucht, ist eine Kamera, ein PC, die Software - und etwas gestalterisches Geschick. Neben Einzelgebäuden, Dachflächen und Innenräumen lassen sich Gebäudeteile und ganze Straßenfassaden visualisieren. Der Energieberater kann seinem Kunden mit einer Fotomontage schnell die visuellen Auswirkungen neuer Fenster, einer anderen Fassadenfarbe nach Dämmmaßnahmen oder einer neuen Solaranlage verdeutlichen. Zusätzlich lassen sich weitere Fotos erstellen, die unterschiedliche Sanierungsvarianten darstellen.

Direkt im Foto arbeiten

Das Funktionsprinzip der Programme ist bei allen Herstellern ähnlich: Zuerst wird ein Foto vom Bestandsgebäude in das Programm geladen. Jetzt markiert der Nutzer direkt im Foto alle zu ändernden Bereiche, beispielsweise alle Fensteröffnungen. Aus einem Bauteilkatalog wählt er anschließend neue Fenster aus und fügt sie in das Foto ein. Die neuen Fassadenelemente passen sich automatisch ein und können nun dem Bauherren oder Kunden im Kontext seines konkreten Gebäudes präsentiert werden. Mit wenigen Mausklicks „montiert“ und visualisiert der Nutzer beispielsweise auch eine komplette Solaranlage auf dem Dach des Kunden. So können alle Veränderungen, die an der Gebäudehülle geplant sind, dargestellt werden. Zudem lassen sich unterschiedliche Fassadenfarben visualisieren. Materialstrukturen, Licht- und Schattenverhältnisse bleiben dabei erhalten. Besonders beeindruckend wirken modifizierte Fotos, wenn sie dem Original gegenüber gestellt werden. Bei denkmalgeschützten und bauhistorisch wertvollen Objekten, tragen fotobasierende Präsentationsprogramme dazu bei, technisch und gestalterisch optimierte Lösungen zu finden.

Zahlreiche Einsatzbereiche

Einige dieser Programme, zum Beispiel FarbePlus oder Foto-Aufmaß Professional, leisten noch mehr: Für ein digitales Aufmaß bieten sie eine Fotoaufmaßfunktion zur Erfassung von Fassadenabmessungen, Fensteröffnungen, Höhen und vielem mehr. Ein und dieselbe Aufnahme lässt sich sowohl für das Aufmaß als auch für die Akquisition nutzen. Die Maße lassen sich am Büro-PC, je nach Qualität des Fassadenfotos, bis auf den Zentimeter genau ermitteln. Damit erübrigt sich das Vor-Ort-Aufmaß mit Bandmaß und Zollstock für eine überschlägige Angebotserstellung (siehe auch GEB-Heft 3/08).

Das Problem mit den Farben

Realistische, mit den Farbtönen der Hersteller übereinstimmende Fassadenfarben lassen sich nicht ohne Weiteres darstellen. Das liegt an unterschiedlichen Farbmodellen und einer voneinander abweichenden Farbwiedergabe von PC-Monitoren und Druckern. Während Monitore mit einer sogenannten additiven Farbmischung der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau arbeiten, von denen jede eine Intensität zwischen 0 und 255 annehmen kann (RGB-Wert), entstehen die Farbtöne des Druckers durch eine subtraktive Farbmischung der vier Grundfarben Zyan, Magenta, Gelb und Schwarz (CMYK). In Abhängigkeit vom Druckertyp, der Farbpatronen, des Druckerpapiers und weiterer Faktoren entstehen teilweise erhebliche Farbabweichungen. Mit speziellen Farbkalibrierungs-Werkzeugen bzw. „digitalen Farbtonkarten“ lässt sich dieses Problem jedoch lösen (siehe auch http://www.colordigital.de ).

Kosten und Zeitaufwand

Die Kosten für einen „Kreativ-Arbeitsplatz“ halten sich in Grenzen, wenn ein Windows-fähiger PC und ein Farb-Tintenstrahldrucker bereits vorhanden sind. Dann fallen lediglich Softwarekosten an. Je nach Leistungsumfang kostet eine Fassadengestaltungs-Software zwischen 500 und 1500 Euro. Wer nur eine konventionelle Kamera besitzt, kann sich mit einer Foto-CD oder einem Scanner behelfen. Eine Digitalkamera, möglichst mit 28–110 mm Weitwinkel-Zoomobjektiv, ab 5 Megapixel Bildauflösung und einem Preis ab 250 Euro, vereinfacht die Fassadengestaltung jedoch erheblich. Als weitere optionale Hardware sind spezielle Fotodrucker ab 300 Euro, manchmal auch großformatige Farbplotter ab 2500 Euro sinnvoll. Auch die Bearbeitungszeiten halten sich in Grenzen. Diese sind abhängig davon, wie viele Flächen bzw. Eckpunkte pro geschlossenem Polygonzug markiert werden müssen. Das ist – trotz mancher Automatismen einiger Programme – immer noch der aufwendigste Teil der Prozedur. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt bei 15 bis 30 Minuten für die Bildbearbeitung.

