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Transparenz Fernwärme in der Bilanzierung und für den Endverbraucher

Fernwärme wird in Deutschland in einem unregulierten Monopolmarkt vertrieben und bereitet deshalb Endverbrauchern nicht selten Probleme, häufig z. B. hohe Energiekosten. Ist der Umweltnutzen tatsächlich so hoch (wie der niedrige Primärenergiefaktor suggeriert), dass man diese Folgewirkungen rechtfertigen kann? Es geht nach meiner Kenntnis z. B. kaum in die Berechnung des Primärenergiefaktors ein, welcher Energieträger bei der KWK zum Einsatz kommt. Die Stromerzeugung wird in der KWK als Sowieso-Prozess angesehen. Das sehen selbst viele umweltbewusste Verbraucher heute kritisch.
Da sind auch Energieberater und Planer in der Verantwortung, die Transparenz der verwendeten Berechnungsgrundlagen gerade bei der Fernwärme zu hinterfragen, auch wenn man sich hinter anerkannten Regeln gut verstecken kann. Natürlich ist ein niedriger Primärenegiefaktor prima geeignet ist, die Anforderungen von EnEV, EEWärmeG und EnEV zu erfüllen - umso mehr muss man sich fragen, welche Auswirkungen man damit für die Umwelt (CO2) und genauso für den Endverbraucher (Kosten) letztlich auf den Weg bringt.

Ein Vorschlag der Verbraucherzentrale: Herkunftsangaben und Informationen zu Emissionen und Netzverlusten bei der Fernwärme in gleicher Weise wie beim Strom veröffentlichen - das wäre schon ein großer Schritt zu mehr Transparenz.
Das würde auch der Energiewende für die dafür ja nicht verzichtbare Fernwärme zu mehr Akzeptanz verhelfen.
Datum: 11.03.2016 11:41:52

Re: Transparenz Fernwärme in der Bilanzierung und für den Endverbraucher

Da haben Sie als Verbraucherzentrale dann ja eine schöne Aufgabe und pfuschen uns nicht mehr ins Handwerk.
MfG
Heinz Pluszynski
Datum: 11.03.2016 13:49:40

Re: Transparenz Fernwärme in der Bilanzierung und für den Endverbraucher

Viele KWK-Fernwärmeerzeuger sind auch zertifiziert und haben eine entsprechende auf der tatsächlichen Erzeugung basierende "offizielle" fp-Zahl, die ja dann auch für Berechnungen angesetzt werden darf. (oft kleiner als 0,7 für KWK fossil) Diese Zertifikate müssen auch anhand von Jahresbilanzen in regelmäßigen Abständen dem tatsächlichen Energiemix angepasst werden.
Datum: 27.03.2016 16:21:01

Re: Transparenz Fernwärme in der Bilanzierung und für den Endverbraucher

Ja, da liegt ja auch ein Teil des Problems.
Wer den Primärenergiefaktor nach interner Vorschrift bilanzieren darf (und das ist dem FW-Lobbyverband AGFW sowohl in der EnEV als auch von der KfW explizit erlaubt), der wird u. U. zu anderen Ergebnissen kommen als ein unabhängiger Dritter. Durch das Wuppertal Institut wurde gerade eine passende Studie veröffentlicht und dazu gibt es jetzt einen parallelen Blogbeitrag:
"Studie fordert Neujustierung des EnEV-Primärenergiefaktors"

Hier dieser Blog-Beitrag, auf den auch im aktuellen Newsletter hingewiesen wird:

http://www.geb-info.de/Forum/L0NCQl9MSVNUP01BSU5DTUQ9REVUQUlMJkZPUkVOSUQ9MTEyMzY3JkJCSUQ9MTM4NjgmTEFZT1VUPUxJU1QmTUlEPTEwNTczNg.html
Datum: 29.03.2016 10:39:25

Re: Transparenz Fernwärme in der Bilanzierung und für den Endverbraucher

Primärenergiefaktoren sind politisch motiviert, nutzen dem privaten Anwender jedoch wenig, denn der muss bei seinem Versorger tatsächlich verbrauchte Endenergie bezahlen!
https://www.lobbycontrol.de/
Datum: 19.05.2016 10:30:06

Re: Transparenz Fernwärme in der Bilanzierung und für den Endverbraucher

Ein außerordentlich sehr wertvoller Beitrag, den ich als Gutachter, TGA Planer und Energieeffizienzexperte gesamtheitlich nur unterstützen kann!
Datum: 19.05.2016 10:11:11

Re: Transparenz Fernwärme in der Bilanzierung und für den Endverbraucher

Fernwärme ist für den privaten Endnutzer durchaus interessant.
Dies jedoch nur, wenn die Hausübergabestation grundsätzlich nach den individuellen Erfordernissen/Notwendigkeiten dimensioniert wurde.
Die wirtschaftliche Verwertung von z.B. industrieller Abwärme zur privaten Nutzung für Hzg/WW schränkt sich daher deutlich ein.
Datum: 19.05.2016 11:34:59

Re: Transparenz Fernwärme in der Bilanzierung und für den Endverbraucher

Fernwärme ist ohne jeden Zweifel ein wichtiger Baustein des Wärmemarktes. Uns stört, dass hier nicht mit offenen Karten gespielt wird, was die wirkliche Effizienz und damit auch den tatsächlichen Klimabeitrag angeht - und das in einem Monopolmarkt, in dem der Verbraucher eine Entscheidung auch nicht mehr korrigieren kann, weil er für viele Jahre gebunden wird. Das schlägt sich vor allem in hohen Kosten pro KWh nieder, die nach uns vorliegenden Abrechnungen schon 17 Cent und mehr betragen. Völlig unkontrollierbar und noch höher werden diese Kosten, wenn nicht die klassische Fernwärme geliefert wird, sondern ein Wärmeliefercontracting eingesetzt wird - was ebenso juristisch als Fernwärme behandelt wird.
In diesem Fall ist der Wärmelieferant (häufig von Fernwärme, aber auch anderen Energieträgern wie Erdgas, Pellets usw.) gleichzeitig der Eigentümer und Betreiber der Anlage und lässt sich das mit zusätzlichen Preisbestandteilen (z. B. "Servicepreis" oder "Parameteranpassung") ordentlich bezahlen. Nicht nur für den Gebäudeeigentümer, sondern auch für Mieter ist das eine oft überraschende Kostenfalle, vor der man nur sehr schwer und nur mit mehr Aufklärung und Transparenz bewahren kann. In diesem Falle versagt leider auch der Energieausweis.
Wie soll eine Wärmewende funktionieren, die ihre Akzeptanz so aufs Spiel setzt?
Datum: 19.05.2016 12:12:25

Re: Transparenz Fernwärme in der Bilanzierung und für den Endverbraucher

Wir leben in einer reinen Verkaufsgesellschaft, da wird von Anbieterseite nie mit offenen Karten gespielt!
Verbraucher müssen zunehmend zusehen, wie sie sich vor buntem Werbegedöns (Kostenfallen) schützen können.
Fernwärme profitiert in EnEV bzw. KfW Nachweisen durch den günstigen Primärenergiefaktor (0,3...0,4)lediglich auf dem bunten Papier.
Tatsächlich sind die Verbrauchskosten für den Betreiber bei Neubauvorhaben deutlich höher im Vergleich zu z.B. LWP oder Gasbrennwert.
Wirtschaftliche Vergleichsrechnungen über den Zeitraum der Lebensdauer einer dezentralen Hzg-anlage (20...25 Jahre) haben an einem konkreten Beispiel ergeben, dass die Mehrverbrauchskosten dem Wert einer dezentralen Heizungsanlage entsprechen. Für den Betreiber ein denkbar schlechtes Geschäft!
Bei neu beplanten Neubaugebieten ist nicht selten eine zwangsweise Nutzung von Fernwärme vorgeschrieben. Davor kann ich nur warnen bzw. dieses überprüfen zu lassen.
Meist verdienen hierbei Viele mit, nur nicht der unbedarfte Bauherr. Der zahlt dann meist die Zeche.
Grundsätzlich bin ich nicht gegen Fernwärme, insbesondere, wenn z.B. industrielle Abwärme einer weiteren, privaten Endnutzung zugeführt wird. Dies sollte sich jedoch im Arbeitspreis/kWh wiederfinden lassen. Andernfalls eine Mogelpackung.
Datum: 19.05.2016 16:51:54

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