Anmelden

Sie haben noch keine Zugangsdaten?  Neu registrieren

- Sie müssen zum Beobachten angemeldet sein -

1 Tag 1 Woche 1 Monat
- keine neue Beiträge - - keine neue Beiträge - 6 neue Beiträge

Bewerten Sie dieses Thema:

Studie fordert Neujustierung des EnEV-Primärenergiefaktors

Wie aus einer Meldung des Wuppertal Institutes vom 23.02.16 hervorgeht, hat das Institut in einer Studie die Definition und Bedeutung der Primärenergiefaktoren im Rahmen der Energieeinsparverordnung (EnEV) untersucht. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass insbesondere aus den folgenden Gründen eine Neujustierung bei den Primärenergiefaktoren im Rahmen der EnEV erforderlich scheint:
1) Der Primärenergiefaktor ist in vielen Fällen kein geeignetes Maß zur Bestimmung der Treibhausgasemissionen eines Heizungssystems oder eines Endenergieträgers und hat damit in Bezug auf den Klimaschutz nur eine bedingte Lenkungswirkung.
2) Primärenergiefaktoren, die Null betragen (Beispiel Fernwärme), nahe Null liegen (Beispiel Holz) oder perspektivisch gegen Null laufen (Beispiel Strom), verlieren ihre Steuerungswirkung für die Energieeffizienz von Gebäuden. Auch wenn dadurch die formalen Ansprüche an die Bilanzierung von Gebäuden erfüllt werden, werden doch andere wichtige Aspekte wie z. B. die Ressourcenverfügbarkeit und Importabhängigkeit von Energieträgern oder andere mit der Primärenergiebereitstellung verbundene Effekte vernachlässigt.
In dem nun veröffentlichten Diskussionspapier werden daher erste Ansätze skizziert, wie die Primärenergiefaktoren in der EnEV methodisch sinnvollerweise weiterentwickelt werden könnten bzw. ob ggf. weitere oder andere Indikatoren zur Charakterisierung der ökologischen Performance von Gebäuden herangezogen werden sollten.

Auftraggeber der Studie ist die Zukunft ERDGAS GmbH.

Wie beurteilen Sie die Ausagen der Studie?

Datum: 01.03.2016 16:19:41

Re: Studie fordert Neujustierung des EnEV-Primärenergiefaktors

Zum Diskussionspapier des Wuppertal Instituts über die Aussagefähigkeit der Primärenergiefaktoren für Endenergieträger im Rahmen der EnEV haben der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) und der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) folgende gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht:

Das zentrale Problem der Klimaschutzwirkung der EnEV ist weniger die unzureichende Klimaschutzorientierung der Primärenergiefaktoren. Vielmehr entfaltet die EnEV für den Gebäudebestand kaum Wirkung. Das Gros der Energie wird jedoch im Gebäudebestand verbraucht, nicht im energieeffizienten Neubau. Wer die Klimaschutzwirkung der EnEV erhöhen will, muss demnach zu allererst beim Gebäudebestand ansetzen.

Die Behauptung, niedrige Primärenergiefaktoren würden dazu führen, dass die EnEV ihre Steuerungswirkung hin zu energieeffizienten Gebäuden verliert, ist schlicht falsch. „Der Mythos, durch niedrige Primärenergiefaktoren Erneuerbarer Energien würden Gebäude mit einer schlechten Gebäudehülle gebaut, wird durch ständige Wiederholung nicht wahrer“, so Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands e.V. (DEPV). Die EnEV fordert neben einem niedrigen Primärenergieverbrauch als Hauptanforderung immer auch die Einhaltung von Mindestanforderungen an die energetische Qualität der Gebäudehülle und damit an den Wärmeschutz. „Es ist unzulässig, Gebäude mit einer ‚energiedurchlässigen‘ Gebäudehülle zu bauen. Wenn man der Meinung ist, dass die Nebenanforderung an den Wärmeschutz nicht anspruchsvoll genug sei, dann sollte man hier eine Verschärfung fordern, anstatt die niedrigen Primärenergiefaktoren der Erneuerbaren Energien zu beklagen“, so Bentele weiter.