Worauf Energieberater achten sollten

Vorwiegend Fensterbausoftware- und Malersoftware-Hersteller bieten fotobasierende Präsentationsprogramme an. Während eine Fensterbau-Präsentationssoftware dazu dient, Fenster oder Türen aus einem mitgelieferten Katalog im Zusammenhang mit einer konkreten Fassade zu visualisieren, ist eine Malersoftware speziell für die Farb- und Fassadengestaltung konzipiert. Nicht jede Fenster- oder Malersoftware ist daher auch für die Bedürfnisse von Gebäudeenergieberatern geeignet. Deshalb sollte man bei der Auswahl insbesondere auf folgende Punkte achten:

Beim Einlesen von Fassadenfotos sollten neben den üblichen Pixelbildformaten JPG, TIF und BMP auch Architektenzeichnungen als Vektorgrafik im Format DXF oder WMF importiert werden können. Der besseren Übersicht wegen wäre eine Vorschau-Funktion beim Öffnen von Bilddateien sinnvoll. Auch sollten vor dem Kauf folgende Fragen beantwortet sein: Lassen sich Bildbereiche aufhellen, Bildelemente wie störende Bäume retuschieren oder Fassadenschäden ausbessern? Besteht die Möglichkeit, schrittweise letzte Aktionen rückgängig zu machen bzw. wiederherzustellen? Ist der Bauteilkatalog umfangreich und erweiterbar? Lassen sich auch „fremde“ Elemente wie gescannte Produktbilder, Detailfotos etc. in ein Fassadenfoto einfügen? Können diese an die Bildperspektive angepasst werden? Lassen sich mehrere Fassaden ein und desselben Gebäudes gleichzeitig bearbeiten? Und letztendlich: Können Fassaden auch perspektivisch und maßstäblich korrekt entzerrt werden?

Auch zum Thema „Maskieren“ gibt es mögliche Fragen: Welche Werkzeuge stehen für die Definition zu modifizierender Flächen zur Verfügung? Linien, Polylinien, Rechtecke, Bögen etc. gehören zum Standard. Nur wenige Produkte unterstützen beispielsweise Freihandlinien. Verfügt das Programm über eine automatische Konturerkennung bei Vektor- und Pixelbildvorlagen, die das relativ zeitaufwendige manuelle Markieren von Flächen vereinfacht?

Speziell für die farbliche Fassadengestaltung ergänzt sich der Fragenkatalog um Folgendes: Unterstützen die Farbdatenbanken der Programme wichtige Standard-Paletten (RAL, NCS...) bzw. gibt es herstellerbezogene Farbtabellen? Sind eigene Farbpaletten definierbar? Welche Texturen, beispielsweise Putz-Strukturen, Verblendungen oder Holzverschalungen stehen zur Verfügung? Bietet das Programm auch für die Dacheindeckung geeignete Texturen?

Auch Erläuterungstexte, Höhenkoten, Längen- oder Flächenmaße, Schraffuren oder Farbflächen sollten in das fertige Bild eingefügt und bearbeitet werden können. Textgröße und -farbe, Zeichensatz etc. sollten dabei nach Möglichkeit ebenfalls einstellbar sein.

Ist die Visualisierung fertig, wird gedruckt. Hier sollten ebenfalls einige Fragen beantwortet sein: Verfügt das Programm über eine Druckvorschau? Lassen sich zum Beispiel für Vorher-Nachher-Fotos mehrere Bilder auf einer Seite zusammenstellen? Lässt sich eine Legende mit ausgeben? Unterstützt das Programm eine Variantenpräsentation per Diashow? Verfügt das Programm über eine Farbkalibrierung?

Sicherlich müssen nicht alle Anforderungen erfüllt sein, damit der Energieberater effektiv arbeiten kann. Die Checkliste liefert jedoch einen guten Überblick über die notwendigen Funktionen, damit nach dem Kauf alle Erwartungen an das Programm erfüllt werden.

  • Ideal sind Lösungen, die sowohl eine Fassadengestaltung als auch ein Aufmaß ermöglichen
  • Aus einem Bauteilkatalog lassen sich die Objekte per Mausklick in die Fassade einfügen
  • Vorher-Nachher: Fassadengestaltungs-Software zeigt, wie es nach einer Modernisierungsmaßnahme aussieht
  • Auch mit Standard-Grafiksoftware lässt sich in begrenzter Form ein Vorher-Nachher-Effekt vermitteln
FarbePlus
FarbePlus
FarbePlus
Color Digital

Literatur

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

Frage des Monats

Erwarten Sie aus dem Klimapaket positive Impulse für Ihre Energieberatertätigkeit?

Abstimmen
Wissenscheck

Testen Sie Ihr Wissen und lernen Sie dazu! Jeden Monat stellen wir Ihnen vier Fragen aus dem GEB-Umfeld und erläutern die richtige Antwort.

GEB-Newsletter

Ja, ich möchte den GEB-Newsletter kostenlos abonnieren: