GEB Newsletter: 06-2017 | 28.02.2017

Energiepolitik

Fördern oder lenken?

Politische Maßnahmen zur Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Emissionen haben vielfältige Effekte auf Wirtschaft und Haushalte. Eine für die Schweiz im Nationalen Forschungsprogramm „Steuerung des Energieverbrauchs“ (NFP 71) durchgeführte Studie liefert erstmals detaillierte Folgeabschätzungen der energiepolitischen Strategien „Lenkung“ und „Förderung“ hinsichtlich Effizienz und sozialer Ausgewogenheit.

Um Verbrauchsziele zu verfolgen, verfügt die Politik über zwei grundlegende Strategien: Verbrauchslenkung mittels Besteuerung von Energie und CO2 sowie Fördermaßnahmen mit Marktmechanismen (z.B. Steuern und Subventionen) bzw. mit verpflichtenden Vorgaben (z.B. Effizienzvorschriften für Elektrogeräte).

„Die Frage nach der geeigneten Wahl und Ausgestaltung von Politikmaßnahmen zur Reduktion von Energie und CO2-Emissionen muss neben den Gesamtkosten maßgeblich berücksichtigen, wie sich die Gewinne und Lasten auf verschiedene sozio-ökonomische Gruppen verteilen“, sagt Sebastian Rausch. Der Professor für Energieökonomie am Center for Economic Research an der ETH Zürich hat die Studie im Rahmen des NFP 71 durchgeführt.

Verdeckte Kosten der Förderung

Die Studie kommt zum Schluss, dass Lenkung gesamtwirtschaftlich erheblich effizienter und um bis zu fünfmal kostengünstiger ist als Förderung. Haushalte nehmen dies jedoch anders wahr, da die Energiepreise durch Lenkungsmaßnahmen stärker steigen und die Rückverteilung der Einnahmen an die Haushalte und Unternehmen ausgeblendet wird.

„Mit Fördermaßnahmen steigen die Energiepreise nur wenig. Dies suggeriert aber nur scheinbar niedrigere Kosten“, sagt Rausch. „Fördermaßnahmen senken den Energieverbrauch nur dort, wo gefördert wird, und es wird auch einiges gefördert, was ohnehin realisiert wird. Lenkung wirkt dagegen überall und auf jede einzelne energierelevante Entscheidung von Haushalten und Unternehmen. Die auf der ganzen Breite wirkende Lenkung führt daher zu deutlich tieferen Gesamtkosten als die punktuelle Förderung. Die höheren Gesamtkosten der Förderstrategie sind verdeckt. Letztlich müssen aber die Haushalte und Unternehmen für diese Mehrkosten aufkommen.“

Alle gleich behandeln?

Die Studie zeigt auch, dass sowohl mit Lenkung als auch mit Förderung die einzelnen Haushalte wegen ihres jeweiligen Energieverbrauchs und Einkommens unterschiedlich betroffen sind – es gibt in beiden Strategien „Gewinner“ und „Verlierer“. In drei wesentlichen Punkten unterscheiden sich die Strategien jedoch:

  1. Lenkung führt aufgrund größerer Energiepreisänderungen zu einer erheblich breiteren Streuung der Effekte auf das frei verfügbare Einkommen zwischen den Haushalten.
  2. Die meisten Haushalte stehen mit Lenkung besser da als mit Förderung.
  3. Mit der Förderstrategie verlieren fast alle Haushalte, während mit Lenkung ein Drittel der Haushalte sogar bessergestellt wird.

Wer durch Lenkung gewinnt oder verliert, hängt maßgeblich vom Rückverteilungsmechanismus der Lenkungsabgabe sowie von den Energieausgaben und vom Einkommen der Haushalte ab: Im Durchschnitt werden einkommensschwächere Haushalte durch eine Pro-Kopf-Rückverteilung der Steuereinnahmen vor steigenden Energiekosten geschützt, Hauseigentümer werden gegenüber Mietern schlechter gestellt, und Haushalte in ländlichen Gegenden verlieren gegenüber Haushalten in Städten und Agglomerationen.

Einblicke in Haushalte

Die Perspektive der Haushalte ist besonders bedeutsam, da diese als Arbeitnehmer und Verbraucher von Energie und Gütern in mehrfacher Hinsicht von energiepolitischen Maßnahmen betroffen sind.

Rausch: „Die vorliegenden Erkenntnisse helfen, die soziale Akzeptanz solcher Markteingriffe zu erhöhen. Es ist jedoch nicht Ziel der Studie, spezifische Politikmaßnahmen zu evaluieren, sondern die grundlegenden Unterschiede einer förder- und lenkungsbasierten Energie- und Klimapolitik aufzuzeigen.“

Eine ausführliche Beschreibung der Studie und der Ergebnisse enthält das Arbeitspapier Extended Abstract and Summary ProSTEP (englisch). GLR

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