Karl-Heinz Stawiarski, Vize-Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) und Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP): „Die Umstellung unserer Stromversorgung auf Erneuerbare Energien ist eine Erfolgsgeschichte. Die Kosten dafür tragen die Stromkunden. Parallel zum Ausbau von Photovoltaik und Windkraftanlagen muss sich selbstverständlich auch der Primärenergiefaktor für Strom verbessern.“ Eine stärkere Nutzung des sauberen Energieträgers Strom im Wärme- und Verkehrssektor ist politisch gewollt: Unter dem Schlagwort „Sektorkopplung“ fordern Wissenschaftler und Energiepolitiker eine bessere Verknüpfung zwischen Strom- und Wärmesektor. Und auch im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass der sogenannte Überschussstrom einer sinnvollen Verwendung im Wärmemarkt zugeführt werden soll.

Diskussionswürdig finden DEPV und BWP die Feststellung des Wuppertal Instituts, dass die Primärenergiefaktoren teilweise nicht konsistent festgelegt sind. Eine strikte Ausrichtung der nicht-erneuerbaren Primärenergiefaktoren am Klimaschutz und damit an den CO2-Emissionen könnte in der Tat energie- und klimapolitisch sinnvoll sein. Primärenergiefaktoren von nahezu Null würde es dann nicht mehr geben. Diese Umstellung müsste von den Erneuerbaren Energien nicht gefürchtet werden, auch wenn einige ihrer Primärenergiefaktoren leicht steigen sollten. Insgesamt würden sie niedriger bleiben als die der fossilen Energien. Schlechter gestellt würden vor allem Heizöl, Kohle und fossile KWK. Die CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung werden jedoch weiter sinken: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks fordert, noch vor 2050 aus der Kohleverstromung auszusteigen und möchte durch einen optimierten europäischen Emissionshandel die CO2-Emissionen zusätzlich minimieren. Die CO2-Emissionen nach österreichischem Vorbild verpflichtend im Gebäudeenergieausweis auszuweisen, findet bei beiden Verbänden Zustimmung.

Die für den Pelletmarkt in Deutschland dominierenden Holzpellets aus Sägenebenprodukten punkten mit sehr niedrigen CO2-Emissionen. Die in der Studie des Wuppertal Instituts genannten Holzpellets aus Waldrestholz und Kurzumtriebsplantagen (KUP) wird es hingegen aus Gründen des Immissionsschutzes und der Qualitätssicherung auf dem deutschen Markt nicht in bedeutenden Mengen geben, genauso wenig wie Holzpellets aus Kanada, wie die Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes zeigt.

Die im Klimaabkommen von Paris geforderte Dekarbonisierung bis zur Mitte dieses Jahrhunderts ist nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch bereits heute in Teilen möglich: Nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts ISE stößt eine hocheffiziente Wärmepumpe bereits heute 60 Prozent weniger CO2 aus als ein Ölkessel. Wird die Wärmepumpe mit einer Photovoltaikanlage betrieben, heizt sie bereits heute nahezu emissionsfrei. Beim Umstieg auf Heizen mit Pellets werden etwa 90 Prozent der CO2-Emissionen eingespart.

Datum: 02.03.2016 11:09:48

Re: Studie fordert Neujustierung des EnEV-Primärenergiefaktors

Wenn wir den Verbrauch der Gebäude reduzieren wollen dürfen wir uns nicht an Diskussionen um Rechenfaktoren hingeben, die -wenn überhaupt- ein unzureichendes Bild der Nutzung des Energieträgers widerspiegeln.

Daher würde ich diese Faktoren komplett abschaffen.

Am Energieausweis würde man sofort sehen wieviel tatsächlich verbraucht wird. Endenergie
Den Rest regelt der Markt. Image und Umweltfaktoren der verschiedenen Brennstoffe sind bekannter als deren Umrechnungsfaktoren und führen zu fragwürdigen ergebnissen.
Datum: 22.03.2016 12:12:47

Frage des Monats

Wie viel Prozent Ihrer Energieberatertätigkeit machen Einzelmaßnahmen aus?

Abstimmen
Wissenscheck

Testen Sie Ihr Wissen und lernen Sie dazu! Jeden Monat stellen wir Ihnen vier Fragen aus dem GEB-Umfeld und erläutern die richtige Antwort.

GEB-Newsletter

Ja, ich möchte den GEB-Newsletter kostenlos abonnieren: